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Kolumne Winnemuth: Duct Tape, Kriechöl und Pinzette statt "Tussi on Tour"-Werkzeug

Klebeband, Kriechöl, eine Zange - mehr braucht man doch eigentlich gar nicht, um ein Haus in Schuss zu halten. Was treibt die Massen dann bloß in den Baumarkt?

Von Meike Winnemuth

Symbolfoto: Ein Baumarkt von innen, durch einen Gang läuft eine Frau; zu sehen von hinten

Was treibt Menschen eigentlich in diese Baumärkte?

Derzeit treibe ich mich wieder öfter in Baumärkten herum. Viel hat sich nicht verändert in den vergangenen Jahren: Immer noch sieht man verlässlich stets dieselben Gesichter, wenn man kommt, heimatlose Gestalten, die sich selbst am Schraubenregal festgedübelt zu haben scheinen oder ruhelos zwischen den Schwingschleifern umherwandern. Es gibt Männer, die wohnen praktisch im Baumarkt, die nutzen ihn als Eckkneipenersatz oder Sozialstation. Es sind nicht die unglücklichsten Menschen.

Was sie hier suchen, ist unklar. Sie haben nämlich eigentlich schon alles in ihrem Werkzeugschrank und/oder Hobbykeller. Männer kaufen sich für jede Spezialaufgabe augenblicklich ein neues Gerät, selbst wenn sie es nur ein einziges Mal brauchen. Ausleihen? Undenkbar. Improvisieren? Oh bitte, keine halben Sachen.

Man braucht bloß Pinzette, Kriechöl und Klebeband

Ich hingegen habe schon große Schrauben mit der Essbesteck-Messerklinge eingedreht (ich habe ein ausgesprochen stabiles Essbesteck) und die kleinen, feinen in Lüsterklemmen mit einer Augenbrauen-Pinzette. Geht alles. Hält immer noch.

Im Heimwerker-Blog "Gesägt, getan" las ich neulich das schöne Zitat von Clint Eastwood aus "Gran Torino", dass jeder Mann, der einen Scheißdreck wert sei, mit einer Rolle Klebeband, einer Dose Kriechöl und einer Klemmzange die Hälfte aller Arbeiten im Haus erledigen könne. Ich möchte anfügen: Jede Frau, die einen Scheißdreck wert ist, braucht dafür nicht mal eine Klemmzange. Nur Kriechöl und Klebeband.

Mit Kriechöl - WD-40 natürlich, nichts sonst - habe ich gerade heute morgen mein knarrendes Bett entknarrt, das funktioniert nämlich auch bei Holz, egal, was die Jungs im Baumarkt sagen. Noch vielseitiger ist allerdings das Klebeband. Wir reden hier selbstverständlich nicht von irgendeinem Klebestreifen, sondern von anständigem Duct Tape, bombenfestem Gewebeband, dem Zeug, das bei der Bundeswehr Panzertape heißt. Ich habe damit schon Leitungen isoliert, Rückspiegel repariert, Gartenschläuche geflickt, Blumenkübel bandagiert, einen Rucksack verstärkt und ein über lange Jahre funktionierendes Scharnier für eine Eisfachklappe gebastelt. Mein großes Vorbild ist dabei MacGyver, der König der Improvisateure, der in nahezu jeder TV-Folge mit Duct Tape und einem Schweizer Armeemesser die Welt rettet - wenn er nicht gerade aus einem Blutdruckmessgerät, einem Stück Draht und einem Wecker einen Lügendetektor baut. Der Mann schwört auf das Zeug. Und das völlig zu Recht: Angeblich war es sogar an der Rettung von Apollo 13 beteiligt.

Was soll man mit "Tussi on Tour"-Werkzeug?

Vor Jahren schenkte mir jemand, der mich nicht allzu gut kannte, zum Geburtstag einen niedlichen kleinen Lady-Hammer im Blümchenlook mit Schraubendreher im Griff. Ich starrte das Ding fassungslos an. Was genau soll man damit anfangen? Eine Reißzwecke in ein Korkbord hämmern, falls man einen zu schwachen Daumen hat? Barbies Traumhaus zusammenkloppen? Rätselhaft.

Nicht minder rätselhaft das Angebot, wenn man unter "Werkzeuge für Frauen" googelt: ein pinkfarbener Plastikkoffer mit der Aufschrift "Tussi on Tour" ("Da ist wirklich alles da, was das Damenherz erfreut!"), darin pinkfarbene Werkzeuge, die vermutlich schon auseinanderfallen, wenn man sie nur scharf anguckt. Nicht zufällig unter anderem erhältlich im "Karneval-Megastore".

Hm, ich merke gerade, dass diese Kolumne ein bisschen wackelt. Ein bisschen ausfranst an den Rändern. Wo ist denn noch gleich ...? Ah, da ist es ja. Ein Streifen Duct Tape drüber und gut is . Hält garantiert bis nächste Woche.

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