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Zimtstern-Geschichten, Teil 11: Weihrauch, Myrrhe und ein Häufchen Kot

Eine spanische Krippenfigur - das ideale Weihnachtsgeschenk für Papa. Dumm nur, wenn die in eindeutiger Pose daherkommt.

Von Jens Wiesner

Ich war Austauschstudent in Spanien, das Weihnachtsfest stand vor der Tür. Natürlich hatte ich nicht geschafft, mir rechtzeitig Gedanken über ein Weihnachtsgeschenk für meinen Vater zu machen. Krawatten und Co. standen außer Frage. Ich wollte etwas Landestypisches mitbringen, ein Geschenk, das man in Deutschland nicht so einfach erwerben konnte. Eine Freundin von der Uni riet mir zu einem "Caganer" - und erklärte mir, das sei eine spezielle Krippenfigur, die man nur auf katalanischen Krippen finde. Ich jubelte innerlich. Schließlich liebt mein Vater unsere alte Familienkrippe über alles. Leider sieht man den Figuren ihr Alter auch an. Ein bisschen Frischfleisch für den Stall kann nicht schaden, dachte ich - und ließ mich zu einem einschlägigen Geschäft führen.

Drinnen suchten meine Augen die Regale ab: Schafe, Ochsen und Esel in Massentierhaltung. Maria, Josef, Jesuskind (20 Prozent Discount für alle drei Figuren zusammen). Und überall Schafe: große, kleine, weiße, braune, schwarze. Kopf nach oben, blökend. Kopf nach unten, grasend. "Hier!" sagte meine Freundin und zeigte auf eine Figur, die etwas abseits stand: ein kleines Männchen in traditioneller katalanischer Bauerntracht.

Die Pose: hockend mit heruntergelassenen Hosen, einen kleinen, braunen Kringel unter dem blanken Po.

Caganer, eine katalanische Tradition

Ich räusperte mich und gab zu verstehen, dass ich solche neumodischen Scherzfiguren doch eher geschmacklos fände. Nur um mich Sekunden später katalanischem Furor gegenüber zu finden. Von wegen neumodisch. Einen Caganer (was ins Deutsche übrigens nichts anderes als "der Scheißer" bedeutet) auf die Krippe zu stellen, klärte mich meine Freundin auf, gehe auf eine lange Tradition in Katalonien zurück. Angeblich, so lautet eine der zahlreichen Erklärungen für die Existenz des Burschen, sei einem Hirten, die Aufregung um die Geburt des Heilands ein wenig auf den Darm geschlagen. Andere haben den kleinen Scheißer gar zu symbolischen Ehren erhoben: Als Sinnbild für eine nährstoffreich gedüngte Erde solle er Glück für eine reiche Ernte bringen.

Mittlerweile gelte es gar als Ehre in Form eines Caganers dargestellt zu werden. Längst gibt es Barack Obama mit heruntergelassenen Hosen zu kaufen, ebenso Fußballheld Ronaldo oder König Juan Carlos.

Schmunzelnd gab mir meine Freundin zu verstehen, dass selbst die Katholische Kirche die Anwesenheit des fäkalienfreudigen Männchens toleriere - wenn auch mitunter zähneknirschend. Als mein Blick das Caganer-Regal weiter entlang schweifte, erkannte ich auch, warum: Da hockte ein kleiner Benedikt, die päpstliche Soutane erhoben, beim irdischsten aller Geschäfte.

Ich kaufte gleich zwei. Für mich. Meinem Vater habe ich dann doch lieber Rotwein und Turrón geschenkt.

Jens Wiesner
Kindesunterhalt für volljähriges Kind ohne Zielstrebigkeit
Mein Kind ist 19 Jahre alt und lebt im Haushalt der Mutter. Es hat im Juli 2017 seine Schule nach der 10. Klasse dann mit Hauptschulabschluss verlassen. Danach wollte es auf einer Berfsfachschule Einzelhandel seinen Realschulabschluss nachholen (2 Jahre). Es besuchte die Schule im ersten Halbjahr nicht wirklich regelmäßig und im zweiten Halbjahr dann so gut wie gar nicht mehr. (zum Ende hin, ist es gar nicht mehr zur Schule gegangen) Das notwendige zweite Jahr ging es dann gar nicht mehr an. Stattdessen hat es sich für ein freiwilliges Soziales Jahr beworben und geht hier mehr oder weniger regelmäßig hin. Nun möchte es das FSJ abbrechen und wieder seinen Realschulabschluss nachholen. Dies soll in Vollzeit an der Volkshochschule geschehen. Zwischendurch ist immer wieder die Rede von verschiedenen Ausbildungen. Ein wirkliches Konzept, oder Interesse ist aber auch hier nicht erkennbar. Mal kommt es mit dem Berufswunsch Tierarzthelfer/In, mal mit Immobilienkaufmann/-Frau, oder Ähnlichem. Informationen über freie Stellen, oder Inhalte des Berufs und der Ausbildung können nicht genannt werden. Bei laufenden Bewerbungen am Ball zu bleiben liegt ihm auch nicht wirklich. Hab die Bewerbung ja hingeschickt, damit soll es dann auch gut sein. Langsam drängt sich mir der Verdacht auf, es sucht sich den bequemsten Weg heraus und verlässt sich auf meine nicht unerheblichen Unterhaltszahlungen. Frei nach dem Motto: Was soll ich mich kümmern, Väterchen muss ja zahlen, solange ich Schule oder Ausbildung mache. Um meinem Kind Anreize zu geben, endlich Zielstrebigkeit zu entwickeln, habe ich schon über die Kürzung bzw. Einstellung des Unterhals nachgedacht. Wie verhält sich das rechtlich, bzw. was kann ich tun?