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860.000 Menschen: Zahl der Wohnungslosen steigt deutlich

Die Wohnungslosigkeit in Deutschland nimmt zu. Im vergangenen Jahr mussten bereits rund 860.000 Menschen, unter ihnen ein großer Teil an Flüchtlingen, ohne eigenen Wohnraum auskommen.

Steigende Wohnungslosigkeit: Ein Obdachloser in Berlin schläft auf einer Parkbank

Ein Obdachloser in Berlin schläft auf einer Parkbank

860.000 Menschen in haben keine Wohnung. Dies gab die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohungslosenhilfe (BAG) am Dienstag in Berlin bekannt. 2016 mussten 420.000 Menschen ohne Wohnung auskommen, hinzu kommen noch rund 440.000 wohnungslose Flüchtlinge. Die Zahlen entsprechen laut BAG einem Anstieg von rund 150 Prozent seit 2014.

Bis 2018 prognostiziert die Organisation außerdem einen weiteren Anstieg auf dann 1,2 Millionen wohnungslose Menschen. Auszugehen sei von einem Zuwachs um 350.000 oder 40 Prozent im Vergleich zu 2016.

Ursachen: Verfehlte Wohnungspolitik und Zuwanderung 

Seit 2016 bezieht die Wohnungslosenhilfe in ihre Schätzungen auch die Zahl der wohnungslosen anerkannten Flüchtlinge ein. Diese Gruppe, die im Regelfall weiterhin in den Gemeinschaftsunterkünften geduldet werde, stelle die Hälfte aller Wohnungslosen in Deutschland. Die BAG begründet die Berücksichtigung von Flüchtlingen in ihrer Zählung damit, dass diese sowohl Nachfragende in den Behelfsunterkünften als auch auf dem Wohnungsmarkt seien.

"Die Zuwanderung hat die Gesamtsituation dramatisch verschärft, ist aber keinesfalls alleinige Ursache der neuen Wohnungsnot", erklärte BAG-Geschäftsführer Thomas Specht. Die wesentliche Ursachen für Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit lägen vielmehr in einer seit Jahrzehnten verfehlten Wohnungspolitik in Deutschland - in Verbindung mit einer unzureichenden Armutsbekämpfung.

So sei das Angebot an bezahlbarem Wohnraum unzureichend, der Sozialwohnungsbestand schrumpfe ständig. Seit 1990 sank der Bestand an Sozialwohnungen demnach um rund 60 Prozent auf 1,2 Millionen in 2016. Zusätzlich hätten Kommunen, Bundesländer und der Bund eigene Wohnungsbestände an private Investoren verkauft, erklärte Specht. "Damit haben sie Reserven bezahlbaren Wohnraums aus der Hand gegeben."

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Die Flugzeugrümpfe sind ohne Innenverkleidung, aber die Tür dieser Boeing 747 lässt sich noch öffnen.

Darüber hinaus fehlten mindestens elf Millionen Kleinwohnungen. Der Wohnungsmangel bei den Ein- bis Zweizimmerwohnungen habe zu einem extremen Anziehen der Mietpreise vor allem in den Ballungsgebieten geführt. Den 16,8 Millionen Einpersonenhaushalten stand demnach im vergangenen Jahr nur ein Angebot von 5,2 Millionen Ein- bis Zweizimmerwohnungen gegenüber.

Der Bund und die Kommunen müssten deutlich mehr Verantwortung in der Wohnungspolitik übernehmen, forderte Werena Rosenke, Vizegeschäftsführerin der . Dazu gehörten auch Quoten für die Vermietung von geförderten Wohnungen an wohnungslose Menschen und die "gezielte Akquirierung von Wohnungsbeständen bei privaten Vermietern und der Wohnungswirtschaft".

32.000 obdachlose Kinder

Von den 420.000 Wohnungslosen - ohne - lebten 2016 demnach rund 52.000 auf der Straße. 2014 waren dies 39.000. Etwa 290.000 der Wohnungslosen sind alleinstehend, 130.000 leben mit Partnern oder Kindern zusammen. Die BAG schätzt die Zahl der betroffenen Kinder und minderjährigen Jugendlichen auf acht Prozent (32.000).

Etwa zwölf Prozent oder 50.000 der sind EU-Bürger. Viele leben ohne jede Unterkunft auf der Straße, vor allem in den Metropolen. Mit finanzieller Unterstützung des Bundes müssten die Kommunen diese Betroffenen menschenwürdig unterbringen und auch die medizinische Versorgung absichern, forderte die BAG. Die Wohnungslosenhilfe dürfe mit diesen Aufgaben nicht allein gelassen werden.

fri/AFP

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