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Weltjugendtag: Das Glaubensfest ist eröffnet

Der Weltjugendtag ist mit drei parallelen Gottesdiensten in Köln, Düsseldorf und Bonn eröffnet worden. 200.000 Gläubige waren zu diesen Feiern angereist - aus ganz Europa.

Ein Meer von Fahnen vor dem Dom, Lieder auf allen Straßen und Willkommensumarmungen an jeder Ecke: Der XX. Weltjugendtag in Köln hat am Dienstag als fröhliches Fest begonnen. Zum Auftakt versammelten sich mehr als 200.000 Pilger bei drei großen Gottesdiensten in Köln, Düsseldorf und Bonn. Das Treffen steht unter dem Motto "Wir sind gekommen, um IHN anzubeten". "Ich begrüße euch in herzlicher Freude", sagte der Kölner Kardinal Joachim Meisner im Kölner RheinEnergieStadion vor 50.000 jungen Menschen aus aller Welt. Im Bonner Hofgarten versammelten sich etwa 100.000 Pilger, in der Düsseldorfer Arena waren es mehr als 50.000.

Das Fest des Glaubens mit 405.000 Pilgern aus 197 Ländern soll nach Aussage von Meisner ein tiefes geistliches Ereignis werden und weltweit wirken. "Der Weltjugendtag soll zeigen, dass der Glaube in unserer Gesellschaft einen lebenswichtigen Platz hat." Die katholische Kirche müsse sich als Weltkirche zeigen, fügte Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, hinzu: "Wir dürfen uns nicht in die Nischen zurückziehen. Wir müssen ein umfassendes öffentliches Zeugnis abgeben."

Höhepunkt des sechstätigen Treffens ist die Visite von Papst Benedikt XVI. Er feiert die Abschlussmesse vor 800.000 erwarteten Gläubigen. Auf dem Programm des Papstes stehen unter anderem ein Besuch in der Synagoge der Kölner jüdischen Gemeinde und Gespräche mit Protestanten und Muslimen. Papst Benedikt XVI. wird nach Aussage Lehmanns keine neue Initiative zur Annäherung an die protestantischen Kirchen starten. "Das kann der Papst nicht hier machen", sagte Lehmann. Er sei aber sicher, dass der neue Papst den Weg der Ökumene fortsetzen werde. Der Besuch in Köln gelte jedoch dem Weltjugendtag.

Sexualethik kontroverses Thema

Als ein kontroverses Thema zwischen Jugend und Amtskirche zeichnete sich schon vor zu Beginn der Veranstaltung die Sexualethik ab. Kardinal Lehmann forderte in einem WDR-Interview, die katholische Kirche müsse ihre Haltung überdenken. Sie laufe sonst Gefahr, in einem wichtigen Bereich des menschlichen Lebens nicht mehr gehört zu werden und abgemeldet zu sein. Es sei nötig, die Begründung für die Verbote plausibler zu machen. Viele junge Pilger sagten, sie seien für spirituelle Erlebnisse nach Köln gekommen, hätten mit einigen Positionen der Kirche zu Sexualmoral oder Frauenpriestertum aber Probleme. "Ich glaube nicht, dass in meiner Generation viele den erhobenen Zeigefinger beachten", meinte die 22-jährige Amy aus Irland. Außerdem sollten auch Frauen Priester werden dürfen. "Die Lehren der Kirche sind für mich wie ein Buffet, von dem ich mir aussuche, was mir liegt", sagte Caroline aus der Karibik.

Schwule und lesbische Organisationen verlangten vom Papst einen offenen Dialog über Homosexualität. "Ich würde mir wünschen, dass sich das Verhältnis entspannt, ohne dass man erwartet, dass die Kirche ihre grundsätzliche Überzeugung verrät", sagte dazu Heiner Koch, Generalsekretär des Weltjugendtags. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle rief die katholische Kirche zur Liberalisierung ihrer Haltung bei Verhütung und Aids-Bekämpfung auf. Hans Joachim Meyer, Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, erwartete allerdings, dass kritische Diskussionspunkte nicht im Mittelpunkt des Weltjugendtags stehen werden.

Teilnehmer aus 197 Ländern

Die Weltjugendtags-Pilger kommen aus fast allen Ländern der Welt, von Argentinien bis Zypern. Die Zahl der Anmeldungen sei mit 405.000 höher als bei jedem anderen Weltjugendtag, sagte Meisner. "Die große Welt ist in Deutschland angekommen", fügte Jugendbischof Franz-Josef Bode hinzu. Die größte Pilgergruppe stellt Italien mit 100.000 Pilgern. Allein aus Deutschland kommen außerdem mehr als 20.000 freiwillige Helfer. 9800 Priester, 759 Bischöfe, davon 60 Kardinäle, sind in Köln. 7700 Journalisten berichten über das Ereignis.

DPA / DPA