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Verluste mit Aktienfonds: Die Zocker vom Roten Kreuz

Die Finanzkrise hat nicht nur Bankern, Bürgern und Kommunen zugesetzt, sondern auch dem Roten Kreuz. Die Hilfsorganisation verlor nach stern-Informationen mehrere Millionen mit Aktienfonds.

Von Hans-Martin Tillack

Das Internationale Rote Kreuz hat in den vergangenen Jahren durch riskante Finanzgeschäfte mehrere Millionen verloren. Wie der stern berichtet, gingen die Verluste auf das Konto der auch vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) mitgetragenen Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) in Genf. So verlor die IFRC laut dem stern vorliegenden Unterlagen allein im Krisenjahr 2008 mit Aktienfonds mehr als 13 Millionen Schweizer Franken, nach heutigem Kurs zehn Milli-onen Euro. Die Föderation verwies gegenüber dem stern darauf, dass solche Investments im Einklang mit ihren eigenen Regeln stünden.

Das DRK, das mit jährlich etwa zwei Millionen Euro der drittgrößte Beitragszahler der IFRC ist, versicherte dem stern, dass DRK-Gelder nicht betroffen seien. Der DRK-Jahresbeitrag fließe nämlich in den so genannten Kernhaushalt der Dachgesellschaft, der "auf jährliche vollständige Verausgabung angelegt" sei. Überdies habe man die Überweisungen an die Genfer Föderation nicht aus Spenden erwirtschaftet, sondern aus Beiträgen der eigenen Mitglieder.

Die IFRC widersprach gegenüber dem stern der Darstellung, dass Mitgliedsbeiträge der nationalen Rotkreuz-Gesellschaften nicht in Finanzinvestments gelenkt würden. Diese seien vielmehr eine der zwei Hauptquellen der Investments wie im Fall der Aktienfonds. Die Föderation hatte diese Wertpapiere im Ursprungswert von 30 Millionen Franken erst im August 2007 gekauft. Bereits Ende 2007 hatte ihr Wert um mehr als eine Million Franken abgenommen. Bis Ende 2009 hatten die Wertpapiere nach Angaben der IFRC erst einen kleineren Teil der Verluste wieder gutgemacht.

Wenig Glück hatten Fondsmanager im Auftrag der IFRC auch mit einem Investment von 100 Millionen Frank im September 2005. Die Summe war für die Tsunami-Hilfe gedacht, wurde aber nicht unmittelbar gebraucht. Die Rot-Kreuz-Föderation steckte sie darum in den "Libor Plus Fonds" der Investmentfirma Wellington Management International (WMI). Im Juli 2006 stieg die IFRC wieder aus, weil sich herausgestellt hatte, dass das Geld auf Schweizer Sparkonten mehr Zinsen abgeworfen hätte.