HOME

Extremismus-Studie: Nicht offen rechtsextrem, aber verdeckt fremdenfeindlich

Vorurteile gegen Asylbewerber und Arbeitslose sind in der Bevölkerung weit verbreitet, wie eine neue Studie zeigt. Eine Gruppe fällt dabei besonders auf: AfD-Sympathisanten.

Ein Asylbewerber wartet in der Erstaufnahmestelle in Meßstetten in Baden-Württemberg. In der Bevölkerung sind Ressentiments gegen Asylbewerber noch immer weit verbreitet, zeigt eine Studie.

Ein Asylbewerber wartet in der Erstaufnahmestelle in Meßstetten in Baden-Württemberg. In der Bevölkerung sind Ressentiments gegen Asylbewerber noch immer weit verbreitet, zeigt eine Studie.

Trotz eines allgemeinen Rückgangs rechtsextremer Einstellungen in der Bevölkerung sind Ressentiments gegen bestimmte Gruppen wie Asylbewerber oder Langzeitarbeitslose nach wie vor weit verbreitet. Das geht aus einer 'repräsentativen Studie im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung hervor, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Die Autoren mahnten, rechte Haltungen machten sich zunehmend in subtileren Formen bemerkbar.

Die Stiftung gibt die Studie alle zwei Jahre heraus und untersucht damit, in welchem Ausmaß rechtsextreme Einstellungen in der Bevölkerung verbreitet sind. In diesem Jahr wurden dazu zwischen Juni und August rund 2000 Bürger befragt.

Explizit rechtsextreme Einstellungen sind in den vergangenen Jahren demnach deutlich weniger geworden und auf einem neuen Tiefstand. Einer der Studienautoren, der Bielefelder Sozialpsychologe Andreas Zick, sagte, der Rückgang sei erfreulich und gehe wohl zurück auf politische Bildungsarbeit und die gesellschaftliche Aufarbeitung der Verbrechen der rechten Terrorzelle NSU.

Rund zehn Prozent wollen einen Führer

Allerdings meinen noch immer gut zehn Prozent der Bevölkerung, der Nationalsozialismus habe auch seine guten Seiten gehabt - und Deutschland bräuchte einen "Führer", der das Land "zum Wohle aller mit starker Hand regiert".

Die Studienautoren mahnten, es gebe keinen Grund zur Entwarnung. Möglicherweise scheuten sich manche Bürger nach dem NSU-Schock auch schlicht, rechte Haltungen offen zu äußern. Zu beobachten sei insgesamt eine Verlagerung weg von offensiven rechten Positionen hin zu "softeren" Ausdrucksformen - wie dem Pochen auf Vorrechte etablierter Gruppen und der Abwertung bestimmter anderer Gruppen.

So stimmen rund 60 Prozent der Bürger der Aussage zu: "Wer irgendwo neu ist, sollte sich erst mal mit weniger zufriedengeben." Mehr als 60 Prozent meinen nicht, dass der Staat großzügig bei der Prüfung von Asylanträgen sein sollte. Mehr als 40 Prozent sind der Ansicht, die meisten Asylbewerber würden in ihrer Heimat gar nicht verfolgt.

Langzeitarbeitslosen schlagen ebenfalls starke Ressentiments entgegen. Fast die Hälfte der Bürger unterstellt ihnen, sie seien nicht wirklich interessiert daran, einen Job zu finden. Mehr als 60 Prozent finden es "empörend, wenn sich die Langzeitarbeitslosen auf Kosten der Gesellschaft ein bequemes Leben machen".

Zick sagte, es gebe einen rabiaten "marktförmigen Extremismus" in Deutschland, der ausgeprägtem Effizienzdenken folge. Menschen, die nicht so viel für die Gesellschaft leisteten, sondern eher Kosten verursachten, stießen in dieser Denkweise auf Ablehnung. Besonders verbreitet sei ein solcher Fokus auf Wettbewerb und die Vormacht des Stärkeren unter Anhängern der eurokritischen Partei AfD.

Auch anderen Gruppen gegenüber - wie Muslimen oder Sinti und Roma - gibt es laut Studie verbreitete Vorbehalte in Deutschland. Etwa 38 Prozent der Bevölkerung meinen, Sinti und Roma neigten zu Kriminalität. Fast 20 Prozent finden, Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden.

Was den Machern der Studie ebenfalls Sorgen bereitet: Etwa die Hälfte der Befragten meinen, Rechtsextremismus werde in den Medien "hochgekocht" und es wäre am besten, die Rechten gar nicht zu beachten. Die Autoren mahnten jedoch, den Rechtsextremismus zu ignorieren, sei keineswegs eine Lösung.

Themen in diesem Artikel