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Vatikan: Teuflische Angst vor Schwulen

Die Nachricht löst Empörung aus: Menschen, die schwul leben oder Homosexuelle aktiv unterstützen, werden künftig nicht mehr zum Priester geweiht.

Der Vatikan verschärft den Umgang mit homosexuellen Priesteranwärtern: Schwule Männer, die nicht keusch leben werden künftig nicht mehr zur Priesterweihe zugelassen. Das geht aus einem neuen Dokument des Heiligen Stuhls hervor, das jetzt vorab im Internet veröffentlicht wurde.

Laut Vatikan sollen "praktizierende Homosexuelle, Männer mit tiefsitzenden homosexuellen Neigungen oder solche, die die so genannte schwule Kultur unterstützen", ausdrücklich vom Priesterseminar und kirchlichen Orden ausgeschlossen werden.

Diese rigide Anordnung löst nicht nur außerhalb der katholischen Gemeinde Empörung aus. "Man muss den Vatikan vor einer generellen Verdammung der Homosexuellen warnen", sagte der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, Volker Beck. "Wenn Homosexualität eine Veranlagung sein kann, wie der neue Katechismus sagt, kann die homosexuelle Veranlagung per se nicht für bestimmte Tätigkeiten disqualifizierend sein", so Beck.

"Das schafft einen sehr gefährlichen Präzedenzfall"

Auch Menschenrechtsorganisationen aus den USA kritisieren das Schreiben. Die in Washington ansässige US-Gruppe "Katholiken für eine freie Wahl" nannte das Dokument traurig für die katholische Kirche, weil es gute und treue Männer vom Priesteramt ausschließe. "Das schafft einen sehr gefährlichen Präzedenzfall", sagt Harry Knox, von der Schwulenorganisation "Human Rights Campaign". "Die Kirche verhält sich nicht, wie Jesus Christus es tun würde. Jesus würde niemals ausschließen."

Anlass für die neuen Vorgaben könnten die Sex-Skandale in der katholischen Kirche der USA und in anderen Ländern sein, bei denen mehrere Priester männliche Jugendliche sexuell missbraucht hatten. Die katholische Kirche schreibt, die Normen zur Homosexuellen-Frage seien wegen der "aktuellen Situation" notwendig geworden.

Homosexualität als solche gilt für den Vatikan nicht als Sünde, praktizierte Homosexualität dagegen schon. Immer wieder gibt es Spekulationen darüber, dass es unter Priestern einen ungewöhnlich hohen Anteil an Homosexuellen gäbe. Mitunter heißt es, ein Viertel, bis zu einem Drittel aller Priester sei schwul. Allerdings würde nur ein geringer Prozentsatz diese Neigung auch ausleben.

Verschiedene Medien hatten vor zwei Monaten berichtet, der Vatikan wolle alle schwulen Männer ohne Ausnahme vom Priesteramt ausschließen. Dies hatte große Diskussionen und die Befürchtung ausgelöst, die römisch-katholische Kirche werde viele ihrer Seelsorger verlieren.

Die Vorgaben der für katholische Erziehung zuständigen Kongregation beziehen sich nicht auf Männer, die bereits Priester sind, sondern ausschließlich auf Bewerber, die sich in Priesterseminaren darauf vorbereiten wollen. Erstmals soll es damit eine verbindliche Regelung geben, wie mit homosexuellen Amtsanwärtern verfahren wird. Bislang wurden Priesteranwärter nicht auf ihre sexuellen Neigungen hin befragt oder überprüft.

Mindestens drei Jahre Enthaltsamkeit

Männer mit "homosexuellen Tendenzen" sollen künftig nur dann Priester werden dürfen, wenn sie mindestens drei Jahre enthaltsam waren und somit ihre Neigung "überwunden" haben. Männer mit einer homosexuellen Vergangenheit hingegen sollen das Diakonat antreten können, sofern ihre Erfahrungen Bestandteil einer Übergangsphase waren,

"Selbst Enthaltsamkeit schützt den Homosexuellen vor dem totalen Unwerturteil der Kirche nicht", sagt der Grünenpolitiker Beck. Das Keuschheitsgebot für katholische Priester könne man vielleicht für unzeitgemäß halten, es sei jedoch per se noch keine Diskriminierung von Homosexuellen. "Allerdings, wenn der Vatikan von homosexuellen Priesteranwärtern mehr verlangt als von heterosexuellen Anwärtern, ist dies diskriminierend und nicht zu begründen", so Beck.

Mit Material von DPA/Reuters/AP / AP / Reuters