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Weihnachtsmesse: Papst mahnt Solidarität mit Armen an

Bei seiner traditionellen Mitternachtsmesse am Heiligen Abend hat Papst Benedikt XVI. zur Solidarität mit den Armen und Bedürftigen auf der Welt aufgerufen. Die Menschen seien alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, sagte das Oberhaupt der Katholiken. Papst Benedikt beklagte zudem den Zustand einer durch Umweltsünden "geschundenen Erde".

Papst Benedikt XVI. hat in seiner Weihnachtsmesse auf die große Not von Millionen Armen und Heimatlosen hingewiesen und den Zustand einer durch Umweltsünden "geschundenen Erde" beklagt. In seiner Predigt im Petersdom rief das Oberhaupt der Katholiken am frühen Dienstagmorgen dazu auf, Raum zu schaffen "für den Nächsten, für den Armen, für Gott". Je reicher die Menschen würden, desto mehr füllten sie alles mit sich selber aus, sagte er. "Irgendwie wartet die Menschheit auf Gott, auf seine Nähe. Aber wenn es soweit ist, hat sie keinen Platz für ihn." Mehrere tausend Gläubige waren zu der traditionellen Mitternachtsmesse in den Petersdom in Rom geströmt.

Auf dem Petersplatz vor der Basilika verfolgten zahlreiche Menschen die Mitternachtsmesse bei mildem Winterwetter auf vier Videoleinwänden. Am Nachmittag war dort die riesige Weihnachtskrippe eingeweiht worden, die bis zum 2. Februar zu sehen sein wird. "Das war eine sehr schöne Atmosphäre und auch für Nichtkatholiken ein Erlebnis", zeigte sich eine Hamburgerin nach der Messe beeindruckt.

Zeit für Heimatlose

Der Papst forderte dazu auf, Zeit für die Leidenden, die Vertriebenen oder Heimatlosen zu finden. "Die Weihnachtsbotschaft lässt uns das Dunkel einer verschlossenen Welt erkennen, und sie schildert damit durchaus Wirklichkeit, die wir täglich erleben", sagte Joseph Ratzinger. Besonders eindringlich beklagte er dabei den "Zustand, in dem sich die Erde durch den Missbrauch der Energien und durch deren schonungslose Ausbeutung für unsere Interessen heute befindet". Der Mensch lebe auf einem verschmutzten und in seiner Zukunft bedrohten Planeten. Der Papst stellte "die Macht, die vom Kreuz ausgeht" dagegen. Der Stall von Bethlehem werde zum Palast, Jesus baue von diesem Anfang her die große, neue Gemeinschaft auf.

Es ist das dritte Weihnachtsfest des deutschen Kirchenführers seit seiner Wahl im April 2005. Die Mitternachtsmesse wurde von Fernsehsendern in insgesamt 60 Länder überspielt, in zwei Drittel davon als Live-Übertragung. Am Weihnachtstag verliest der Papst auf dem Petersplatz die Weihnachtsbotschaft und spendet den Segen "Urbi et Orbi" (der Stadt und dem Erdkreis). Internationale Sender tragen auch den Segen des Papstes bis nach Lateinamerika und Australien.

Patriarch ruft in Nahost zur Versöhnung auf

Eindringlich hat der lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Michel Sabbah, die Konfliktparteien im Nahen Osten zur Versöhnung aufgerufen. In seiner Weihnachtspredigt in der Geburtskirche in Bethlehem kritisierte Sabbah zugleich die israelische Besatzung der Palästinensergebiete und die Existenz von "politischen Gefängnissen". An der traditionellen Messe in der Nacht zum 1. Weihnachtsfeiertag nahm auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas teil.

Der 74-jährige Sabbah sagte, Besatzung oder jede andere Form von Unterdrückung könne "mit der Berufung dieses Landes nicht übereinstimmen. Es ist das Land Gottes. Es kann daher nicht für die einen das Land des Lebens, und für die anderen das Land des Todes, des Ausschlusses, der Besatzung oder der politischen Gefängnisse sein." Alle müssten hier in Würde und Sicherheit leben können.

"Wir müssen den Willen Gottes für dieses Land erkennen", sagte Sabbah in seiner letzten Weihnachtspredigt als Patriarch. Gott habe im Laufe der Jahrhunderte Juden, Christen, Moslems und Drusen hier versammelt. Die "universale Berufung" des Landes zu verstehen und zu akzeptieren, bedeute, "den Plan Gottes für dieses Land zu empfangen und fähig zu werden, hier den Frieden zu fördern."

Eine eindeutige Absage erteilte der Patriarch jeder Form von religiös motiviertem Extremismus. "Gewalt kann sich auf keine Religion berufen." Die religiösen Führer sollten die Gläubigen "auf den Wegen der Gerechtigkeit, des Rechts, der Vergebung" bestärken.

Nachdrücklich rief Sabbah die Christen trotz aller Schwierigkeiten auf, im Land zu bleiben: "Ihr habt einen Platz hier, mehr noch, eine Berufung: die Berufung, Christ zu sein, hier im Lande Jesu". "Unsere Gegenwart hier ist bleibendes Zeugnis für die universale Berufung dieses Landes, Land Gottes, Land für die drei Religionen und die zwei Völker, die hier leben", betonte Sabbah.

In der Geburtsstadt Jesu hatten zuvor die traditionellen Weihnachtsfeierlichkeiten begonnen. Das Oberhaupt der römischen Katholiken wurde am Nachmittag auf dem Krippenplatz vor der Geburtskirche von einer Menschenmenge empfangen.

Sabbah, der erste Palästinenser im Amt, übergibt seinen Bischofsstuhl im nächsten Jahr an Erzbischof Fouad Twal, der von Papst Benedikt XVI. bereits 2005 als Nachfolger bestimmt wurde.

Israel rechnet über die Weihnachtstage mit rund 60 000 Pilgern und Touristen aus dem Ausland, vor allem in Bethlehem, Jerusalem und Nazareth. Das sind 20 000 mehr als vor einem Jahr. Die christlichen Pilger begannen schon am Sonntag verstärkt in die Geburtsstadt von Jesus zu strömen.

DPA/AP / AP / DPA