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Weltjugendtag: Triumphzug des Papstes

Die katholische Kirche zeigt sich zufrieden mit der ersten Auslandsreise von Papst Benedikt XVI. und seiner Begegnung mit den Jugendlichen der Welt. Für den Nachfolger von Johannes Paul II. war der Besuch in seinem Heimatland eine Art Triumphzug.

Von dem Weltjugendtag gingen neue Glaubensimpulse aus, betonte etwa der Kölner Kardinal Joachim Meisner. Die jungen Menschen in der Kirche seien sehr positiv nach draußen dargestellt worden, betonte auch der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Knuth Erbe. Für den Nachfolger von Johannes Paul II. war der Besuch in seinem Heimatland eine Art Triumphzug. Doch gab es auch kritische Stimmen.

Begegnung mit der Jugend

Mit Spannung war erwartet worden, ob dem im April gewählten Benedikt XVI. von den Jugendlichen die gleiche Woge der Sympathie entgegen schwappen würde wie dem "Medienpapst" Johannes Paul II. In der Tat wurde der aus Bayern stammende frühere Kardinal Joseph Ratzinger von den jungen Pilgern aus 193 Nationen mit Jubel und Applaus, "Benedetto"- Rufen und La-Ola-Wellen begeistert gefeiert - bei der Abschlussmesse am Sonntag von mehr als einer Million Jugendlichen. Der Papst nahm die Huldigungen gerührt entgegen. Mehrfach unterstrich er, wie sehr ihm die Jugend am Herzen liegt. Doch richtete er zum Abschluss des Jugendtags auch die konkrete und nicht gerade populäre Forderung an die jungen Pilger, sonntags in die Kirche zu gehen, die Beichte neu zu entdecken und den Glauben nicht zum Konsumgut verkommen zu lassen.

Der Sprecher der Reformbewegung "Wir sind Kirche", Christian Weisner, merkte an: "Der Jubel, der Johannes Paul II. galt, ist auf die Person Ratzinger übergesprungen." Inhaltlich sei er von den Jugendlichen aber nicht verstanden worden. Von der Mehrheit der Jugendlichen nicht geteilte kirchliche Positionen - wie zur Empfängnisverhütung, Homo-Ehe und Zölibat - sprach Benedikt nicht an. Kritisch äußerten sich kirchliche Reformgruppen auch zum Personenkult. Der Glauben solle sich letztlich nicht am Papst sondern an Gott und dem Evangelium ausrichten, sagte Weisner der Nachrichtenagentur Reuters.

Benedikt selbst schien sich während seines Aufenthalts zunehmend mit der Masseneuphorie zu arrangieren, wirkte jedoch wie bei vorherigen Auftritten eher scheu und weniger selbstsicher als sein Vorgänger. "Er ist nicht Johannes Paul II., aber das ist auch gut so", sagte Erbe. Im Vergleich zu seinem Vorgänger habe es wesentlich weniger persönliche Ansprachen gegeben, außerdem sei er zurückhaltender in den Gottesdiensten gewesen, sagte Erbe Reuters.

Dialog der Religionen

Mit Benedikt besuchte erst zum zweiten Mal ein Papst ein jüdisches Gotteshaus - nach dem Polen Karol Wojtyla, dessen Land in besonderer Weise unter der Nazi-Herrschaft gelitten hat. Der Papst verurteilte jede Form von Antisemitismus und rief Christen und Juden zur verstärkten Zusammenarbeit für Gerechtigkeit und Frieden auf. Die Geste fand weltweit ein positives Echo. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, zeigte sich von der Rede tief berührt, der Papst sei unmissverständlich gewesen und habe nichts ausgelassen. Vor allem wurde Benedikt angerechnet, dass er als deutscher Papst auf der ersten Reise in sein Heimatland eine Synagoge besucht hatte. Auch Erbe sprach von einem "starken Zeichen".

In Bereich der Verständigung mit anderen Weltreligionen zeichnen sich am deutlichsten erste Konturen des Pontifikats von Benedikt ab. So versicherte er, er wolle den von seinem Vorgänger begonnenen "vertrauensvollen Dialog" zwischen Juden und Christen fortsetzen. Kritiker wie Weisner führen an, dass Benedikt beim Besuch in der Synagoge hinter dem von seinem Vorgänger vorgetragenen kirchlichen Schuldeingeständnis zurückgeblieben sei. "Die christlichen Wurzeln des Antisemitismus hat er nur indirekt angesprochen, da war Johannes Paul II. schon weiter."

Thorsten Severin/Reuters