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Weihnachten: Verwandtschaft – die Weihnachtscrasher

Es kann der Frömmste nicht besinnlich feiern, wenn es den zickigen Verwandten nicht gefällt. Wer Kinder hat, darf oft das Fest für die ganze Familie ausrichten. Und die bringt so ihre Unarten mit.

Familie mit Weihnachtsmützen am Esstisch

Weihnachten mit der ganzen Großfamilie ist anstrengend – aber ohne geht's auch nicht

Weihnachten ist die Zeit der Einkehr und Besinnlichkeit. Für mich sind es Tage der festlichen Gemütlichkeit: Kerzen und Tannen schmücken unser Haus, Hirsche aus Holz blicken umher, Gläser mit festlichen Kugeln glänzen.

Die Krippe (selbst getischlert!) mit der Heiligen Familie nebst Hirten, Tieren und Königen (selbst modelliert!) ist aufgestellt. Ebenso der Weihnachtsbaum. Und anders als überall beschworen, gibt es bei uns nie Stress vor Weihnachten – weder mit Einkäufen noch mit Geschenken. Wir gehen die Dinge ruhig an.

Doch, in Abwandlung der bekannten Redensart, es kann der Frömmste nicht besinnlich feiern, wenn es den zickigen Verwandten nicht gefällt. Weil wir Kinder haben, dürfen wir das Fest für die ganze Familie ausrichten. Und die bringt leider so ihre Unarten mit.

Mehr Schrott fürs Geld

Spätestens, seitdem der Spielzeug-Discounter Toys "R" Us nach Deutschland gekommen ist, gibt es auch in unserer Familie immer jemanden, der Kinderspielzeug nach der Devise "Wo gibt es am meisten Krach für den 50-Euro-Schein?" einkauft. Namen darf ich natürlich nicht nennen. Pädagogisch wertvoll? Stille und Beschaulichkeit? Egal, Hauptsache groß und laut! Meine einzige Rettung ist es, wenn das Batteriepack an der Kasse vergessen wird.

Besonders ärgerlich verhielt sich die Sache mit dem Geschenk des Grauens in dem Jahr, als eine alte Tante unseren Kindern den Trash überreichte. Sie sah sich außerstande, die Gabe selbst zusammenzusetzen – erwartete aber, dass wir Eltern uns den Weihnachtsabend mit einer Plastik-Bastel-Orgie um die Ohren schlugen. Am Ende wüteten dann zwei Transformer-Roboter durchs Wohnzimmer.

Wozu feiern, wenn es doch Fernsehen gibt?

Fernsehen kann süchtig machen, das beweist nicht nur das Weihnachtsfest. Vier Stunden ohne Nachmittagsprogramm? Das geht bei einigen gar nicht. Bei uns sind es meist die Männer, die es nicht ohne Fernbedienung aushalten. Irgendwo quäkt also immer der Fernseher. Während des Abendessens lässt Opa dann die ganze Familie noch einmal an seinen TV-Erlebnissen teilhaben. Zum Glück ist der 24.12. kein Spieltag der Fußball-Bundesliga. Sonst würde die Glotze zweifellos neben dem Baum stehen.

Immer ein Glas zu viel

"Der Teufel hat den Schnaps gemacht, um die Feste zu verderben" – die Wahrheit dieses Satzes durfte ich zu Weihnachten auch schon erfahren. Manche machen ein paar Gläschen lustig, andere eher biestig. Schon ein einziger Promille-Pöbler reicht, um die gesamte Stimmung zu kippen. Das Schlimme: Mit jedem Pils, das er sich zu Gemüte führt, wird es schlimmer. Wenigstens hier bin ich über das Schlimmste hinweg: Die betreffende Person genießt inzwischen ihre Rente im sonnigen Spanien. Also: Prosit!

Rettung vor der verwandtschaftlichen Bande gibt es nicht. Doch Weihnachten ganz allein zu feiern, ist für uns keine Option, das wäre eine traurige Angelegenheit. Also sind wir gespannt darauf, was die liebe Familie in diesem Jahr wieder an Überraschungen für uns bereithält ...