Weltjugendtag Ein Schiff wird kommen


Köln im Ausnahmezustand: Hunderttausende sind an die Rheinufer geströmt, um Papst Benedikt XVI. zuzujubeln. Der Pontifex ist zu einer Schiffstour aufgebrochen und wird erstmals zu den Gläubigen sprechen. Die Veranstalter hatten zuvor gleich mit mehreren Pannen zu kämpfen.

Papst Benedikt XVI. ist zu einer Schifffahrt auf dem Rhein aufgebrochen, bei der er erstmals zu den Teilnehmern des Weltjugendtages sprechen wird. Das Kirchenoberhaupt wird im Süden der Stadt Köln das von mehreren anderen Booten begleitete Schiff besteigen und etwa 15 Minuten später von Deck aus das Wort an über 100.000 junge Pilger richten, die schon seit mehreren Stunden auf den Rheinwiesen auf das katholische Kirchenoberhaupt warten. den Rheinwiesen richten. Begleitet wird er von den Kardinälen Lehmann und Meisner. Anschließend beginnt für Köln die heiße Phase des Papstbesuches, dann wird Benedikt mit dem "Papamobil" durch die Stadt fahren und unter anderem am Kölner Dom Halt machen.

Vor dem Start zur Rhein-Tour des Papstes hat es gleich zwei Pannen gegeben. Das symbolträchtige, mehrere Meter große Holzkreuz des Weltjugendtags wurde beim Versuch, es am Bug des Papst- Schiffes zu befestigen, umgeweht und leicht beschädigt. Außerdem musste der Stuhl des Papstes ausgetauscht werden. So sitzt der Pontifex auf einem aus einem Luxushotel geliehenen Sessel. Der extra für den Besuch von Benedikt XVI. bestellte Stuhl gefiel nicht und wackelte obendrein. Der Stabschef des Weltjugendtages lieh sich kurzerhand einen bei Hochzeiten sehr beliebten, luxuriösen Sessel mit hoher Rückenlehne, der einem Thron ähnelt, teilte eine Hotel- Sprecherin am Donnerstag mit.

Begeisterter Empfang

Papst Benedikt XVI., der erste deutsche Papst seit fast 500 Jahren, war am Mittag zu seinem viertätigen Besuch in seinem Heimatland eingetroffen. Hunderte jugendliche Pilger aus aller Welt begrüßten ihn stimmungsvoll. Lauter Beifall brandete auf, als das katholische Kirchenoberhaupt um 12.06 Uhr - bei strahlendem Sonnenschein aus der Alitalia-Maschine trat und seinen mit Spannung erwarteten Besuch des Weltjugendtags begann. Nach seiner Landung kam der Papst winkend und lächelnd die Gangway herunter. Anders, als es sein Vorgänger Johannes Paul II. als rituelle Geste bei Auslandsreisen zu tun pflegte, küsste er nicht die Erde.

"Benedetto"-Sprechchöre und La-Ola-Wellen

Mehrfach musste Benedikt XVI. mit dem heftigen Wind kämpfen, der ihm sogar seine kleine weiße Kopfbedeckung wegwehte. "Benedetto", "Benedetto" skandierten immer wieder rund 500 Jugendliche seinen Namen auf Italienisch. Sie jubelten hinter Absperrungen dem Papst zu und drückten ihre Freude auch mit La-Ola-Wellen aus.

Auf dem roten Teppich wurde der frühere Kardinal Joseph Ratzinger zuerst von Bundespräsident Horst Köhler und seiner Frau Eva begrüßt. "Willkommen in der Heimat, willkommen in Deutschland", sagte Köhler in seiner Begrüßungsansprache. "Das ist ein großer, ein schöner Tag für uns alle." Auch als Protestanten bewege es ihn, dass "ein Deutscher, also einer von uns", Papst geworden sei. Köhler betonte die Bedeutung des christlichen Menschenbildes: "Es ist ein Bild vom Menschen, das nicht vom Pragmatismus und nicht vom Materialismus geprägt wird. Es sagt uns: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein."

"Gott schütze die Bundesrepublik"

Benedikt XVI. würdigte das mit dem Lob, dass Köhler, ein Mann aus der Wirtschaft, so viel Philosoph und Theologe sein könne. Alle Gläubigen seien dazu berufen, ihren Lebensweg zu gehen auf der Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe, sagte der Papst. "Es ist ein Weg, dessen endgültiges Ziel nur durch die Begegnung mit Christus zu finden ist." Und der Papst fügte am Ende seiner Ansprache seinen Segen hinzu: "Gott schütze die Bundesrepublik Deutschland."

Auch Gerhard Schröder und seine Frau Doris Schröder-Köpf begrüßten das Kirchenoberhaupt auf dem Rollfeld, bevor er mit Köhler die Ehrenformation der Bundeswehr abschritt. Anschließend erklangen die Hymnen des Vatikans und Deutschlands.

Nach den Begrüßungsansprachen trat der Papst kurz zu Menschen hinter den Absperrungen und drückte ihnen die Hände. Zwei ausgewählte Jugendliche, ein Deutscher und eine Frau aus Ghana, hatten das Privileg zu einem kurzen persönlichen Sechs-Augen-Gespräch mit dem Pontifex. In einer gepanzerten Limousine verließ er dann unter Jubel und Gesängen der Jugendlichen nach knapp einer Stunde das Rollfeld.

Volles Programm

Am zweiten Tag seines Besuchs in Deutschland wartet auf Papst Benedikt XVI. ein volles Programm. Am Vormittag reist der Pontifex vom Erzbischöflichen Haus in Köln nach Bonn. Dort wird er in der Villa Hammerschmidt Bundespräsident Horst Köhler treffen (10.30 Uhr). Anschließend besucht der Pontifex die jüdische Gemeinde in Köln (12.00 Uhr). In der Kirche St. Pantaleon steht dann am späten Nachmittag ein Treffen mit Seminaristen an. Am Abend trifft der Papst Protestanten und spricht mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber.

Der Festakt in der Synagoge und die gemeinsame Gedenkzeremonie für die ermordeten Juden am Mittag gelten als einer der Höhepunkte im Papst-Programm: Benedikt XVI. ist der erste Papst, der eine Synagoge in Deutschland besucht, von wo der Völkermord an den Juden durch die Nazis seinen Ausgang nahm.

DPA DPA

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