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Vertraulicher Bericht des Verteidigungsministeriums: "Gorch Fock" soll wieder in See stechen

Auf der "Gorch Fock" sollen auch nach dem Tod einer Kadettin Offiziere der Marine ausgebildet werden. Das geht aus einem vertraulichen Bericht des Verteidigungsministeriums hervor. Dieser stellt aber auch erhebliche Mängel bei der Schiffsführung fest.

Die "Gorch Fock" soll trotz der Affäre um den Tod einer Kadettin Segelschulschiff der deutschen Marine bleiben. Wenn die bisherigen Mängel bei der Ausbildung an Bord beseitigt würden, bestehe die Zuversicht, dass die "Gorch Fock" auch weiterhin ihren Auftrag als Segelschulschiff erfüllen werde, heißt es in einem vertraulichen Bericht des Ministeriums an den Verteidigungsausschuss, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Der derzeit suspendierte Kapitän Norbert Schatz wird indes wohl nicht an Bord der Dreimast-Bark zurückkehren: Um dem Schiff einen unbelasteten Neubeginn zu erleichtern, habe Schatz darum gebeten, nicht erneut als Kommandant eingesetzt zu werden.

Der Bericht stellt Mängel bei der Dienstaufsicht an Bord des Segelschulschiffs fest. So sei die personelle Besetzung der Segelausbildung nicht sorgfältig genug geplant worden. Daher seien am 07. November 2010, dem Tag des tödlichen Unfalls der Kadettin, zwei unerfahrene Vorgesetzte für die Ausbildung am Großtopp zuständig gewesen. Außerdem hätten sich offenbar informelle Abhängigkeitsverhältnisse und Strukturen herausgebildet, die das Leben an Bord beeinträchtigt hätten. Künftig sollten daher Kadettenoffiziere als Vertrauensleute für die Offiziersanwärter eingeschifft werden.

Ausbildung wird verlängert

Auch die Segelausbildung an sich soll sicherer gestaltet werden: So sollen die Kadetten künftig erst später in ihrer Ausbildung auf die "Gorch Fock" kommen und dann schon vor der Ausbildungsfahrt an die Verhältnisse an Bord herangeführt werden. Dazu soll der Großsegler jeweils längere Zeit in Flensburg liegen, um eine praxisnahe Einweisung zu ermöglichen. Die Ausbildung selbst wird von sechs auf sieben Wochen verlängert, um angesichts der sinkenden sportlichen Leistungsfähigkeit der Kadetten den Zeitdruck zu senken. An der Marineschule Mürwik soll zu Trainingszwecken ein Mast des Schiffes nachgebaut werden, um das Risiko späterer Unfälle zu verringern und Höhenangst früher feststellen zu können.

Grundsätzlich hält das Verteidigungsministerium die Ausbildung auf der "Gorch Fock" weiter für zeitgemäß und sinnvoll. "Gerade für die Teamausbildung eignet sich aus Sicht des Bundesministeriums der Verteidigung die Ausbildung auf einem Großsegler in besonderer Weise", stellt der Bericht fest.

Die Zukunft des traditionsreichen Großseglers war seit dem tödlichen Sturz der Kadettin aus der Takelage offen. Kameraden der jungen Frau hatten sich danach über Schikanen, Alkoholexzesse an Bord und sexuelle Nötigung beklagt. Nur wenige Tage vor Bekanntwerden der Vorwürfe hatte die Dreimast-Bark erstmals das berüchtigte Kap Horn umrundet, der Höhepunkt ihrer Karriere seit der Indienst-Stellung 1958. Auf dem Segelschulschiff wurden über 14.500 Offiziers- und Unteroffiziersanwärter ausgebildet, während es rund 750.000 Seemeilen zurücklegte, was beinahe 35 Erdumrundungen entspricht.

be/Reuters / Reuters