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Zimtstern-Geschichten, Teil 9: Weihnachten mit Fremdfamilie

Weihnachten fernab der Heimat, auf einer Farm mitten in der Prärie - nicht leicht für einen 16-Jährigen. Aber alles wird gut, wenn dein amerikanischer Gast-Opa dir Bier anbietet.

Von Dominik Brück

Weihnachten - Zeit der großen und kleinen Geschichten fürs Herz. Die stern.de-Redaktion teilt mit Ihnen ganz persönliche Erlebnisse rund ums Fest. Dominik Brücker erzählt von seinem amerikanischen Weihnachtsfest mit Ersatzfamilie.

Weihnachten - Zeit der großen und kleinen Geschichten fürs Herz. Die stern.de-Redaktion teilt mit Ihnen ganz persönliche Erlebnisse rund ums Fest. Dominik Brücker erzählt von seinem amerikanischen Weihnachtsfest mit Ersatzfamilie.

8000 Kilometer Luftlinie von Familie und Freunden entfernt, 10 Kilometer bis zum nächsten bewohnten Haus, dazwischen Prärie und ich zarte 16 Jahre alt - noch heute ernte ich mitleidige Blicke, wenn ich von meinem Weihnachten 2001 erzählen will. Dabei war das Fest in der Abgeschiedenheit des amerikanischen Bundesstaates Kansas eines der schönsten, an das ich mich erinnern kann.

Weihnachten mit Mom and Dad

Aber der Reihe nach: Warum war ich am Weihnachtsabend auf einer Farm mitten in den Vereinigten Staaten? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach - weil Mom und Dad dort wohnten. Mom und Dad waren in diesem Fall aber nicht meine leiblichen Eltern, sondern ein amerikanisches Ehepaar, das einem Gastschüler für ein Jahr ein Zuhause bot.

Und ich wurde schneller Teil der Familie, als ich "Pumpkin Pie" sagen konnte.

Obwohl ich keinen der vielen Omas, Opas, Tanten, Nichten oder Cousins kannte - meine Gastmutter hatte mir extra vorher ein Fotoalbum gegeben, in das sie Namenssticker geklebt hatte - wurde ich von allen begrüßt, als wäre ich der verschollene Enkel aus Deutschland. Oma umarmte mich, Opa bot mir trotz des amerikanischen Mindestalters von 21 Jahren ein Bier an - schließlich sei das ja bei den "Krauts" normal - und Gastschwester Mandy führte mich zu einem Geschenkestapel, der so hoch war wie der meiner amerikanischen Gastverwandten, die jedes Jahr aus allen Teilen des Landes zu Weihnachten zusammenkommen.

Truthahn und Cornbread statt Würstchen und Kartoffelsalat

Nicht nur die Familie wird bei den Amerikanern groß geschrieben, sondern auch das Essen. Ist es in Deutschland oft normal, am Heiligabend Würstchen mit Kartoffelsalat zu servieren, muss in den USA wie bei den Autos auch beim Menü ein paar Nummern größer gedacht werden.

So fand ich mich am Heiligabend zwischen 30 schwatzenden Verwandten an einer festlich gedeckten Tafel wieder und ließ mir von meinem Gastbruder den Teller füllen: Truthahn, Cornbread, mashed Potatoes und andere Köstlichkeiten.

Als ich satt und wunschlos glücklich in meinen Stuhl zurücksank, ereilte mich noch der Nachtisch. Obwohl mein Magen sich wehrte, konnte ich Pumpkin Pie und Erdnussbuttertorte nicht an mir vorbeigehen lassen. Bald nach dem Essen hieß es für alle Kinder - zu denen man in dieser Familie trotz Bieres auch mit 16 noch zählte - ab ins Bett. Schließlich wollten am nächsten Morgen Geschenke ausgepackt werden. Ein weiterer Unterschied zur deutschen Weihnachtstradition.

Kirche ist Pflicht

Nach einem ebenfalls üppigen Frühstück mit Pancakes, Eiern und Bacon gab es schließlich Bescherung. Ich weiß noch, wie überrascht ich war, dass meine Gasteltern mich nach wenigen Monaten schon so gut kannten.

Am Abend ging es in die Kirche. Ohne Widerrede. Die gesamte Großfamilie machte sich in das rund 20 Kilometer entfernte Gotteshaus auf. Von der langen Predigt ist mir in Erinnerung geblieben, dass sie aufgrund der Ereignisse des 11. Septembers aus einer nicht enden wollenden Aneinanderreihung patriotischer Floskeln und Gebete für tapfere US-Soldaten bestand.

Die Tradition, zu Weihnachten den Film "Ist das Leben nicht schön" zu schauen, wie es meine damalige Gastfamilie macht, setze ich bis heute fort. Und auch, wenn ich vor und nach meinem amerikanischen Weihnachten viele schöne Feiertage bei meiner deutschen Familie verbracht habe, behalte ich das Weihnachtsfest in Kansas als etwas Besonderes in Erinnerung.

Themen in diesem Artikel
Kindesunterhalt für volljähriges Kind ohne Zielstrebigkeit
Mein Kind ist 19 Jahre alt und lebt im Haushalt der Mutter. Es hat im Juli 2017 seine Schule nach der 10. Klasse dann mit Hauptschulabschluss verlassen. Danach wollte es auf einer Berfsfachschule Einzelhandel seinen Realschulabschluss nachholen (2 Jahre). Es besuchte die Schule im ersten Halbjahr nicht wirklich regelmäßig und im zweiten Halbjahr dann so gut wie gar nicht mehr. (zum Ende hin, ist es gar nicht mehr zur Schule gegangen) Das notwendige zweite Jahr ging es dann gar nicht mehr an. Stattdessen hat es sich für ein freiwilliges Soziales Jahr beworben und geht hier mehr oder weniger regelmäßig hin. Nun möchte es das FSJ abbrechen und wieder seinen Realschulabschluss nachholen. Dies soll in Vollzeit an der Volkshochschule geschehen. Zwischendurch ist immer wieder die Rede von verschiedenen Ausbildungen. Ein wirkliches Konzept, oder Interesse ist aber auch hier nicht erkennbar. Mal kommt es mit dem Berufswunsch Tierarzthelfer/In, mal mit Immobilienkaufmann/-Frau, oder Ähnlichem. Informationen über freie Stellen, oder Inhalte des Berufs und der Ausbildung können nicht genannt werden. Bei laufenden Bewerbungen am Ball zu bleiben liegt ihm auch nicht wirklich. Hab die Bewerbung ja hingeschickt, damit soll es dann auch gut sein. Langsam drängt sich mir der Verdacht auf, es sucht sich den bequemsten Weg heraus und verlässt sich auf meine nicht unerheblichen Unterhaltszahlungen. Frei nach dem Motto: Was soll ich mich kümmern, Väterchen muss ja zahlen, solange ich Schule oder Ausbildung mache. Um meinem Kind Anreize zu geben, endlich Zielstrebigkeit zu entwickeln, habe ich schon über die Kürzung bzw. Einstellung des Unterhals nachgedacht. Wie verhält sich das rechtlich, bzw. was kann ich tun?