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Vertane Chance nach Williamson-Raussschmiss: Piusbrüder wollen ihr Weltbild nicht erneuern

Nach der Entlassung des Holocaust-Leugners Richard Williamson könnten sich die Piusbrüder wieder an die katholischen Kirche annähern. Ihre rückschrittlichen Ansichten wollen sie dafür nicht opfern.

Die erzkonservativen Piusbrüder haben einen ihrer umstrittensten Bischöfe ausgeschlossen. Schon lange war Richard Williamson seinen Mitbrüdern ein Dorn im Auge. Der Brite hat den Holocaust geleugnet und damit sich und die Bruderschaft ins rechte Abseits gestellt. Nicht zuletzt seinetwegen war die von Papst Benedikt XVI. angestrebte Rückkehr der Piusbrüder in die katholische Amtskirche immer wieder ins Stocken geraten.

Zumindest dürfte der Rauswurf des 72-Jährigen zunächst einmal die vergiftete Atmosphäre zwischen den abtrünnigen Piusbrüdern und dem Heiligen Stuhl in Rom ein Stück weit verbessern. Denn vor allem das Interview des Bischofs zum Holocaust war es gewesen, das den Vatikan in eine Krise stürzte - wurde es doch just bekannt, als der Papst den Piusbrüdern eine Rückkehr zur Kirche erleichtern wollte.

Wörtlich hatte Williamson 2008 im Priesterseminar der Piusbruderschaft in Zaitzkofen bei Regensburg einem schwedischen Fernsehsender gesagt: "Ich glaube, dass die historischen Beweise gewaltig dagegen sprechen, dass sechs Millionen Juden vorsätzlich in Gaskammern vergast wurden als vorsätzliche Strategie Adolf Hitlers. (...) Ich glaube, es gab keine Gaskammern."

Internes Gerangel um die Rückschrittlichen

Seitdem ist es der deutschen Justiz aber nicht gelungen, den 72-Jährigen wegen Volksverhetzung zu bestrafen. Erst im Februar hob das Oberlandesgericht Nürnberg ein entsprechendes Urteil wegen Verfahrensmängel auf. Im kommenden Jahr muss sich der Brite aber erneut vor Gericht verantworten.

Vor allem der damalige Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller, wird den Dauerkonflikt mit Williamson und den Piusbrüdern nicht vergessen haben. Er verhängte ein Hausverbot gegen den Briten und forderte, dass dieser "freiwillig oder zwangsweise aus dem Klerikerstand" ausscheidet. Beeindruckt waren die Piusbrüder davon aber nicht: Gegen den Willen des Vatikans weihten sie mehrfach in den vergangenen Jahren in Zaitzkofen neue Geistliche.

Der Einfluss Müllers hat sich nun aber entscheidend verändert. Seit Frühsommer ist er Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan. Zudem ist er als Präsident der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei maßgeblich bei den Verhandlungen mit den Piusbrüdern beteiligt.

Dabei hatte es in dem Dauerkonflikt der erzkonservativen Traditionalisten mit Rom zuvor nach einer bevorstehenden Einigung ausgesehen. Entscheidend schien in den Verhandlungen dann allerdings zu sein, dass die Glaubenskongregation die Piusbrüder verpflichten will, die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils voll zu bejahen.

Rückkehr in die katholische Gemeinschaft momentan unwahrscheinlich

Papst Benedikt XVI. war zwar immer bestrebt, das Tischtuch zu den Rechtsauslegern seiner Weltkirche nicht ganz zu zerschneiden. Er muss aber auch darauf beharren, das vor 50 Jahren eröffnete und gerade in Rom gefeierte Konzil als Plattform verbindlich zu machen. Dabei geht es etwa um die Rechtmäßigkeit der neuen Liturgie der Kirche und die Öffnung hin zum Judentum, zu Religionsfreiheit und Menschenrechten.

Kurienerzbischof Müller betont, dass die Brüder dieses Konzil nicht einfach ablehnen könnten, ohne den katholischen Glauben zu beschädigen. "Sollten die Piusbrüder zur Kirche zurückkehren wollen, müssten sie akzeptieren, "dass das Zweite Vatikanische Konzil verbindlich ist". Von Williamson war in den vertrackten Verhandlungen offiziell nie die Rede gewesen.

So scheint seit Monaten die Rückkehr der Bruderschaft in weite Ferne gerückt. Schon vor einem Vierteljahr sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi, man warte auf eine offizielle Entscheidung der Piusbrüder.

Abschied von Williamson heißt nicht Abschied von alten Positionen

Der deutsche Pius-Obere Pater Franz Schmidberger betonte vor einigen Wochen, sie wollten auch weiterhin "gewisse Irrtümer des Zweiten Vatikanischen Konzils an den Pranger stellen dürfen" und auch ausschließlich die alten liturgischen Bücher benutzen. All dem habe der Vatikan einen "Nachschub an Forderungen" entgegengestellt.

Zumindest für die Piusbrüder ist der Ausschluss Williamsons ein deutliches Signal an die katholische Kirche. "Die Entscheidung wird die Gespräche sicherlich erleichtern", sagt der Sprecher der Piusbruderschaft in Deutschland, Pater Andreas Steiner.

Und so wartet Rom nun gespannt darauf, ob nach Williamsons Weggang wieder Bewegung in den Streit um die Piusbrüder kommt.

Von Hanns-Jochen Kaffsack und André Jahnke, DPA / DPA