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Vatikan: Der Petersplatz nach dem Begräbnis

Die Trauerfeierlichkeiten sind vorbei. Papst Johannes Paul II. ist begraben, Reporter und Staatsgäste sind abgereist - nur die Touristen sind noch da. Und das Grab mausert sich zur neuen Pilgerstätte.

"Guck mal, wandernde Tüten", ruft ein kleiner Junge auf der Straße. Eine Gruppe Polen, zum Schutz vor Regen in Plastikfolien gehüllt, geht an ihm in Richtung Petersplatz vorbei. "Umbrella, umbrella", schreien die fliegenden Händler. Statt Papstsouvenirs verkaufen sie am Wochenende Regenschirme. Es regnet unaufhörlich, dicke Tropfen fallen in graue Pfützen. Trotzdem herrscht an den Tagen nach dem Papst-Begräbnis schon in aller Frühe reger Betrieb vor dem Petersdom. Pilger und Touristen ordnen sich brav in die geschrumpfte Schlange. Wer auf den Regen vorbereitet war, ist froh - die anderen drängen sich unter die Schirme fremder Leute.

Im Petersdom steht Giovanni. "Vielleicht am Montag", wiederholt er ein ums andere Mal. Der freiwillige Helfer leitet seit knapp einer Woche die Menschenmassen durch die Basilika. Die Besucher interessiert nun vor allem, wann sie die Grotte, in der Johannes Paul II. begraben wurde, besichtigen können. Am Montag soll bekannt gegeben werden, wann sie öffnet. "Ich dachte, es wird ein ruhigerer Tag. Das ist wohl nicht so", meint Giovanni. Wirr laufen Menschen durch die Kirche, an jeder Ecke vermuten sie den Eingang zum Grab.

Was zur geschätzten Tradition geworden war, entfällt an diesem Sonntagmittag: Das Angelus-Gebet, das der Papst sonst sonntags vom Fenster seines Arbeitszimmers aus gesprochen hat. Pilger knien mit großen Rucksäcken bepackt in den Seitengängen des Petersdoms. "Wir wollten kurz vor der Abreise 'auf Wiedersehen' sagen", sagt Marta aus Polen. Seit Mittwoch ist sie in Rom. Die Nacht zum Samstag hat sie zusammen mit einer Freundin am Bahnhof Termini verbracht, weil ihr Zeltlager schon am Freitagabend geräumt wurde. Trotzdem ist sie zufrieden mit der Organisation der Römer: "Das war eine große Leistung."

Hoffnung auf Ruhe erfüllt sich nicht

Andere sind im Petersdom, weil sie meinten, in Ruhe das Gotteshaus besuchen zu können. "Ich wollte Sankt Peter in den vergangenen Tagen den Pilgern überlassen", sagt die Römerin Elena Giuliani. Sie ist extra um sieben Uhr morgens aufgestanden: "Um diese Zeit ist normalerweise nicht viel los." Hinter ihr bildet sich ein Menschenstrom. Trotzdem ist Giuliani froh, dass sich so viele für die Kirche interessieren. "Die Kirche in Europa braucht mehr Anhänger", findet sie.

Dafür interessiert sich eine Reisegruppe aus Salzgitter weniger. Die deutschen Teilnehmer lauschen den Worten einer Fremdenführerin. Sie erzählt von Kaiser Nero und der römischen Geschichte, der Papst steht nicht im Mittelpunkt. "Ich habe die Reise im Januar gebucht", sagt die 68-jährige Renate Krämer, "da konnte man ja noch nicht ahnen, dass der Papst ausgerechnet in der Woche stirbt, in der wir in Rom sind." Ihr Sightseeing-Programm konnten die Touristen trotzdem abarbeiten. "Nur den Petersdom, den haben wir bis heute ausgelassen."

Händler hoffen auf neue Pilgerstätte

Am Eingang knipst eine Gruppe Japaner unzählige Fotos. Auf der Tribüne am Ende des Platzes rollen Arbeiter Kabel auf und räumen Kamerastative zusammen. Ein Müllwagen schluckt den letzten Abfall. Zahlreiche Händler mit Bauchläden bieten immer noch Rosenkränze an, auch Alfredo ist noch unter ihnen. Dabei wollte er eigentlich am Sonntag nicht mehr hier sein, doch die Betriebsamkeit auf dem Platz hat ihn zum Bleiben veranlasst. "Wenn das Grab öffnet, wird das ein neuer Pilgerort - und ein gutes Geschäft."

Annette Reuther/DPA / DPA