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Weltjugendtag: Gemeinsames Gebet und ein Grillabend

Für eine Gruppe junger Besucher des Weltjugendtags wird das Großereignis zu einer interreligiösen Begegnung. Die türkisch-islamische Gemeinde in Niederkassel bei Bonn öffnet ihre Moschee als Unterkunft.

Sie schlafen in Privatwohnungen, Turnhallen, Bootshäusern, Schulen oder in den Studioräumen von Harald Schmidt in Köln-Mülheim: Die Unterkünfte der Pilger beim XX. Weltjugendtag sind vielfältig. Für eine Gruppe junger Besucher wird das anstehende katholische Großereignis durch die Unterkunft auch zur interreligiösen Begegnung: Ihnen öffnet die türkisch-islamische Gemeinde in Niederkassel bei Bonn ihre Moschee als Unterkunft. Im geräumigen Keller sollen rund 60 Pilger Platz finden.

Im Januar hatten Vertreter der islamischen Gemeinde im Ortsteil Lülsdorf erstmals vom Weltjugendtag gehört - beim Neujahrsempfang der benachbarten katholischen Jakobus-Gemeinde. "Da war sofort die Idee da, dass wir auch junge Leute aufnehmen", sagt die Sprecherin der türkisch-islamischen Gemeinde, Elisabeth Müller. Mit der Antwort ließen sich die Organisatoren freilich Zeit. "Das Angebot war denen wohl doch etwas unheimlich." Nach einem Besuch des Kölner Weihbischofs Norbert Trelle im Mai seien die Unklarheiten jedoch beseitigt gewesen, betont die Sprecherin: "Es war ein von gegenseitiger Achtung geprägtes Gespräch."

"Es ist schön, dass auch andere Religionen Anteil nehmen"

Auch die Organisatoren zeigen sich inzwischen angetan von der Idee. "Wir sind natürlich hoch erfreut, dass der Weltjugendtag nicht nur die katholische Welt bewegt", sagt Weltjugendtags-Sekretär Ulrich Hennes. "Es ist schön, dass auch andere Religionen Anteil nehmen." Das zeige beispielsweise auch die Einladung der jüdischen Gemeinde an Papst Benedikt XVI. und dessen geplante Begegnung mit Vertretern des Islam.

Bei den anfänglichen Überlegungen habe es allerdings eine Rolle gespielt, dass die Gastfreundschaft beim Weltjugendtag speziell eine christliche Sache sei. "Gleichzeitig wollten wir aber natürlich auch das positive Bemühen anderer würdigen." Zudem sei die Gemeinde in Niederkassel eine "sehr solide, positiv angebundene Gruppe, zu der es gute Kontakte gibt". Problematische wäre es Hennes zufolge lediglich, in der türkisch-islamischen Gemeinde christliche Pilger aufzunehmen, die in islamischen Ländern leben und dort Unterdrückung oder Verfolgung erfahren. "Damit würden wir Gastgebern und Gästen nicht gerecht."

Voraussichtlich werden vor allem deutsche Gäste, beispielsweise aus Stuttgart oder dem Münsterland, in den Räumen der Moschee unterkommen. Zwar seien in der Umgebung auch zahlreiche italienische Sprachgruppen untergebracht, sagt der vor Ort für die Weltjugendtags-Organisation zuständige Marcus Kitz. "Mit den italienischen Gruppen zu kommunizieren wäre aber wahrscheinlich für die türkischen Gastgeber schwieriger, wenn sie auch kein Englisch sprechen."

Nicht genug Schminkgelegenheiten für junge Frauen

In den Räumen der islamischen Gemeinde werden ausschließlich Männer untergebracht. Das begründet Elisabeth Müller nicht religiös, sondern rein praktisch: "Es gibt bei uns zwar ausreichend Waschräume, weil die Muslime ja vor dem Beten die Gebetswaschung machen", sagt sie. "Aber insgesamt bin ich nicht sicher, dass das den Ansprüchen junger Frauen genügen würde." Zudem seien die Schminkgelegenheiten sehr eingeschränkt: "Wir haben nur einen Spiegel." Die zu der Gruppe gehörenden Frauen werden Marcus Kitz zufolge in der gegenüber liegenden Turnhalle untergebracht.

Der Gebetsraum der Moschee stehe auch den jungen Christen offen, erklärt Elisabeth Müller. Lediglich Kreuze könnten dort nicht aufgestellt werden. "Die Muslime haben grundsätzlich keine Abbildungen von Menschen und anderen Lebewesen in der Moschee. Und da wäre auch ein Kreuz schwierig." Ein gemeinsames Gebet ist der Sprecherin zufolge hingegen in jedem Fall vorgesehen.

Internetfähige PCs stehen zur Verfügung

Zudem will die Gemeinde eine ständige Betreuung anbieten, bei gutem Wetter Pavillons für den Aufenthalt draußen aufstellen, einen Grillabend veranstalten - und internetfähige PCs zur Verfügung stellen: "Weil die ja bestimmt gerne nach Hause schreiben wollen." Die Mitglieder der Gemeinde seien mit Begeisterung dabei und freuten sich bereits auf den christlichen Besuch: "Wegen der Sommerferien sind wir sicher ein etwas kleinerer Kreis - aber alle machen mit."

Nicole Lange/AP / AP