Vor Merkels USA-Reise Grilltipps aus Trinwillershagen


Trinwillershagen? War da was? Ja, klar. Die wichtigste Grillparty des Jahres 2006. US-Präsident Bush besuchte Kanzlerin Merkel in Mecklenburg-Vorpommern. Jetzt fliegt Merkel auf Bushs Ranch. Im stern.de-Interview verrät der Barbecue-Meister von Trinwillershagen, wie es sich mit Bush am besten grillen lässt.

Herr Micheel. Sie haben im Juli 2006 Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Bush in Trinwillershagen mit Wildschwein bewirtet. Nun besucht die Kanzlerin Bush auf seiner Ranch in Texas. Haben Sie einen Tipp für Merkel?

Nein, den braucht sie nicht. Zudem wird alles anders sein, denn sie treffen sich ja auf seiner Ranch. Und beim letzten Mal waren die beiden sozusagen auf meiner Ranch.

Sie sprechen den mittlerweile schon legendären Grillabend an. Wie kam es dazu?

Ende März kam ein Journalist auf mich zu und fragte mich, was ich kochen würde, wenn Frau Merkel und Herr Bush zu Besuch kämen. Ich habe das natürlich nicht ernst genommen. Aber einige Tage später wurde ich dann tatsächlich vom Landrat angerufen, der mich in sein Büro zitiert hat, um mir die wichtige Nachricht zu unterbreiten.

Wer hatte die Idee zu dem Wildschwein?

Das war die Idee von Frau Merkel. Sie wurde bei mir im Jahr 2005 zur Direktkandidatin für die Bundestagswahl gewählt. Danach gab es einen netten Grillabend. Und das muss ihr wohl gefallen haben, sodass sie George in ihren Wahlkreis und zum Wildschweinessen bei mir eingeladen hat.

Verraten Sie uns das Rezept?

Ich habe das Wildschwein ein paar Tage zuvor geschossen. Das Besondere war die Soße: Wir hatten ein spezielles Rezept kreiert. Es ist so gut, dass man von der Soße einen Teelöffel pur trinken kann, ohne dass es widerlich wird. Dazu gehören edelsüßer und scharfer Paprika, frisch gemahlener Pfeffer, Curry, Majoran, Thymian, Salz. Das alles wird zusammen mit reichlich Knoblauch und Zwiebeln einen Tag stehen gelassen und kommt dann auf das Wildschwein.

Präsident Bush hat das so gewürzte Wildschwein angeschnitten. Haben Sie ihn dazu gebeten?

Ja. Vorher wurde mir vom Auswärtigen Amt gesagt, wie ich ihn ansprechen soll. Nämlich ganz förmlich mit "Ihre Exzellenz, Herr Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, George Walker Bush, möchten Sie nun bitte mit mir mitkommen, das Wildschwein anzuschneiden". Da habe ich gesagt: "Nö, das mache ich nicht". Ich bin einfach zu ihm hingegangen und habe gesagt: "Mr. President, wir sind soweit, Sie können das Wildschwein jetzt anschneiden."

Haben Sie ihn auf Englisch angesprochen?

Nein, das war nicht nötig, der wusste doch, was ich will. (lacht) Wir drei, die Kanzlerin, Bush und ich, sind dann zum Wildschwein gegangen. Das Messer durfte ich Bush nicht geben, das wurde ihm vorher von einem seiner Mitarbeiter gereicht. Dann habe ich ihm gesagt, er möge am Blatt, also an der Schulter, anschneiden. Aber meinen Rat brauchte er gar nicht, er hat das Fleisch so professionell geschnitten. Der hat das nicht zum ersten Mal gemacht. Und er wollte gar nicht mehr aufhören zu schneiden.

Wie haben Sie ihn dazu gebracht, das Messer abzugeben?

Gar nicht. Angela Merkel hat irgendwann gesagt: "George, give me please the Messer".

Und dann?

Sie wollte auch schon anfangen, vorne am Schwein zu schneiden. Ich habe ihr aber gesagt, dass sie an der Keule schneiden soll, da, wo es schön fett ist. Denn das wäre peinlich geworden, wenn sie mit all den Fotografen und Fernsehteams um sie herum auf Knochen geschnitten und sich daran abgemüht hätte. Aber es hat sehr gut geklappt.

Wie groß waren die Portionen?

Bush hat das Wildschwein angeschnitten und das Fleisch wurde auf einen Teller gelegt. Ich habe noch ein paar Zutaten vom Buffet dazu getan. Bevor der Kellner den Teller dann zu Bush gebracht hat, wurde er noch kontrolliert. Die Portion war normal groß, er ist kein großer Esser und ja auch recht schlank. Dazu trank er alkoholfreies Bier und Wasser.

Haben Sie sich mit Bush oder Merkel unterhalten?

Nicht wirklich. Die paar Worte am Feuer. Ich habe Bush noch gebeten, sich in mein Gästebuch eintragen. Bevor er abgeflogen ist, hat er sich zudem noch auf ein Gruppenbild mit all meinen Helfern gestellt und jedem ein handsigniertes Bild mit Widmung geschenkt. Ich habe auch einen persönlichen handgeschriebenen Brief von ihm bekommen, in dem er sich für den schönen Abend bedankt hat.

Was hatten Sie für einen persönlichen Eindruck von Bush?

Ich fand ihn sehr sympathisch und locker. Er ist ein richtiger Texaner, ist auf jeden zugegangen, hat den Leuten auf die Schulter geklopft. Er hat auch meine Tochter begrüßt.

Was hat sie zu ihm gesagt?

Sie war damals dreieinhalb Jahre alt. Wir hatten im Vorfeld geübt und ihr gesagt: Annabell, wenn Herr Bush kommt und fragt. "What's your name", sagst du: "My name is Annabell". Tatsächlich kam er mit Frau Merkel zu ihr. Aber meine Tochter hat nur ihre Hand in den Mund genommen und einen fragenden Gesichtsaudruck gehabt, der so ungefähr ausdrückte: "Onkel, was willst du denn von mir?". Sie hat sich einfach nicht getraut.

Wie haben Sie Merkel und Bush zusammen erlebt?

Sehr freundschaftlich. Zwischen den beiden stimmt es einfach. Sie haben sich die ganze Zeit angestrahlt wie Honigkuchenpferde. Es war überhaupt eine sehr lockere Atmosphäre. Bush und Merkel saßen auf Festzeltgarnituren. Auf den Stühlen haben nur die Dolmetscher gesessen. Auf den Festzeltgarnituren sitzen nun auch die Leute, die seitdem bei mir "Wildschwein à la Bush" essen.

Sie haben das Wildschwein auf ihrem Speiseplan?

Ja, und es nennt sich "Wildschwein-Grillen à la Bush". Das habe ich alleine in diesem Jahr schon rund 40-mal gemacht. Es kommen ganze Reisegruppen. Ich hatte Leute aus Polen, Dänemark oder Tschechien bei mir. Buchen kann man entweder die abgespeckte Version oder die Original-Mahlzeit, die etwas kostenintensiver ist.

Konkret?

So rund 25 bis 35 Euro pro Person. Da ist allerdings ein ganzes Buffet dabei. Ich nehme immer zwei Personen aus der Gruppe raus, die Frau Merkel und Herr Bush nachahmen müssen. Die schneiden das Wildschwein mit dem Original-Messer an. Das ist schon lustig. Ich erzähle den Leuten auch immer, wie damals alles abgelaufen ist.

Sind sie zu einem Bush-Fan geworden?

Nein, Bush-Fan nicht. Ich habe ihn persönlich kennengelernt, und ich habe nichts gegen ihn. Aber natürlich kann man über die Politik streiten.

Wissen Sie, was er seinem Gast Angela Merkel anbieten wird?

Damals hat Bush ja schon angekündigt, dass er Angela Merkel auf seine Ranch einladen wird. Und ich habe mal gehört, dass es Truthahn geben soll. Aber gesprochen wurde damals darüber nicht. Dafür war Bush auch viel zu sehr damit beschäftigt, mit den Leuten zu sprechen und natürlich das Wildschwein zu schneiden.

Interview: Malte Arnsperger

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