Verkürzung der Gymnasialzeit "Die Turbo-Schule ist Quatsch!"


Die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur sorgt derzeit für leidenschaftliche Debatten. Der stern hat zwei prominente und besorgte Eltern zur Diskussion eingeladen: TV-Moderator Reinhold Beckmann und Doris Schröder-Köpf, die Ehefrau von Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Beide fordern ein Gymnasium, das nicht nur für die Kinder reicher Eltern da ist.

Doris Schröder-Köpf, Ehefrau von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, greift in die Debatte um die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur ein. Die Mutter von drei Kindern lehnt die so genannte G8-Reform in ihrer jetzigen Form ab. Sie traf TV-Moderator Beckmann im Gymnasium Sophienschule in Hannover zum Gespräch. Zwei Stunden diskutierten die beiden prominenten Eltern mit dem stern. Beide beklagten die enorme Belastung, der Eltern und Kinder in der heutigen Schule ausgesetzt seien. "Die Turbo-Schule ist Quatsch!", erklärten Schröder-Köpf und Beckmann.

Schule als Belastung

Sie kritisierten das Chaos, das durch die G8-Reform entstanden sei. Schule werde für Eltern und Kinder immer häufiger zur Belastung. Die Debatte entzündet sich, weil die Zeit am Gymnasium bis zum Abitur von neun auf acht Jahre verkürzt wird. Experten sprechen deshalb von der G8-Reform.

"Es ist nicht in Ordnung, dass unsere Kinder zu Versuchskaninchen werden", sagte Beckmann. Ständig erlebe er, wie gewaltig der Druck auf Eltern und Kinder sei. Schröder-Köpf meinte, die Reform sei "völlig schlampert" gemacht worden. Statt immer mehr Wissen in die Kinder rein zu stopfen, fordert sie eine Erziehung zu mehr Herzensbildung.

Gymnasium als Eliteschule

Kritik übten beide auch an den mangelnden Chancen für Kinder aus einfachen Verhältnissen. Schröder-Köpf prangerte an: "Das Gymnasium entwickelt sich schon länger zu einer Eliteschule für Kinder von Leuten, die finanziell besser gestellt sind." Beide gaben zu, auch schon einmal Nachhilfe für ihre Kinder genommen zu haben. Beckmann: "Diese Scham kennen wir Eltern doch alle. Viele haben Angst, beim Thema Schule das Gesicht zu verlieren." Er sagte, bei Familien, die für Nachhilfe kein Geld hätten, könne das Kind vielfach nicht am Gymnasium bestehen. "Bildung wird so zu einer elitären Sache: Das hat mit Chancengleichheit nichts mehr zu tun", so der TV-Moderator.

Samstagsunterricht oder die Verkürzung der Ferien als Lösung für den Schulstress lehnen beide ab. Schröder-Köpf: "Samstags gehört mein Kind mir!" Beckmann: "Die Ferien zu kürzen, das ist der falsche Weg. Ich weiß wie sehr sich die Kinder jedes Mal auf diese sechs Wochen freuen." Die prominenten Eltern fordern stattdessen eine Ganztagsschule. Beckmann forderte einen besseren Rhythmus beim Stundenplan: "Eine Doppelstunde Mathe von 15 Uhr bis 16.30 Uhr ist unsinnig." Nach Meinung von Doris Schröder-Köpf ließen sich viele Talente innerhalb der Ganztagsschule entfalten, zum Beispiel in Theater oder Musik. So könnte auch den Kindern von Leuten, die keine Zeit oder kein Geld hätten, Hobbys ermöglicht werden.

"Note Vier ist kein Weltuntergang."

Die Kinder von TV-Talker Beckmann dürfen auch mal eine schlechte Note mit nach Hause bringen. "Eine Vier darf kein Weltuntergang sein", sagt er. "Kindheit und Jugend definieren sich nicht allein durch Schule. Freizeit, Freunde und auch Faulenzen sind mindestens genauso wichtig."

Reinhold Beckmann hatte Ende Januar eine Debatte über die Schulreform ausgelöst. In seiner Sendung war dem Vater von zwei Kindern vor laufender Kamera der Kragen geplatzt: "Unsere Kinder sind total überfordert!" Sein Sohn Vincent, 14, und seine Tochter Greta, 10, gehen in Hamburg aufs Gymnasium. Klara, 17, die Tochter von Doris Schröder-Köpf, verbringt gerade ein Auslandsjahr in England. Sie hat Zeit dafür, Klara ist noch kein "G8-Opfer". Adoptivtochter Viktoria, 6, wird im Sommer eingeschult. "Dann geht der ganze Schulstress für uns wieder von vorn los", so Schröder-Köpf.

Beide prominente Eltern engagieren sich seit langem für Kinder und Jugendliche: Doris Schröder-Köpf ist Schirmherrin der Stiftung "Deutsche Kinder-, Jugend- und Elterntelefone. Unter der kostenlosen Telefonnummer 0800-1110333 können Kinder und Jugendliche einem Erwachsenen ihre Sorgen anvertrauen. Reinhold Beckmann hat den Verein "Nestwerk" gegründet für benachteiligte Hamburger Kinder. Dafür bekam er das Bundesverdienstkreuz verliehen.


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