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Wildtier-Studie: Warum sich der Wolf bei der Bundeswehr besonders wohl fühlt

Granaten-Einschläge kümmern ihn nicht groß: Der Wolf siedelt gern auf aktiven Übungsplätzen der Bundeswehr. Naturschutzgebiete meidet er fast. Biologen fanden jetzt heraus, warum.

Wölfe in Niedersachen

Auf Militärplätzen der Bundeswehr sind Wölfe vor privaten Jägern sicher

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Der Wolf feiert in Deutschland schon seit längerem ein Comeback. In weiten Teilen war er seit dem 19. Jahrhundert ausgerottet. In Bayern hatte man kein lebendes Exemplar seit 150 Jahren gesehen. Doch mittlerweile tummelt sich auch hier wieder ein Rudel. Schätzungen zufolge leben heute rund 800 Wölfe in sieben von 16 Bundesländern.

Bisher verbuchten Naturschützer diesen Erfolg für sich. Seit die Tiere um das Jahr 2000 zurückkehrten, ist ihre Population bis 2015 alle zwölf Monate um 36 Prozent gewachsen. Die Wiederansiedlungen des Wolfs seien vor allem deshalb gelungen, weil er seit 1990 unter Artenschutz steht und in geschützten Habitaten leben kann. Doch diese Annahme stellt nun eine Studie deutscher Biologen unter der Leitung der Wolfsforscherin Ilka Reinhard in Frage. Das Ergebnis ihrer Untersuchung, die im Fachjournal "Conservation Letters" erschienen ist: Wölfe ziehen Truppenübungsplätze den Naturschutzgebieten vor.

Der Wolf nimmt weite Reisewege in Kauf

Die Raubtiere siedelten in 13  von 21 militärischen Sperrzonen von mindestens 30 Quadratkilometern. Bei Naturschutzgebieten in der gleichen Größe waren es nur acht von 55. Die Forscher stellten sich die Frage, wie der Wolf innerhalb von nur 15 Jahren sich von Sachsen bis nach Niedersachsen ausbreiten konnte. Immerhin seien die geschützten Zonen mehrere Kilometer voneinander entfernt. Deutschland selber ist dicht besiedelt.

Die Biologen stellten fest, dass die ersten Wolfrudel sich auf Übungsplätzen in Sachsen angesiedelt hätten. 2007 entstanden zwei weitere Habitate 200 Kilometer entfernt - wieder in Sperrzonen. Zwischen 2000 und 2015 entstanden von 79 neuen Wolfsterritorien 16 auf aktiven Truppenübungsplätzen. In Schutzgebiete wurden dagegen nur neun Mal zu Wolfshabitaten, die übrigen 54 Reviere entstanden in anderen Gegenden. Diese Erkenntnis ist insofern interessant, da zwischen Übungsplätzen im Schnitt eine Distanz von 128 Kilometern liegt. Bei Schutzzonen sind es nur 64 Kilometer.

Doch warum suchen die Wölfe nun Regionen auf, wo die Bundeswehr schweres Geschütz auffährt? Waldflächen und Straßendichte spielten keine Rolle, so die Forscher. Da seien die Verhältnisse fast gleich. Doch auf den Übungsplätzen drohten den Tieren weit weniger Ungemach durch Jäger. Denn die dürfen dort privat gar nicht auf die Pirsch gehen. Dafür ist allein das Bundesforstamt zuständig. Die Naturschutzgebiete sind dagegen in private Reviere zersplittert, wo auch wesentlich häufiger der Abschuss drohe. Die Forscher empfehlen deshalb, die Militärgelände nach nach ihrer Stilllegung, als Wolfs-Habitate zu erhalten. Das Jagdverbot müsse dahin weiterhin gelten.

Bundeswehr warnt vor Zusammenstößen

Bereits im Mai 2018 berichtete ein Bundeswehr-Offizier der Nachrichtenagentur dpa, Wölfe hätten die Truppenübungsplätze als Revier für sich entdeckt. Empfehlungen für korrektes Verhalten im Umgang mit Wölfen gab es auch. Im Bundeswehr-Magazin "Intern" erklärte ein Tierarzt, Soldaten sollten den streng geschützten Wölfen aus dem Weg gehen und keinesfalls anlocken. Im Falle einer Begegnung sollten die Raubtiere mit lauten Rufen oder anderen Geräuschen vertrieben werden: "Nur so bleibt der Wolf ein Wildtier." 

Quelle: Conservation Letters

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