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Vatikan: Kardinäle bereiten Konklave zur Papstwahl vor

Vatileaks-Affäre und Missbrauchsskandal: Auf Papst Benedikts Nachfolger kommt einiges zu. Die Kardinäle bereiten bereits das Konklave vor, der neue Papst könnte schon Ostern im Amt sein.

Nach dem Rücktritt von #Link;http://www.stern.de/panorama/papst-benedikt-xvi-90828001t.html;Papst Benedikt XVI.# kommen am Montag im Vatikan die Kardinäle zusammen, um das #Link;http://www.stern.de/panorama/konklave-90445851t.html;Konklave# zur Wahl eines neuen Oberhaupts der römisch-katholischen Kirche vorzubereiten. Nach den bisherigen Plänen soll der neue Papst möglichst schon zu Ostern Ende März im Amt sein.

Im Fokus der Kardinäle dürfte auch ein geheimer Bericht über den sogenannten #Link;http://www.stern.de/panorama/sex-gier-korruption-vatileaks-affaere-soll-papst-zum-ruecktritt-getrieben-haben-1974470.html;Vatileaks-Skandal# stehen. Zwar hatte Benedikt entschieden, dass nur sein Nachfolger Einblick in die Untersuchungen über die Weitergabe von Dokumenten aus dem Vatikan an Journalisten erhalten soll. Die Verfasser des geheimen Dokuments, drei ältere Kardinäle, würden aber "ihre Einsicht nutzen, um die notwendige Orientierung zu geben", hieß es in Vatikan-Kreisen.

"Wir werden über die Führung der Kirche sprechen und in diesem Zusammenhang könnte es auch Fragen an die Menschen geben, die den Bericht geschrieben haben", sagte Kardinal Francis George aus Chicago. Natürlich müsse die Geheimhaltungspflicht beachtet werden. "Ich denke, wir werden aus vielen Quellen genug erfahren, um herauszufinden, was für eine gute Führung der Kirche notwendig ist."

"Homosexuellen Aktivitäten" im Vatikan

Benedikts #Link;http://www.stern.de/panorama/vatileaks-affaere-papst-begnadigt-seinen-ex-kammerdiener-1946028.html;Kammerdiener Paolo Gabriele# war verurteilt worden, weil er persönliche Papiere des Papstes entwendet und an die Medien weitergegeben hatte. In den Papieren war von Korruptionsvorwürfen die Rede sowie von internen Machtkämpfen bei der Bank des Vatikans, die bereits in der Vergangenheit mehrfach im Zentrum von Skandalen stand. In dem unter Verschluss gehaltenen Bericht sei zudem von "homosexuellen Aktivitäten" im Vatikan die Rede, hieß es in einem Medienbericht ohne Quellenangabe. Der Vatikan war italienische Medien scharf angegangen und hatte ihnen vorgeworfen "falsche und schädliche Berichte" zu verbreiten.

Am Donnerstag - dem Tag des Rücktritts von Benedikt - hatte der Vatikan allerdings eingeräumt, dass Meldungen über Abhöraktionen zum Teil richtig seien. Einige Telefone seien abgehört worden, um den Skandal über weitergegebene Dokumente zu untersuchen.

Gläubige wünschen sich jüngeren Nachfolger

Der neue Papst wird sein Amt in einer der schwersten Krisen der 2000 Jahre alten Kirche antreten. Neben der Weitergabe interner Dokumente steht der Skandal um sexuellen Missbrauch Schutzbefohlener im Fokus. Viele Gläubige hoffen nun darauf, dass die Kardinäle einen jüngeren Nachfolger möglichst aus einem Land der Dritten Welt bestimmen werden. Offizielle Kandidaten gibt es nicht. Als mögliche Bewerber gelten #Link;http://www.stern.de/panorama/papst-wetten-in-grossbritannien-der-favorit-kommt-aus-ghana-1978486.html;Peter Turkson# aus Ghana und #Link;http://www.stern.de/panorama/papst-nachfolge-philippinische-kirche-positioniert-eigenen-kardinal-1970057.html;Antonio Tagle# von den Philippinen. Dazu kommt der Brasilianer Odilo Scherer, der Kanadier #Link;http://www.stern.de/panorama/benedikt-nachfolge-ein-papst-kandidat-kommt-aus-kanada-1978734.html;Marc Ouellet#, der Italiener Angelo Scola und Timothy Dolan aus den USA.

Papst Benedikt war am Donnerstag nach knapp achtjährigem Pontifikat zurückgetreten. Der Schritt war drei Wochen zuvor angekündigt worden und kam überraschend. Der 85-Jährige hält sich bis April in der #Link;http://www.stern.de/panorama/castel-gandolfo-hierher-zieht-sich-benedikt-zurueck-1977042.html;Sommerresidenz Castel Gandolfo# auf und wird dann seinen Ruhesitz in einem Kloster des Vatikans nehmen. Benedikt ist in der Kirchengeschichte erst der zweite Papst, der zu Lebzeiten aus dem Amt scheidet.

ger/Reuters / Reuters