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Widerstand gegen Lutherpreis-Verleihung: Protestanten wollen Pussy Riot nicht preisen

Der Lutherpreis soll Mut ehren. Deswegen hat die Stadt Wittenberge die russische Kult-Band nominiert. Das geht einigen Theologen zu weit: Das Trio habe sich einfach zu gotteslästerlich verhalten.

Mit dem "unerschrockenen Wort" ehren die Lutherstädte - der Titel des Preises deutet es an - Persönlichkeiten, die "für ihr unerschrockenes Auftreten Unbill in Kauf nehmen". Zuletzt wurden der russische Journalist Dmitri Muratow und das Redaktionsteam der russischen Tageszeitung "Nowaja Gaseta" für deren "Mut und beispielhaften Einsatz für die Meinungs- und Pressefreiheit" ausgezeichnet. Zwei Jahre später soll der Preis erneut nach Russland gehen: an das aufmüpfige Frauentrio Pussy Riot. Mit nur einer Gegenstimme hatte der zuständige Ausschuss der Stadt Wittenberge für die inhaftierten Künstlerinnen votiert. Doch glücklich sind nicht alle mit der Wahl.

So melden sich einige Theologen zu Wort, die sich über die Nominierung echauffieren. Der bekannteste von ihnen, Friedrich Schorlemmer, evangelischer Religionswissenschaftler und DDR-Bürgerechtler, sagte der "Leipziger Volkszeitung": "Es wäre ein verheerendes Zeichen, wenn mit Pussy Riot der Vorschlag unserer Stadt für den Luther-Preis den Sieg davon tragen würde." Allein die Nominierung sei empörend genug.

Als Grund für seine ablehnende Haltung nennt Schorlemmer den seiner Meinung nach blasphemischen Charakter des berüchtigten Auftritts von Pussy Riot: "Die jungen Frauen haben in einer Kirche von 'Gottes Dreck' gesungen, wenn das nicht beleidigend ist, was denn sonst?" Auch stört er sich am Namen der Band: "Man muss ihn nur mal exakt übersetzen. Pussy Riot klingt dann sehr anstößig und unanständig." Zurückhaltend formuliert lässt sich der Name mit "Vagina-Aufstand" übersetzen.

"Religiöse Dimension" ausgeblendet

Widerstand gegen die Preisverleihung leistet laut der "Leipziger Volkszeitung" auch der Landesbeauftragte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland für Reformation und Ökumene, Siegfried Kasparick. Der Auftritt der Frauen in der Christ-Erlöser-Kathedrale habe Menschen und ihre religiösen Gefühle tief verletzt, sagte er. Die Wittenberger CDU sowie die Fraktion "Allianz der Bürger" haben die Rücknahme des Beschlusses beantragt. Die "religiöse Dimension der Geschehnisse" sei ausgeblendet worden, heißt es.

Der von 16 Lutherstädte (Augsburg, Coburg, Eisenach, Lutherstadt Eisleben, Erfurt, Halle (Saale), Heidelberg, Magdeburg, Marburg, Nordhausen, Schmalkalden, Speyer, Torgau, Lutherstadt Wittenberg, Worms, Zeitz) verleihen den Preis "Das unerschrockene Wort" im April 2013 in Luthers Geburtsstadt Eisleben. Insgesamt stehen 16 Vorschläge für den mit 10.000 Euro dotierten Preis zur Auswahl.

Pussy Riot überwirft sich mit Anwalt

Drei Mitglieder von Pussy Riot waren im August wegen eines Auftritts in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Die bis zu dem Gerichtsverfahren eher unbekannte Protestgruppe wurde daraufhin weltweit zum Symbol gegen das Putin-Regime. Ihre Verurteilung wird vor allem von Menschenrechtlern als politisch motiviert bezeichnet. Vor wenigen Tagen erst wurde die Berufungsverhandlung überraschend auf den 10. Oktober vertagt. Grund sei ein Zerwürfnis zwischen dem angeklagten Trio mit ihrem Anwalt.

nik