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Zahl der Seniorenstudenten steigt: Konkurrenz im Hörsaal

Immer mehr Ältere schlagen den dritten Bildungsweg ein und entscheiden sich für ein Seniorenstudium. Für Gasthörer gibt es kaum Zugangsbeschränkungen und viele kostenfreie Angebote.

Die Generation 60 plus ist bildungshungrig: Auch in Deutschland zieht es tausende Senioren an Universitäten, um Gleichgesinnte zu treffen, neue Kontakte zu knüpfen und ihren Wissensdurst zu stillen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat ihre Zahl in den letzten Jahren rapide zugenommen. Von den 38.600 Gasthörern an deutschen Hochschulen im Wintersemester 2010/11 gehörten danach 18 800 zur Generation 60 plus - ein Zuwachs von 25 Prozent binnen zehn Jahren. Ihre tatsächliche Zahl liegt vermutlich noch weit höher.

Begrenzte Ressourcen

Laut einer forsa-Umfrage zum Thema „Altern in Deutschland“ von stern und Körber-Stiftung wird diese Entwicklung jedoch nicht nur positiv bewertet. Immerhin 40% der 1273 Befragten zwischen 14 und 75 Jahren möchten, dass Senioren wegen der überfüllten Universitäten nicht mehr zum Studium zugelassen werden. Erstaunlich: Unter den über 65-Jährigen sind es sogar überdurchschnittliche 44%. Am gelassensten sieht das hingegen die Altersgruppe direkt nach Verlassen der Uni zwischen 30 und 44 Jahren mit nur 34% Zustimmung.

Doch dass Ältere ihre gewonnenen Jahre nutzen, um lebenslang zu lernen, ist ein positiver Trend. Denn der demografische Wandel wird die Flexibilisierung von Arbeits- und Lernzeiten notwendig machen und dem Einzelnen Lernbereitschaft bis ins hohe Alter abfordern. Aktiv am gesellschaftlichen Leben und Wissen zu partizipieren und vielleicht sogar generationenübergreifend zu lernen sind weitere positive Aspekte.

Spezielle Programme

Bundesweit bieten deswegen immer mehr Unis speziell auf Senioren zugeschnittene Programme an. Denn ältere Gast- bzw. Seniorenstudenten sollen jungen Studenten, die auf die universitäre Berufsbildung für den weiteren Lebensweg angewiesen sind, nicht die Plätze streitig machen.

Die LMU in München hat z.B. für die Seniorenstudenten ein eigenes Vorlesungsverzeichnis. Das umfangreiche Angebot für ältere Studenten kostet 300,- Euro und hält im kommenden Sommersemester 146 Vorlesungen bereit. Die Älteren werden zur Rücksichtnahme aufgefordert: "Die Studierenden des Seniorenstudiums sind Gäste der Universität. Die Hauptaufgabe der Universität in der Lehre ist die Ausbildung der jungen Generation. Sie hat deshalb in allen Lehrveranstaltungen den Vortritt."

"Universität des 3. Lebensalters"

Die Goethe-Universität in Frankfurt hat sogar eine eigene Universität gegründet. Mit über 3.500 Teilnehmern pro Semester erfreut sich die "Universität des 3. Lebensalters (U3L)" eines weiterhin steigenden Zuspruchs. "Das in Vereinsform universitätsnah organisierte Bildungsangebot stellt mit seinen etwa 70 Veranstaltungen pro Semester einen unverzichtbaren Nukleus der Frankfurter Bürgeruniversität dar", betont die Uni.

Der Trend zu speziellen Angeboten für Senioren dürfte sich weltweit angesichts des zunehmenden Lebensalters fortsetzen. Und dann können auch zukünftig Senioren wie der 97-jährige Australier Allan Stewart ihren Master-Abschluss feiern. "Ohne klare und machbare Ziele kann das Leben sinnlos werden", sagte er der Presseabteilung der Southern Cross-Universität in Lismore 750 Kilometer nördlich von Sydney. "Man sollte nie mit Ausreden wie "Ich bin zu alt zu studieren" kommen."

DPA/Mirko Zapp / DPA
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