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Zentralrat der Juden: Charlotte Knobloch beendet angeblich Arbeit in der Führungsspitze

Der Zentralrat der Juden in Deutschland steht einem Zeitungsbericht zufolge vor einem Wechsel an der Führungsspitze. Nach Informationen von "Handelsblatt Online" soll der bisherige Vizepräsident Dieter Graumann an die Spitze der größten Dachorganisation der jüdischen Gemeinden und Landesverbände in Deutschland rücken und Präsidentin Charlotte Knobloch ablösen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland steht einem Zeitungsbericht zufolge vor einem Wechsel an der Führungsspitze. Nach Informationen von "Handelsblatt Online" soll der bisherige Vizepräsident Dieter Graumann an die Spitze der größten Dachorganisation der jüdischen Gemeinden und Landesverbände in Deutschland rücken und Präsidentin Charlotte Knobloch ablösen. Das Online-Portal beruft sich auf Zentralratskreise. Eine Stellungnahme war auf DAPD-Anfrage am Mittwoch zunächst nicht zu erhalten.

In diesen Kreisen heiße es, die 77 Jahre alte Knobloch habe dem Präsidium ihren Verzicht auf eine zweite Amtszeit bereits erklärt. Am kommenden Sonntag wolle sie auch das Direktorium, die Vertretung der Landesverbände und Großgemeinden, über ihren Rückzug unterrichten. Erfolge der Führungswechsel "ruhig und geordnet", dann werde Graumann Ende des Jahres den Vorsitz nach Wahl durch das Präsidium turnusgemäß übernehmen können, hieß es in den Kreisen laut "Handelsblatt Online".

Es sei aber auch denkbar, dass Knobloch schon früher die Führung abgebe. "Es läuft alles auf Graumann zu, er ist Favorit von Präsidium und Direktorium", hieß es demnach weiter. Graumann selbst wollte sich nicht äußern. Auf Anfrage von "Handelsblatt Online" sagte er lediglich: "Kein Kommentar."

Der mögliche Abgang Knoblochs werde innerhalb des Zentralrats als "große Zäsur" gesehen, da Knobloch die letzte Holocaust-Überlebende im Präsidium ist. Die Personalie Graumann bedeute auch einen "Politikwechsel" für die Juden in Deutschland, hieß es dem Portal zufolge weiter. Damit werde auch zum Ausdruck gebracht, dass sich die Juden hierzulande nicht mehr nur auf das Thema Holocaust konzentrieren wollen, sondern vor allem auch auf die spezifischen Probleme der in Deutschland lebenden Juden.

Auch die amtierende Präsidentin Charlotte Knobloch hielt sich bedeckt. Der "Thüringer Allgemeinen" (Donnerstagausgabe) sagte die 77-Jährige laut Vorabmeldung: "Ich werde mich an den derzeitigen Spekulationen nicht beteiligen." Ihre Amtszeit laufe noch bis November. "Ich werde in Kürze mit den zuständigen Gremien Gespräche führen", wurde sie weiter zitiert.

Zuletzt hatte der Publizist Henryk M. Broder mit dem Plan für Schlagzeilen gesorgt, Präsident des Zentralrats werden zu wollen. Seiner Ankündigung in einem Zeitungsartikel folgte wenig später der Rückzug. Im "Spiegel" schrieb Broder, er habe den Zentralrat ein wenig aufmischen wollen. Seine Bewerbung hatte er zuvor mit den Worten begründet, die Organisation befinde sich in einem "erbärmlichen Zustand", und Knobloch scheine von ihrem Job überfordert zu sein.

APN / APN