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Vorwürfe Zollitsch soll Missbrauchsfall verheimlicht haben


Der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, soll einem Medienbericht zufolge versucht haben, einen Fall von sexuellem Missbrauch durch einen Priester zu vertuschen.

Gegen den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sind einem Medienbericht zufolge neue Vertuschungsvorwürfe in einem Fall von sexuellem Missbrauch durch einen Pfarrer lautgeworden. Einem Bericht des ARD-Magazins "Report Mainz" zufolge soll der Erzbischof, der damals Personalreferent war, sich 1995 in zwei Briefen dafür ausgesprochen haben, die betroffene Gemeinde Oberharmersbach nicht über Details des Skandals zu informieren. Eine solche nachträgliche Rache nützte niemandem und würde einen Menschen ohne Not in den Ruin oder gar Tod treiben, schrieb Zollitsch dem Magazin zufolge. Obwohl der Pfarrer die Vorwürfe nicht bestritten und mehrfach erklärte habe, wie leid ihm alles tue, habe Zollitsch zudem keine Veranlassung gesehen, die Staatsanwaltschaft einzuschalten.

Das Bistum Freiburg erklärte, die Vorwürfe seien weder neu noch gerechtfertigt. Zollitsch habe bereits im März jeden Verdacht der Vertuschung zurückgewiesen.

Laut "Report Mainz" wusste Zollitsch bereits 1992 detailliert von mindestens einem Missbrauchsfall in Oberharmersbach. Ein anderer Pfarrer der Diözese habe Zollitsch damals persönlich über den sexuellen Missbrauch seines Neffen, der Ministrant gewesen sei, informiert. Der damalige Pfarrer der Gemeinde soll über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren hinweg Minderjährige missbraucht haben.

In einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" räumte Zollitsch ein, es sei falsch gewesen, die Staatsanwaltschaft in dem Fall nicht eingeschaltet zu haben. "Mit dem Blick von heute ist mir klar: Wir hätten konsequenter vorgehen und mit größerem Nachdruck nach weiteren Opfern suchen und suchen lassen müssen", sagte Zollitsch der Zeitung. Man habe den suizidgefährdeten Pfarrer jedoch nicht in den Tod treiben wollen.

Am Freitag hatte die evangelische Bischöfin Maria Jepsen ihr Amt nach Kritik an ihrem Umgang mit Missbrauchsfällen niedergelegt. Ihr war vorgeworfen worden, sich zu wenig um Aufklärung bemüht zu haben.

Reuters/DPA DPA Reuters

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