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Wikileaks-Chef Schweden will Assanges Freilassung verhindern


Julian Assange kann das Gefängnis wohl doch nicht bald verlassen. Die schwedische Justiz will Berufung einlegen. Eine Anhörung dazu soll binnen 48 Stunden stattfinden.

Juristisches Gezerre um Wikileaks-Ikone Julian Assange: Der in britischer Untersuchungshaft sitzende Australier kann nach der Entscheidung eines Londoner Gerichts auf baldige Freilassung gegen Kaution und strenge Auflagen hoffen. Die schwedische Justiz legte allerdings umgehend Berufung ein. So muss der High Court bis spätestens Donnerstagnachmittag endgültig entscheiden. Mindestens solange wird Assange hinter Gittern bleiben. Eine weitere Anhörung in der Sache wurde für den 11. Januar angesetzt.

Hunderte Anhänger von Assange, darunter die Menschenrechtlerin Bianca Jagger und andere Prominente, jubelten am Dienstag vor dem Londoner Gerichtsgebäude. Zu den Unterstützern des Internet-Aktivisten zählt auch der US-Filmemacher Michael Moore. Assange muss im Falle seiner Freilassung eine elektronische Fußfessel tragen. Unabhängig von der Haftfrage verlangt Schweden die Auslieferung des 39-Jährigen.

Kaution muss in Cash hinterlegt werden

Die in bar zu hinterlegende Kaution soll 200.000 britische Pfund (rund 240.000 Euro) betragen. Hinzu kommen weitere 40.000 Pfund an zusätzlichen Sicherheitsgarantien. Das Geld ist nach Angaben von Assange-Anwalt Mark Stephens noch nicht zusammen. "Ein unschuldiger Mann bleibt im Gefängnis", bis die Summe in bar zusammengetragen sei, sagte er. "Sie scheuen keine Mühen, um Herrn Assange im Gefängnis zu halten", sagte Stephens mit Blick auf die schwedischen Behörden.

Assange wird von der britischen Justiz auf der Grundlage eines in Schweden ausgestellten, EU-weiten Haftbefehls festgehalten. Der Australier war vor einer Woche inhaftiert worden. Die schwedische Strafverfolgung wirft ihm sexuellen Missbrauch zweier Frauen vor. Die Anhänger des Internetaktivisten halten dies für vorgeschoben und vermuten politische Motive hinter der Inhaftierung.

"Ich bleibe meinen Idealen treu"

Wikileaks hatte in den vergangenen Monaten tausende vertrauliche Dokumente mit Informationen über die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie über den Schriftverkehr internationaler Diplomaten veröffentlicht. Damit kam vor allem die US-Regierung in Erklärungsnot.

Kurz vor der erneuten Anhörung vor Gericht hatte Assange sich über seine Mutter Christine zu Wort gemeldet. "Ich fordere die Welt auf, meine Arbeit und meine Leute vor diesen illegalen und unmoralischen Handlungen zu schützen", ließ er mit Blick auf die Vorwürfe sexueller Vergehen gegen ihn mitteilen. "Ich bleibe meinen Idealen, zu denen ich mich immer bekannt habe, treu", zitierte die Mutter den 39-Jährigen in einem Interview mit dem australischen Nachrichtensender "7 News". "Dieser Prozess hat meine Entschlossenheit eher noch bekräftigt." Assanges Mutter hatte nach eigenen Angaben kurz mit ihrem Sohn telefonieren dürfen. Er sitzt seit seiner Festnahme vor einer Woche in einem Gefängnis im Süden Londons.

Assanges Anwalt beschwert sich über Haftbedingungen

"Wir wissen jetzt, dass Visa, Mastercard und Paypal Instrumente der US-Außenpolitik sind", wurde er von seiner Mutter zitiert. In den vergangenen Tagen hatten Unterstützer von Wikileaks die Websites der Unternehmen angegriffen und zum Teil lahmgelegt. Am Dienstag war das Internet-Banking der Royal Bank of Scotland zeitweise nicht erreichbar. Ob es einen Zusammenhang zu Wikileaks gab, war zunächst nicht klar.

Assanges Anwalt Mark Stephens hatte sich über die Haftbedingungen seines Mandanten beschwert. Er dürfe seine Zelle nur für rund eine halbe Stunde am Tag verlassen und weder mit anderen Gefängnisinsassen Kontakt aufnehmen, noch die Bücherei nutzen oder Fernsehen schauen. Er stehe unter 24-Stunden-Überwachung. "Dies hier wird zu einem Schauprozess", beklagte der Jurist.

In Schweden waren im August zwei Frauen zur Polizei gegangen. Sie hatten von ungeschütztem Sex gegen ihren Willen mit Assange berichtet. Der Haftbefehl war bereits mehrmals erlassen und wieder aufgehoben worden. Nachdem Schweden im November einen EU-weiten Haftbefehl gegen ihn ausgestellt hatte, stellte sich Assange am vergangenen Dienstag den britischen Behörden.

Sollte Julian Assange in den nächsten Tagen freikommen, wird er sich wohl auf einem Bauernhof in Suffolk aufhalten. Zumindest soll das Anwesen des Frontline-Club-Gründer Vaughan Smith als feste Adresse angegeben worden sein. Der Hof ist bekannt für seine hervorragenden Möglichkeiten zur Rebhuhnjagd.

Conny Fuchs/zen/DPA DPA

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