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Zalando gegen den Weihnachtsmann: Schneller durch den Schornstein

Ring frei! Der Weihnachtsmann bekommt Konkurrenz. Der Zalandomann kann nicht nur schneller den Schornstein hinunterrutschen, als sein rotbejacktes Pendant. Er tut auch der Gesellschaft gut.

Von Josef Thaurer

Die PR-Leute von Zalando haben mal wieder ganze Arbeit geleistet. Ihr Siegeszug begann mit dem auf ewig in unseren Köpfen verankerten "Schrei vor Glück". Zum Schreien gut! Jetzt haben sie mit dem Zalandomann noch eins drauf gelegt. Und wer es noch nicht gesehen hat: Der Zalandomann gewinnt. Er hüpft als erster in den Schornstein und lässt den Weihnachtsmann noch älter aussehen, als er eh schon ist. Beim Anblick des TV-Spots denkt man unweigerlich: Blasphemie! Hier wird Weihnachten verunglimpft. Weihnachten, das Fest der Familie. Doch das wäre zu kurz gedacht.

Zalando erweist hier der Gesellschaft nämlich einen großen Dienst. Zwar unbeabsichtigt, aber immerhin. Denn worum es in dem Spot geht: Eine Werbefigur bringt zu Weihnachten die Geschenke. Eine fettleibige und unrasierte Werbefigur noch dazu. Beim Anblick des TV-Spots müsste man sich deshalb an Zalandos Rat halten und vor Glück schreien. Endlich wird allen Anhängern des Weihnachtsmanns vor Augen geführt, was eigentlich Sache ist: Denn auch sie stilisieren ein Maskottchen zum Halbgott. Nur dass das Maskottchen, das sie verehren, vor 80 Jahren erfunden wurde und die Idee eines Getränkeherstellers ist. Dank Zalando nun wird der gute alte Brausen-Weihnachtsmann in Frage gestellt - und entlarvt. Wo kann man hier bitte "gefällt mir" klicken?

Wo bleibt der Weihnachts-Supermann?

Was war eigentlich mit all den anderen Riesenkonzernen und ihren Werbern los? Warum haben sie bisher keinen eigenen Weihnachts-Supermann in den Ring geworfen? Vielleicht gab es ja schon Pläne, aber der Apple-Bratapfel-Mann ist wohl im Kamin stecken geblieben. Der Dessous-Hersteller Vicoria's Secret hat sich mit seinen geflügelten Models zumindest den Engel als Symbol gesichert. Aber es musste erst Zalando kommen, um es mit Coca Cola aufzunehmen. Der Versandhandel ist auch wirklich ein Heilsbringer ganz im Sinne des besinnlichen Weihnachtsfestes. Dank ihm geht das mit den Geschenken für die Liebsten jetzt rasend schnell, schneller als je zuvor, per "Blitzversand", so wie es der Zeitgeist eben verlangt. In der gesparten Zeit kann man sich wichtigeren Dingen widmen. Aber bitte nicht rüber zu Amazon, ok? Versprochen? Gut so, braver Kunde!

Kommt denn nirgendwo am Heiligabend noch das gute alte Christkind? Damit soll jetzt nicht das Kitsch-Rüschen-Goldlöckchen vom Nürnberger Christkindlmarkt gemeint sein, das vor lauter Glitzer-Glitzer fast schon wieder zu seinen Kollegen aus der Werbung passt. Nein, einfach nur das kleine Baby in der Krippe als Symbol der Freude, der Familie und des Friedens. Eben für das, was letztendlich alle an Weihnachten feiern. Zu einem flächendeckenden Comeback wird dem Christkind der Zalando-Spot wohl nicht verhelfen. Aber wenn sich die Weihnachts-Werbefiguren, egal ob lange etabliert oder neu, nur lange genug gegenseitig die Köpfe einschlagen, bleibt es am Ende vielleicht als letztes übrig. Würdig, und ohne am Kampf teilgenommen zu haben. Danke dafür, lieber Zalandomann.

Josef Thaurer
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