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Anleitung zur Zivilcourage: Was Sie im Alltag gegen Rassismus tun können

Was tun, wenn jemand in Ihrem Beisein eine Frau mit Kopftuch anpöbelt? Einen Bartträger? Oder wen auch immer? Stumm danebenstehen und aufs Handy starren ist jedenfalls nicht das Richtige. Deeskalation ist gefragt. Eine Illustratorin hilft dabei.

Eine Situation, in der ein Mensch in der Öffentlichkeit angegriffen wird, hat wohl jeder schon einmal erlebt. Es ist unangenehm, man verkrampft und wünscht sich, dass es schnell vorbeigeht. Selbst als Unbeteiligter daneben. Für das Opfer ist es ungleich schlimmer. Auch das werden einige schon erlebt haben. Wie es ist, wenn niemand einschreitet, obwohl es doch mehrere Zeugen gibt, die sogar selbst mitleiden.

Dabei muss Zivilcourage gar nicht darin bestehen, körperliche Gewalt zu verhindern - oder gar selbst welche anzuwenden. Im Gegenteil. Wie Psychologen wissen, ist es bereits zielführend, sich mit Freundlichkeit einzumischen. Zur Deeskalation von Konflikten kann schon beitragen, sich einfach gegensätzlich zu verhalten. Dem Hass eines Rassisten kann man so entgegenwirken und die Situation so beruhigen. Die französische Illustratorin Marie-Shirine Yener, als Künstlerin nennt sie sich Maeril, hat diese Tipps aus der Psychologie verbildlicht, eine Anleitung zur Zivilcourage, sozusagen. Wer sie beherzigt, kann im Alltag ganz einfach deeskalieren.

"Meine muslimischen Freunde haben Angst allein"

"Ich wollte diese kleine Anleitung verbreiten, um gegen die wachsende Islamophobie in Frankreich zu kämpfen", sagte Maeril dem stern. "Mir ist aufgefallen, dass meine muslimischen Freunde inzwischen Angst haben, allein öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen; vor allem die, die sich verschleiern." Auch die Festnahmen im Rahmen des Burkini-Verbots in Frankreich seien ein Auslöser gewesen.

Zu rassistischen oder sexuellen Belästigungen auf der Straße hat die 21-Jährige Illustratorin schon mehrere Comics kreiert, die vor allem in Frankreich viral gingen. Sie selbst sei noch nicht in der Situation gewesen, einen Angriff zu beobachten; Scheu, im Alltag einem Opfer von Rassismus zu helfen, habe sie aber keineswegs. 

Ihr Leitfaden lässt sich freilich auch auf jede andere Art von Anfeindung oder Mobbing im Alltag ausweiten. 

1. Suchen Sie die Nähe des Opfers und sprechen Sie es an. Gehen Sie hin zu der Person, die beleidigt wird; setzen Sie sich dazu und sagen Sie "hallo". Bleiben Sie dabei bewusst ruhig und freundlich. Besonders wichtig: Ignorieren Sie den Angreifer komplett.


2. Fangen Sie ein Gespräch an. Das Thema ist fast egal, es sollte sich bloß keineswegs um den Angriff drehen. Der Angreifer wird einfach ausgeschlossen. Sprechen Sie doch einfach über das Wetter oder ein Utensil, das die Person bei sich trägt (ein Buch etwa, eine schicke Tasche, ...).

3. Lassen Sie sich ganz auf die Person ein. Sie allein ist Ihr Gesprächspartner/Ihre Gesprächspartnerin. Fragen Sie interessiert nach; unterhalten Sie sich - und nehmen Sie den Angreifer überhaupt nicht wahr. Wenn niemand mehr auf ihn/sie reagiert, wird er/sie schon bald weggehen.


4. Führen Sie die Unterhaltung solange fort, bis der Angreifer fort ist. Falls noch eine Notwendigkeit besteht, begleiten Sie die Person zu einem sicheren Ort. Fragen Sie nach dem Befinden - und entfernen Sie sich, wenn es gewünscht ist. Respektieren Sie, wenn die Person einfach nur allein sein möchte.

Die Werke der Künstlerin Maeril sind auf Tumblr und bei Facebook zu sehen.


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