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Weihnachtsbotschaft: Papst geißelt Armut und Kriege

In seiner Weihnachtsbotschaft hat Papst Benedikt XVI. zu Frieden und Gerechtigkeit in der Welt aufgerufen. Auf dem Petersplatz in Rom spendete er den Segen Urbi et Orbi. Und während sich Bundespräsident Horst Köhler für ein neues Miteinander der Generationen aussprach, wertete Bundeskanzlerin Angela Merkel 2007 als Erfolgsjahr für Deutschland.

Papst Benedikt XVI. hat zum Weihnachtsfest wachsende Armut, Kriege und Umweltzerstörungen kritisiert. Christi Licht möge Trost für alle sein, die unter Elend, Ungerechtigkeit und Krieg litten, sagte Benedikt in seiner Weihnachtsansprache auf dem Petersplatz in Rom. Besonders erinnerte das Kirchenoberhaupt an die Menschen in Krisengebieten wie Darfur, Somalia, Äthiopien, dem Kongo, dem Nahen Osten, dem Irak und dem Balkan. Er spendete den traditionellen Segen Urbi et Orbi der Stadt Rom und dem Weltkreis und wünschte in mehr als 60 Sprachen ein frohes Weihnachtsfest.

Noch immer werde Menschen das berechtigte Streben nach sicherem Auskommen, fester Beschäftigung, Gesundheit, Bildung und politischer Teilhabe verweigert, sagte Benedikt an seinem dritten Weihnachtsfest als Papst. Vor allem Kinder, Frauen und Alte seien Opfer bewaffneter Konflikte, von Terrorismus und jeder Art von Gewalt, die ganzen Völkern unerhörte Leiden zufügten. Weltweit nehme die Zahl der Flüchtlinge zu, die Opfer von Umweltzerstörungen seien. Die Geburt Jesu sei die Antwort auf die Suche der Menschen nach Sinn und Gerechtigkeit. "Dieses Weihachtfest möge wirklich für alle ein Tag der Freude, der Hoffnung und des Friedens sein."

Mehr Platz für Arme schaffen

Auch in der Christmette rief der Papst die weltweit 1,1 Milliarden Katholiken auf, in ihrem Leben mehr Platz für Arme und Gott zu schaffen. Die Menschheit warte auf Gott, auf seine Nähe. Aber wenn es so weit sei, habe sie keinen Platz für ihn, fügte er in Bezug auf die Herbergssuche von Josef und Maria an. "Sie ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, sie braucht allen Raum und alle Zeit so dringend für das Eigene, dass nichts mehr für den anderen bleibt - für den Nächsten, für den Armen, für Gott."

Je reicher die Menschen würden, desto mehr füllten sie alles mit sich selbst aus. Desto weniger könne der andere eintreten, sagte der Papst vor etwa 10.000 Gläubigen im Petersdom in Rom. Dabei kritisierte er auch die Ausbeutung der Erde und den gedankenlosen Umgang mit Energie.

Köhler ruft zu Miteinander auf

Bundespräsident Horst Köhler hat sich in seiner Weihnachtsansprache für ein neues Miteinander der Generationen ausgesprochen. Er warnte davor, alte Menschen zu früh aus dem Arbeitsleben auszugrenzen. Mit der im vergangenen Jahrhundert um 30 Jahre verlängerten Lebenszeit werde "noch nicht achtsam genug" umgegangen, heißt es in dem vorab verbreiteten Text. "Da werden immer noch Menschen aufs Altenteil abgeschoben, die viel können, die viel Erfahrung haben, auch noch viel Kraft". Die Ansprache wird am Dienstag ausgestrahlt.

Auch Köhler würdigte das Engagement der Bürger. Abseits von Ämtern und Behörden entstünden beispielsweise Kinderspielplätze, Theatergruppen, Jobbörsen für Arbeitslose oder Schulpartnerschaften, sagte er. "Immer mehr stehen Leute füreinander ein, die erst ein gemeinsames Ziel zusammengebracht hat, und sie finden darin etwas von dem Halt, den jeder von uns braucht." Das berühre ihn und das sei die gute Nachricht, sagte Köhler. Der Bundespräsident betonte aber, dass noch mehr fruchtbares Zusammenwirken von Jung und Alt möglich sei. "Ich denke an den Kirchenmusiker in Sachsen, der Kindern bei den Hausaufgaben hilft. Ich denke an die pensionierte Lehrerin in Hamburg, die weiß, wie wichtig im Leben gute Manieren sind und sie Schülerinnen und Schülern beibringt, ganz gleich wo sie herkommen. Ich denke an den Manager, der nach dem Ende seiner Berufslaufbahn jungen Leuten hilft, ihr eigenes Unternehmen zu gründen, und an den Handwerksmeister, der als Ruheständler nach Afrika fährt, um dort Lehrlinge auszubilden." Es lohne sich, an solche Beispiele anzuknüpfen. Köhler befürwortete eine Verbindung der Erfahrung und Gelassenheit der Älteren "mit dem Ungestüm und der Neugier der Jugend". Er fügte hinzu: "Und ich bin sicher: wo das gelingt, da kommt Gutes heraus."

Bundeskanzlerin Angela Merkel wertete 2007 als Erfolgsjahr für Deutschland. "Vieles in unserem Land hat sich in den vergangenen zwölf Monaten zum Besseren entwickelt", schrieb die CDU-Vorsitzende in einem Beitrag für die Zeitschrift "Bunte". Verantwortlich dafür seien vor allem der engagierte Einsatz und die guten Ideen der Bürger. Merkel hob in ihrer Jahresbilanz die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt als besonderen Erfolg hervor. "Die Beschäftigtenzahl in Deutschland ist so hoch wie nie zuvor - das bedeutet Teilhabe für viele Familien", schrieb sie. "Zugleich haben wir uns ein Herz für Menschen in Not bewahrt, wie gerade in diesen Tagen wieder die Spendenbereitschaft in Deutschland zeigt." Die Kanzlerin verwies auch auf die beiden Nobelpreise für deutsche Spitzenforscher und die Verbesserung deutscher Schüler bei den jüngsten PISA-Tests. "Beides stimmt mich optimistisch, dass das Thema Bildung in unserem Land wichtiger wird, und dass wir unsere Ergebnisse im weltweiten Wettbewerb um Bildungschancen weiter steigern können." Deutschland habe 2007 an der Spitze von EU und G-8 auch in besonderem Maße Verantwortung in Europa und der Welt übernommen. Dabei seien die Grundlagen für den Europäischen Reformvertrag geschaffen worden. "Ob besondere Verantwortung nach außen oder erfolgreiche Veränderung nach innen: Wir haben allen Grund, mit Selbstvertrauen und Zuversicht ins neue Jahr zu gehen", sagte Merkel.

AP/DPA/AP/DPA

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