Zurück in Augsburg Ex-Bischof Mixa ist von der Kirche enttäuscht


Der ehemalige Augsburger Bischof Walter Mixa hat in seinem Bistum neuen Wirbel ausgelöst.

Der wegen Prügelvorwürfen zurückgetretene Augsburger Bischof Walter Mixa ist einem Zeitungsbericht zufolge überraschend in das Bistum zurückgekehrt und hat damit für Unmut in der Kirche gesorgt. Mixa sei am Samstagabend wieder in seine Wohnung im Augsburger Bischofspalais gegenüber dem Dom gezogen, berichtete die "Augsburger Allgemeine" in ihrer Montagsausgabe. Sein Augsburger Rechtsanwalt sagte der Zeitung, wie lange der frühere Bischof bleiben werde, sei seine Entscheidung. "Er wohnt nach wie vor hier, zelten kann er nicht."

Ein hochrangiger Bistumsvertreter sagte der "Augsburger Allgemeinen" jedoch, Mixas Rückkehr sei in Kirchenkreisen der Stadt als ein "Akt der Anmaßung" empfunden worden. Mixa habe als zurückgetretener Bischof kein Hausrecht mehr und müsse sich zuvor eine Erlaubnis der Diözese einholen. Es sei unklar, ob dies erfolgt sei. "Er wäre besser im benachbarten Ausland geblieben", sagte ein ranghoher Geistlicher der Zeitung.

Das Bistum wies zudem Vorwürfe zurück, Mixa sei Opfer einer kircheninternen Intrige geworden. Die Behauptung, der Ex-Bischof sei zum Rücktritt gezwungen worden, "ist objektiv falsch", sagte der Augsburger Weihbischof Anton Losinger der "Augsburger Allgemeinen". Vielmehr hätten die Mitglieder der Bistumsleitung Mixa mit dem Vertrauensverlust in der Diözese und dem Anstieg der Kirchenaustritte konfrontiert. Mixa habe entgegnet: "Wenn das so ist, müsste ich ja zurücktreten." Davon habe ihm niemand abgeraten, sagte Losinger.

Fünf Wochen nach der Annahme seines Rücktrittsgesuchs durch den Vatikan hat sich Mixa enttäuscht über das Vorgehen der Kirchen-Verantwortlichen gezeigt. Er bezog sich dabei auf den gegen ihn geäußerten Missbrauchsverdacht, der sich nicht bestätigt hatte - die Staatsanwaltschaft hatte die Vorermittlungen eingestellt. Mit Blick auf das vermeintliche Missbrauchsopfer sagte Mixa der "Welt am Sonntag": "Hätte man mit dem jungen Mann gesprochen, hätte sich sofort herausgestellt, dass es kein Opfer gibt, und sich eine Anzeige ersparen können."

Mixa reagierte damit auf Recherchen des Blattes, nach denen höchste Würdenträger der Kirche maßgeblich daran beteiligt waren, dass der Geistliche zu Unrecht unter Verdacht geriet. "Diese Zusammenhänge kannte ich so noch nicht. Ich bin enttäuscht über das Verhalten der Verantwortlichen in der Kirche für diese Affäre", sagte Mixa.

Wie das Blatt unter Berufung auf Ermittlungsergebnisse berichtet, beruhte die falsche Anschuldigung gegen Mixa auf einer acht Sätze langen Notiz des Bistums Augsburg, die keinen konkreten Hinweise auf eine Straftat enthielt. Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger habe das Papier am 3. Mai dem Münchner Generalstaatsanwalt übergeben. Das angebliche Missbrauchsopfer habe erst nach Presseberichten von dem Fall erfahren und den Verdacht umgehend als unbegründet zurückgewiesen.

AFP/DPA DPA

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