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Wetzlar: Um Abstand zu halten: Hunderte Muslime versammeln sich zum Beten auf Ikea-Parkplatz

In einer Moschee lassen sich die Abstandsregeln oft schwer einhalten. Muslime aus Wetzlar fanden eine kreative Lösung: Sie verlegten ihr Gebet auf einen großen Ikea-Parkplatz.

Die Muslime auf der ganzen Welt haben einen ungewöhnlichen Ramadan hinter sich. Auch in Deutschland waren wegen der Corona-Beschränkungen die Versammlungen während des Fastenmonats gar nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Eine muslimische Gemeinde im hessischen Wetzlar fand dennoch einen Weg, mit vielen Gläubigen das Festtagsgebet zum Ende des Ramadan zu begehen. Sie verlegte die Versammlung auf den Parkplatz eines Ikea-Möbelhauses.

Wo an den Wochentagen die Kunden ihre Autos abstellen, ließen sich am Sonntag die Gläubigen mit ihren Gebetsteppichen nieder. Insgesamt 700 Muslime kamen, um unter diesen ungewöhnlichen Umständen den Ramadan zu beenden. Zwischen den Betenden wurde dabei ein Abstand von zwei Metern eingehalten, außerdem trugen alle einen Mund-Nasen-Schutz. Auch Desinfektionsmittel wurde bereitgestellt. Die Aktion war mit der Marktleitung sowie Polizei und Ordnungsamt abgesprochen.

Hiermit bedanken wir uns ausdrücklich bei der Polizei Wetzlar, Ordnungsamt Wetzlar, der Markleitung von IKEA Wetzlar und...

Gepostet von IGMG Wetzlar FATİH CAMİİ am Sonntag, 24. Mai 2020

Gebet auf Ikea-Parkplatz: Jeder bringt seinen eigenen Gebetsteppich

Der Vorsitzende der Islamische Gemeinschaft Millî Görüs (IGMG) Wetzlar, Kadir Terzi, sagte dem Portal "mittelhessen.de", die Verlegung des Gebetes auf den Parkplatz sei eine spontane Idee gewesen. Penibel wurde darauf geachtet, dass alle Hygienemaßnahmen befolgt wurden. "Jeder hat seinen eigenen Gebetsteppich mitgebracht", sagte Terzi. Die Moschee, in der sich seine Gemeinde sonst trifft, befindet sich in der Nähe des Einrichtungshauses. Um die Nachbarn nicht zu stören, hatte die Leitung im Vorfeld darum gebeten, sich ruhig zu verhalten und das Gebet so kurz wie möglich zu halten.

Die ungewöhnliche Maßnahme hat ein großes Medienecho hervorgerufen – unter anderem berichteten in England die BBC und die Zeitung "Daily Mail" über das Gebet der Wetzlarer. Damit könnte die IGMG möglicherweise sogar zum Vorbild für andere Glaubensgemeinschaften werden, die sich aktuell nicht wie gewohnt in ihren angestammten Räumlichkeiten treffen können.

Wie groß das Infektionsrisiko bei Veranstaltungen von Religionsgemeinschaften sein kann, zeigt ein Fall aus Frankfurt, nur gut 60 Kilometer entfernt. Dort breitete sich das Coronavirus nach einem Gottesdienst einer freikirchlichen Gemeinde unter den Kirchgängern aus. Mittlerweile sind mehr als hundert Menschen infiziert.

Quellen: IGMG Wetzlar auf Facebook / "mittelhessen.de"

epp