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Widerstandskämpferin: Freya Gräfin von Moltke gestorben

Sie war eine der letzten Zeitzeuginnen des Widerstandes gegen die Nazis. Bekannt als Frau des Widerstandskämpfers Helmuth James Graf von Moltke, war sie als Mitglied des "Kreisauer Kreises" auch selbst im Widerstand gegen das Hitler-Regime aktiv. Nun ist Freya Gräfin von Moltke im Alter von 98 Jahren gestorben.

"Heute kommt es darauf an, dass Leute, die verschieden denken, miteinander sprechen", hat Freya Gräfin von Moltke einmal gesagt. Ihr Leben stand für den Dialog und die Aussöhnung - insbesondere die zwischen Deutschen und Polen. Die gebürtige Kölnerin geht in die Geschichte ein als Witwe eines der bekanntesten Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime, Helmuth James Graf von Moltke. Doch die Bankierstochter, promovierte Juristin und Mutter zweier Söhne war selber eine von denen, die dem Hitler-Terror die Stirn boten. Wie erst heute bekannt wurde, erlag Freya von Moltke am Neujahrstag im Alter von 98 Jahren einer Virusinfektion.

Freya von Moltke leitete in den 1930er-Jahren das schlesische Familiengut Kreisau und machte es nicht nur zu einem Ort wichtiger Treffen, sondern auch zum Zufluchtspunkt für Ausgebombte und Verfolgte. Gemeinsam mit ihrem Mann gründete Freya von Moltke das Widerstandszentrum "Kreisauer Kreis". Dort dachten Menschen aus allen sozialen, politischen und konfessionellen Richtungen darüber nach, wie ein demokratisches Deutschland nach Hitler aussehen sollte. Als der von den Attentätern um Graf Stauffenberg geplante Anschlag auf Hitler am 20. Juli 1944 gescheitert war, flog auch der "Kreisauer Kreis" auf.

Kampf auch gegen die Apartheid in Südafrika

Freya von Moltke, die stets Haupt-Bezugsperson für ihren Mann im Widerstandskampf war, wurde nun seine wichtigste Begleiterin durch seine Haftzeit. Seine täglichen "Briefe an Freya" gehören zu den wichtigsten Zeugnissen des Widerstands im Dritten Reich. Als Helmuth James Graf von Moltke 1945 wegen Hochverrats hingerichtet wurde, war Freya 33 Jahre alt. "Es ist unbeschreiblich, wenn es einen trifft", sagte sie einer Zeitung noch 60 Jahre später.

Mit ihren Söhnen ging sie nach Südafrika, um sich in der Heimat der Großeltern ihres Mannes als Sozialarbeiterin ebenfalls gegen waltendes Unrecht einzusetzen und gegen die Apartheid Stellung zu nehmen. Als sie 1956 kurzfristig nach Deutschland zurückkehrte, machte sie es sich zur Aufgabe, das Schweigen in einer von Verdrängung geprägten Gesellschaft zu brechen. In Vorträgen und Publikationen hielt sie die Erinnerung an den Widerstand im Dritten Reich wach.

Erinnerung und Dialog

Doch die einstige Widerstandskämpferin wollte auch den Dialog. Den ehemaligen Moltkeschen Gutshof stellte sie für die Begegnung deutscher und polnischer Jugendlicher zur Verfügung. Ihren Namen gab sie für eine Stiftung, die sich seit 2004 für die Verständigung zwischen Menschen aus Ost- und Westeuropa einsetzt. Das Andenken an den "Kreisauer Kreis" und seine mutigen Gründer wird dort auch nach dem Tod Freya von Moltkes wachgehalten.

Sie selber war 1960 in den ländlichen US-Bundesstaat Vermont gezogen, wo sie bis zum Schluss mit ihrem langjährigen Lebensgefährten Eugen Rosenstock-Huessy zusammen lebte.

DPA/AP / AP / DPA
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