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Hallig und Hofgut Deutschland hat zwei Gemeinden mit zehn Einwohnern

Hallig Gröde
Die Luftaufnahme zeigt die Hallig Gröde vor der Nordseeküste in Nordfriesland. Foto: Carsten Rehder/dpa
© dpa-infocom GmbH
Wo liegt die kleinste Gemeinde Deutschlands? Wegen des Zuzugs einer dreiköpfigen Familie kann die Nordsee-Hallig Gröde nicht mehr allein den Superlativ für sich beanspruchen.

Die beiden kleinsten Gemeinden Deutschlands liegen in Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz.

Sowohl in Gröde auf der gleichnamigen Hallig als auch in Dierfeld in der Vulkaneifel waren Ende 2019 jeweils zehn Menschen gemeldet, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.

In Gröde war das Geschlechterverhältnis mit 5 Einwohnerinnen und 5 Einwohnern ausgewogen. In Dierfeld gab es mit 7 männlichen und 3 weiblichen Bewohnern dagegen einen klaren Männerüberschuss.

Ein Jahr zuvor war Gröde die bundesweit kleinste Gemeinde mit damals noch sieben Einwohnern. Doch dieses Alleinstellungsmerkmal musste der Hallig-Ort wegen eines «Bevölkerungswachstums» von fast 42 Prozent - konkret dem Zuzug einer dreiköpfigen Familie - abgeben.

«Aktuell wohnen auf Gröde neun Menschen», berichtete Bürgermeister Jürgen Kolk am Dienstag: «Der 16-jährige Sohn der dreiköpfigen Familie wohnt derzeit auf dem Festland und absolviert dort ein Berufsorientierungsjahr, er ist aber auf Gröde weiterhin gemeldet.»

Bis 2012 gab es auf Gröde noch eine sogenannte Hallig-Schule, auf der Schüler bis zum Hauptschulabschluss bleiben konnten. «Wir haben seitdem keine Kinder mehr in dem Alter», sagte Kolk. Der Bürgermeister arbeitet beim Landesamt für Küstenschutz wie zwei weitere Bewohner der Hallig. Zwei bis drei Mal im Jahr gibt es eine Gemeindeversammlung. Jeder Bürger ist automatisch auch Gemeindevertreter - so wie es in Orten mit weniger als 70 Einwohnern in Schleswig-Holstein festgelegt ist. «Parteien spielen bei uns keine Rolle.»

Nachwuchs sei auf Gröde nicht in Sicht. «Die Eltern des 16-Jährigen sind Mitte 40 und alle anderen Bewohner älter», sagte Kolk. Sorgen mache er sich dennoch nicht. «Wenn ein Haus frei werden sollte durch Wegzug oder Tod, werden andere Menschen kommen.»

Die zweite kleinste Gemeinde Deutschlands liegt einige hundert Kilometer weiter südlich in der Vulkaneifel. Auch dort gilt: «Wenn etwas zu besprechen ist, haben wir hier sehr kurze Dienstwege», sagte der Dierfelder Ortsbürgermeister Roderich von Greve-Dierfeld.

Die Arbeit in dem Ort mit seinem großen Hofgut sei aber «dieselbe Arbeit wie sie größere Gemeinden auch haben», sagte der 39-Jährige, der seit 2019 im Amt ist. Man müsse sich auf Besprechungen vorbereiten, Haushalts- und Forstplan erstellen und mindestens zwei Mal pro Jahr zu einer Gemeinderatssitzung einladen. Zum Gut gehören 14 Hektar Gemeindewald plus 180 Hektar Privatwald.

«Wir versuchen hier, ein Paradebeispiel einer Gemeinde zu sein», sagte der Ortsbürgermeister. «Wir haben einen ausgeglichen Haushalt.» Und es gebe noch etwas Besonderes: Von zehn Einwohnern hätten sieben die polnische Staatsangehörigkeit. Alle wohnen und arbeiten auf dem Landgut.

Zahlreiche der kleinsten eigenständigen Gemeinden Deutschlands liegen in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Der Grund dafür ist, dass bei der bundesweiten Gebietsreform in diesen beiden Ländern viele kleine Ortschaften nicht eingemeindet worden sind.

Das Statistische Bundesamt gab am Dienstag auch die Gemeinden mit den meisten Bewohnern an: Spitzenreiter war erneut Berlin (3,67 Millionen), gefolgt von Hamburg (1,85 Millionen). München war nach wie vor die am dichtesten besiedelte Gemeinde Deutschlands mit 4777 Menschen je Quadratkilometer.

dpa

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