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Volksentscheid: "Ablehnung motiviert Bürger grundsätzlich stärker als Zustimmung"

Die Hamburger haben abgestimmt: Sie sind gegen Olympia in ihrer Stadt. Wie ist es zu diesem Ergebnis gekommen? Und allgemein: Welche Faktoren treiben zur Abstimmung - und welche halten davon ab?

Stimmzettel zum Olympia-Referendum in Hamburg

Stimmzettel zum Olympia-Referendum in Hamburg: "An sich war die Stimmung positiv"

Manche mögen das Nein zur Bewerbung für die olympischen Spiele in Hamburg 2024 vorher geahnt haben, manche dürfte das Abstimmungsergebnis völlig unerwartet getroffen haben. Fest steht: Die Bürger haben demokratisch entschieden, per Volksentscheid. Noch vor wenigen Wochen schien die Stimmung deutlich pro Olympia zu sein. Vor Monaten galt Hamburg im Vergleich zu Berlin gar als Kandidat, der die Zustimmung aus dem Volk garantiere.

An sich sei die Stimmung solide pro Olympia gewesen, sagt Politikwissenschaftler Prof. Dr. Kai-Uwe Schnapp von der Universität Hamburg im Gespräch mit dem stern, aber: "Die konkreten Randbedingungen haben sich geändert: Der Fifa-Skandal, die grauen Wolken über dem Sommermärchen, die Doping-Meldungen aus der wichtigen olympischen Sportart Leichtathletik, die Anschläge von Paris - jeder dieser Faktoren hat für sich drei bis vier Prozent gekostet."

Professor Doktor Kai-Uwe Schnapp von der Universität Hamburg

Prof. Dr. Kai-Uwe Schnapp vom Institut für Politikwissenschaft in Hamburg

Dass Volksentscheide, zumindest gefühlt, häufig negative Abstimmungsergebnisse hervorbringen, ist für Schnapp nicht unbedingt eine Folge mangelnden Vertrauens der Bürger in die Politik. Manchmal spiele auch einfach die Formulierung des Vorschlags eine Rolle: "Grundsätzlich mobilisiert die Ablehnung eines Vorschlages viel stärker als die Zustimmung", sagt Schnapp.

"Je knapper die Prognose, desto höher die Beteiligung"

Auch die Vorhersagen und die Berichterstattung unmittelbar vor der Abstimmung haben Einfluss: "Je knapper die Prognose, desto höher die Beteiligung". Die Ausgangslage des Olympia-Referendums in Hamburg war diesbezüglich besonders pikant: Das vorher erwartete Ergebnis war knapp genug pro Olympia, um eine Gegenmobilisierung auszulösen - gleichzeitig aber deutlich genug, um einige Befürworter in Sicherheit zu wiegen.

tim