Was macht eigentlich ... Rachel Uchitel? Die weinende Frau vom World Trade Center


Nach den Anschlägen vom 11. September ging das Foto der weinenen jungen Frau um die Welt, die ihren Verlobten in den Trümmern des World Trade Centers suchte.

Das Interview mit Rachel Uchitel erschien in der stern-Printausgabe Nr. 38 am 11. September 2014.

Das #link;http://www.sheknows.com/entertainment/articles/829967/rachel-uchitel-reacts-to-bin-ladens-death-for-911-victim-fianc;Foto, wie Sie nach den Anschlägen des 11. September auf der Straße verzweifelt nach Ihrem Verlobten suchen#, wurde zu einer Ikone der Katastrophe, erschien weltweit auf Titelseiten. Haben Sie sich später irgendwann gewünscht, es wäre nie gemacht worden?


Rachel Uchitel: Nein. Natürlich zeigt es mich in einem der verletzlichsten Momente meines Lebens. Aber durch dieses Bild bleibt die Erinnerung an Andy immerhin bis heute wach – auch an all die anderen Opfer. Das ist mir wichtig. Ich wurde wegen dieses Fotos später oft in Sendungen eingeladen. Das Sprechen über ihn und seine Geschichte, das hat mir sicherlich auch geholfen, dieses Trauma irgendwie zu verarbeiten.

Wie hat sich der 11. September auf Ihr Leben ausgewirkt?
Ich litt lange unter posttraumatischen Belastungsstörungen, wie wohl viele, die damals jemanden verloren haben. Jahre später habe ich das aber leider erst mit Anti-Depressiva behandeln lassen. Inzwischen, denke ich, habe ich gelernt, mit dem Schmerz zumindest umzugehen. Das hat aber zehn Jahre gedauert. Erst bei der Einweihung der Gedenkstätte 2011 habe ich Ground Zero wieder besucht.

Acht Jahre nach dem 11. September sind Sie 2009 aufgrund einer Affäre mit einem Spitzensportler wieder massiv in die Schlagzeilen geraten, vor allem auf den Titelseiten von Klatschmagazinen. Sie haben einmal beklagt: Bis dahin haben mich die Medien immer als ein Opfer präsentiert, dann haben sie eine Täterin aus mir gemacht.


Lassen Sie uns bitte überhaupt nicht mehr darüber sprechen!

Warum?


Wie damals über mich geschrieben wurde und als was man mich bezeichnet hat, das hat mich sehr verletzt. Deswegen habe ich später auch an Reality-Shows teilgenommen, damit die Leute sehen, wie ich wirklich bin. Ich fühlte mich falsch wahrgenommen und missverstanden. All das aber soll mein Leben nicht mehr bestimmen!

Was bestimmt Ihr Leben heute?


Mein großes Glück, meine zweijährige Tochter. Dank ihr habe ich es Anfang des Jahres gewagt, hier an der Upper West Side ein Geschäft zu eröffnen, für Kindermode. Und es natürlich nach ihr benannt: Wyatt Lily.

Sie stehen selbst im Laden?


Ja. Die Ware auszeichnen, für Kunden auf Wunsch eine Auswahl nach Hause zum Anprobieren schicken, Stücke für unsere eigene Linie designen – das beschäftigt mich jetzt täglich. Manchmal sind wir alle hier, dann ist der Laden wie ein zweites Wohnzimmer: meine Tochter, meine Hunde, Ozzy und Rudy, benannt nach Rudy Giuliani, dem damaligen Bürgermeister und Helden für uns New Yorker. Und mein Ex-Mann Matt, Wyatts Vater, wohnt gleich um die Ecke und schaut sehr oft vorbei.

Sie haben jahrelang sehr erfolgreich Clubs gemanagt. Warum jetzt ausgerechnet ein Geschäft für Kindermode?


Als Mutter weiß ich nun, was man für seine Kinder braucht und will. Und offenbar treffen wir den Geschmack. Die Betreiber der Einkaufsmall im neuen World Trade Center haben meiner Geschäftspartnerin und mir angeboten, auch dort einen Laden zu eröffnen.

Und, werden Sie?


Das ist ja nicht nur eine geschäftliche Entscheidung, sondern für mich sehr emotional. Deshalb: Entschieden habe ich mich noch nicht.

Interview: Felix Rettberg

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