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Schlacht von Okinawa: Was passiert, wenn ein Enkel dem Leben seines Kriegshelden-Opas folgt

Der Großvater war ein gewalttätiger Mann und ein Trinker. David Chrisinger liebte ihn dennoch. Er glaubte, dass die Kämpfe im Zweiten Weltkrieg um Okinawa mit dem Verhalten des Alten zu tun hatten. Er folgte der Spur seines Helden - und erlebte einen Schock.

Die harten Kämpfe um Okinawa führten dazu, dass die USA die Kapitulation Japans mit dem Abwurf von Atombomben erzwingen wollten.

Die harten Kämpfe um Okinawa führten dazu, dass die USA die Kapitulation Japans mit dem Abwurf von Atombomben erzwingen wollten.

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Der Großvater von David Chrisinger war ein unbeherrschter und unleidlicher Mann. Und er war ein echter Kriegsheld. Mit diesem Glauben wuchs der Enkel auf. Harold Chrisinger, der Großvater, hatte sich als junger Mann 1944 für den Kriegsdienst gemeldet. Und er landete in der Hölle der Schlacht von Okinawa. Am 1. April 1945, als der Krieg in Europa in den letzten Monat ging, landeten die US-Truppen auf Okinawa. Am 8. Mai kapitulierte Deutschland, die Kämpfe um Okinawa gingen erst am 30. Juni 1945 zu Ende.

Schlacht um Okinawa

Okinawa zählt zu den japanischen Hauptinseln, die Japaner verteidigten sie fanatisch und bis zum Letzten. Verschärft wurden die Kämpfe noch, weil sich eine große Anzahl japanischer Zivilisten auf der Insel befand – von denen viele unter keinen Umständen in die Hände der Amerikaner fallen wollten.

An den Klippen der Toten sprangen Tausende in den Tod. Ota Masahide, eine Überlebende, beschrieb 2014 das Grauen. Als die Schlacht endgültig verloren war, wollten sich überlebende Soldaten und Zivilisten töten. Sie versammelten sich in Gruppen und ein Soldat zündete eine Handgranate. Doch die meisten Granaten waren Blindgänger. In ihrer Verzweiflung griffen die Menschen zu Knüppeln und Sensen. "Als sich das Chaos entfaltete, fanden sie alle möglichen Wege, um zu töten, ... Männer erschlugen ihre Frauen. Eltern schlugen ihre Kinder tot, junge Menschen töteten ältere Menschen und die Starken töteten die Schwachen", schrieb Masahide.

In dieses Inferno wurde der junge Harold geschickt. Und er landete in der verlustreichsten Panzerschlacht der USA im Pazifik. In der "New York Times" beschriebt David Chrisinger,seine lange Suche nach der Geschichte seines Großvaters. Als Kind hatte David Chrisinger keine enge Beziehung zu ihm. Denn der Großvater war eine düstere, wenn nicht gar bösartige Gestalt, den sein eigener Sohn mied. Doch eine Familiengeschichte kannte der Enkel David. Als sein Vater vier oder fünf Jahre alt war, riss Großvater Harold seine Frau an den Haaren am Esstisch empor, schleifte sie durch die Wohnung und stopfte ihren Kopf in die Toilette.

Doch je älter der Enkel wurde, umso mehr wurde er von der Person des Großvaters angezogen. Das gewalttätige Auftreten schien irgendwie mit dem Einsatz in Okinawa zusammenzuhängen. Denn eine Geschichte erzählte der Großvater offenbar gern. Die, wie seine Einheit fast vollständig ausgelöscht wurde. Am Morgen seien sie mit 30 Panzern aufgebrochen und am Nachmittag hätten nur noch die Besatzungen von acht Tanks überlebt.

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Deutsche Panzergrenadiere vor einem Tiger Panzer.

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Gefecht um den Kakazu Ridge

David Chrisinger ließ das Thema keine Ruhe, er brachte alles über dieses Gefecht um den Höhenrücken von Kakazu in Erfahrung und besorgte sich sogar Kopien der Aufzeichnungen der Kommandeure. Am Morgen des 19. April 1945 griffen die Panzer des 193. Panzerbataillons zusammen mit einigen Flammpanzern das Dorf Kakazu an. Die Ortschaft befand sich auf einem Hügel, der von den Japanern verbunkert und befestigt wurde. Die Panzer gelangten auf den Höhenrücken, doch schon auf der Zufahrtsstraße wurden fünf Tanks abgeschossen. Der entschlossene Widerstand der Japaner machte es der amerikanischen Begleitinfanterie unmöglich, den eigenen Panzern zu folgen.

In einem Chaos aus Rauch, Trümmern und Gräben wurden sie dann von den fanatischen Verteidigern angegriffen und ausgeschaltet. Mit Sprengladungen zerstörten Infanteristen die Ketten der Fahrzeuge. Die bewegungslosen Fahrzeuge wurden mit Molotowcocktails angezündet oder die Japaner sprangen auf sie hinauf und versuchten, Granaten ins Innere zu werfen. Trotz ihrer Feuerkraft und der mörderischen Flammenstrahlen der Flammpanzer waren die Amerikaner hilflos, am Ende zogen sich die Überlebenden zurück.

Fünf Jahre lang sammelte David Chrisinger alle Informationen, die er bekommen konnte.

2014 schrieb er:

"Er erzählte niemandem, was an diesem Tag oder an einem anderen Tag geschah, während er auf Okinawa war.

Ich wünschte, er hätte es getan.

Ich wünschte, er hätte seine Geschichte erzählt. Ich wünschte, er hätte sich von jemandem helfen lassen, das zu verarbeiten, was er erlebt hatte."

Die Truppen-Akten erzählen eine andere Geschichte

Schließlich reiste Chrisinger selbst nach Okinawa und folgte dort der Angriffsroute der Panzer. Ein surreales Erlebnis für ihn, das einstige Schlachtfeld war inzwischen von einer geschäftigen Stadt bedeckt. Wieder zurück gelang es David Chrisinger, alte Akten der beteiligten Einheiten einzusehen.

Ein Schock. Unter den Namenslisten des 19. und 20. April fand er keine Erwähnung seines Großvaters. Auch in späteren Dokumenten nicht. Erst am 20. Mai wurde Harold Chrisinger mit folgender Zeile erwähnt: " “Above eleven (11) EM atchd unasgd fr 74th Replacement Bn APO 331 per VOCO 20th Armd Gp." Trotz der verstümmelten Worte ist der Inhalt eindeutig: Der heroische Großvater befand sich während der Schlacht nicht bei der Einheit, er wurde dem Panzerbataillon erst im Mai mit zehn anderen Soldaten als Ersatz für die Gefallenen zugeführt.

Der Enkel fand nun am Ende seiner jahrelangen Suche eine Erklärung. Der große Kriegsheld war der Großvater offenbar nicht. Doch er glaubt, dass Harold Chrisinger nie die Worte fand, um die Verwüstungen auszudrücken, die der Krieg in ihm hinterlassen hatte. Vielleicht wählte er nur das Stichwort "Panzerschlacht", weil das jeder verstehen würde. Und er so nicht über andere, fürchterliche Dinge hätte reden müssen. David Chrisinger schreibt nun, dass er jetzt eine größere Nähe und eine stärkere Verbindung zu dem geschädigten Mann fühlte, als er es für einen makellosen Helden der Schlacht um Kakazu Ridge hätte empfinden können.


Quellen:

New York Times. "I Grew Up Believing My Grandfather Was a War Hero. Army Records Said Otherwise"

United States Army in Wordl War II - The War in the Pacific. Okinawa – The last Battle - Chapter V

Ryukyu Shimpo, Ota Masahide, Mark Ealey and Alastair McLauchlan, Descent Into Hell: The Battle of Okinawa

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