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WDR-Experiment: Sitzplätze für Deutsche empören Fahrgäste

Anschläge auf Flüchtlingsheime, Pegida-Demos, rechte Parolen - Ausländern begegnet hierzulande viel Feindseligkeit. Ein Experiment in einem Essener Linienbus zeigt: Es gibt auch ein ganz anderes Deutschland.

"Ausländer und Asylbewerber benutzen bitte nur die hinteren Sitzreihen" oder "Diese Plätze sind für Inhaber / innen eines gültigen deutschen Personalausweises reserviert" - mit Aufklebern wie diesen hat der WDR einen Essener Linienbus präpariert. Mit versteckter Kamera habe ein Team der neuen Sendung "Quarks & Du" anschließend die Reaktionen der Fahrgäste dokumentiert, berichtet der WDR auf seiner Internetseite

Vielen seien die im gelb-blauen Design des Essener Verkehrsunternehmens EVAG gehaltenen Schilder gar nicht aufgefallen, schreibt der Sender. Diejenigen, die sie bemerkt hätten, seien empört gewesen. Eine Frau habe einen der Aufkleber abgerissen und sich bei der EVAG beschweren wollen. Es seien auch mehrere Beschwerdeanrufe von anderen Fahrgästen bei dem Verkehrsunternehmen eingegangen.

"Hier setzt sich keiner weg"

Als ein angeblicher EVAG-Kontrolleur ausländische Fahrgäste aufgefordert habe, sich nach hinten zu setzen, hätten sich die übrigen Passagiere vehement für die Ausländer eingesetzt. "Hier setzt sich keiner weg", habe eine jüngere Frau gesagt und sich schützend vor die Ausländer gestellt. Auch eine ältere Dame habe sich aufgeregt eingemischt: "Ich habe die Nazizeit erlebt. Das darf nie wieder sein. Hier steht keiner auf!"

Ein WDR Team von "Quarks & Du" hat heute in einem Bus der EVAG einen Test gegen Rassismus gemacht. Viele haben das...

Posted by WDR Lokalzeit Ruhr on Dienstag, 23. Juni 2015

Schließlich habe sich das TV-Team zu erkennen gegeben und die Fahrgäste für ihre Reaktion gelobt, berichtet der WDR. "Ich bin positiv erstaunt, wie heftig die Fahrgäste reagiert haben", zitiert der Sender die Rassismusforscherin Madeleine Preuß, die bei dem Experiment mit im Bus war. "Das ist eine sehr extreme Situation, in der natürlich auch reagiert werden muss, weil man weiß, welche Reaktion erwartet wird." Das hieße allerdings nicht, dass diese Menschen nicht doch auch in anderen Situationen rassistisch sein könnten. Es sei viel schwieriger, latenten Rassismus an Schulen oder Arbeitsplätzen zu erkennen und einzugreifen. 

Dennoch sieht der WDR Bewegung in der Gesellschaft. Vor 21 Jahren sei in der Mensa der Universität Münster ein ähnliches Experiment durchgeführt worden, schreibt der Sender. Ausländer und Deutsche sollten demnach unterschiedliche Wege benutzen. Damals sei diese Aufforderung von den meisten Deutschen ohne Widerspruch akzeptiert worden.

mad
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?