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Weihnachtslotterie in Spanien: "Der Dicke" nimmt leicht ab

Es ist das Adventsereignis im Land, 70 Prozent der Spanier kaufen sich ein Los für die traditionelle Weihnachtslotterie "El Gordo". Zwar wurden auch dieses Jahr wieder mehrere Milliarden Euro ausgeschüttet - allerdings weniger als 2007. Dabei dachten viele Experten, Lotto sei besonders in Krisenzeiten attraktiv.

Vorzeitige Bescherung in Spanien: Zwei Tage vor Heiligabend ließ die traditionelle Weihnachtslotterie einen Geldregen über das Land niedergehen. Die größte Lotterie der Welt schüttete Gewinne in Höhe von insgesamt mehr als zwei Milliarden Euro aus. Allerdings fiel die Bescherung in diesem Jahr infolge der Wirtschaftskrise ein wenig magerer aus.

Die Spanier hatten entgegen den Erwartungen bei der Weihnachtslotterie gespart und nur 2,8 Milliarden Euro für den Kauf der Lose ausgegeben, 2,8 Prozent weniger als 2007. Die Experten waren davon ausgegangen, dass gerade in Zeiten der Krise und Arbeitslosigkeit die Spanier ihr Glück verstärkt bei der Lotterie suchen würden.

Drei Millionen Euro als Hauptgewinn

Der erste Hauptgewinn, genannt "El Gordo" (der Dicke), entfiel auf die Lose mit der Nummer 32365. Ihm konnte die Krise nichts anhaben. Mit jeweils drei Millionen Euro war "El Gordo" ebenso dick wie im Vorjahr. Da alle Losnummern jeweils 195 Mal verkauft wurden, werden auch 195 Hauptgewinne ausgeschüttet.

Die meisten davon gingen nach Barcelona. Das Lotterie-Büro an der Flaniermeile der Ramblas im Herzen der katalanischen Metropole hatte 128 Lose mit der Nummer des Dicken verkauft und brachte so 384 Millionen Euro unter die Leute. Zu den glücklichen Gewinnern dürften nicht nur Bewohner des angrenzen Immigrantenviertels Raval gehören, sondern auch der eine oder andere Tourist, der sich beim Spaziergang über die Ramblas ein Los kaufte. Außer in Barcelona waren die Glückslose mit der Nummer des "Dicken" auch in Alicante, Soria, Saragossa, Jaén, Madrid, San Sebastiàn und Orense ausgegeben worden.

"El Gordo" erwies sich in diesem Jahr allerdings als Bummelant. Bei der Verlosung, bei der aus zwei Trommeln immer zuerst eine Nummer und danach die dazugehörige Gewinnsumme gezogen wird, stellte sich die Losnummer des Hauptgewinns erst gegen Ende der Prozedur heraus. Millionen von Spaniern mussten drei Stunden vor dem Fernsehen ausharren. Der zweite Preis in Höhe von einer Million Euro pro Los ging an die Nummer 78400.

Verblüffend, dass die Spanier weniger ausgegeben haben

"Dass die Spanier diesmal weniger für die Lotterie ausgaben ist verblüffend", schreibt die Zeitung "El Mundo". "Normalerweise wächst in mageren Zeiten die Spielleidenschaft. Nun deutet alles darauf hin, dass die Krise so schlimm ist, dass sie sogar die fast heilige Tradition der Weihnachtslotterie in Mitleidenschaft zieht." Jeder Spanier - Babys und Alte mitgerechnet - hatte im Durchschnitt knapp 65 Euro für den Kauf von Losen ausgegeben. Über 70 Prozent der Bevölkerung nahmen an der Lotterie teil, die in Spanien zu einem festen Bestandteil der Weihnachtszeit geworden ist.

Die Chancen für einen Gewinn des "Gordo" stehen allerdings nur bei 1:85.000. "Wenn es nach der wirtschaftlichen Theorie geht, sollte niemand bei einer Lotterie mitspielen", sagt der Wirtschaftsprofessor Roberto Garvía. "Unter dem Strich wird weniger ausgeschüttet, als eingezahlt worden ist." Allerdings sei die Lotterie in Spanien zu einer gesellschaftlichen Institution geworden, die die Bindungen zwischen Freunden und Kollegen stärke. Drei Viertel der Spieler kaufen die Lose nicht für sich, sondern sind in Spielgemeinschaften zusammengeschlossen.

Die älteste Lotterie der Welt

Die Weihnachtslotterie ist nicht nur die größte, sondern auch die älteste Lotterie der Welt. Ihre Anfänge gehen auf das Jahr 1763 zurück. In der heutigen Form wird sie seit 1812 ausgespielt. Den Namen "Weihnachtslotterie" erhielt sie 1892. Da ein ganzes Los 200 Euro kostet, kaufen die Spanier sich normalerweise nur Anteile in Form von Zehntel-Losen. Dies hat zur Folge, dass die Gewinne nicht auf einzelne Personen entfallen, sondern Fortuna ihr Füllhorn über ganze Ortschaften oder Stadtviertel ausschüttet.

Renner unter den Spielscheinen waren, wie so oft, solche mit Nummern oder Endnummern, die entweder mit großen Katastrophen oder mit großen Erfolgen zu tun haben. Besonders beliebt war die Flugnummer der Spanair-Maschine (5022), bei deren Absturz in Madrid am 20. August 154 Menschen ums Leben kamen oder das Datum des Sieges der spanischen Elf im Endspiel der Fußball-Europameisterschaft gegen Deutschland am 29. Juni 2008 in Wien.

DPA/AFP / DPA