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Notwehr oder Selbstjustiz?: Hausbesitzer erschießt mutmaßlichen Einbrecher in Hamburg

Warum endete diese Tat tödlich? Ein Hamburger hat einen Mann erschossen, der offenbar in sein Haus eindringen wollte. Der mutmaßliche Einbrecher erlag seinen Verletzungen - nicht der erste Einbruch in Deutschland, der tödlich endet.

Polizeikräfte stehen vor dem Hamburger Wohnhaus, in dem zwei Einbrecher vom Hausbewohner überrascht wurden - einer der Eindringlinge wurde erschossen.

Polizeikräfte stehen vor dem Hamburger Wohnhaus, in dem zwei Einbrecher vom Hausbewohner überrascht wurden - einer der Eindringlinge wurde erschossen.

Amerikanische Verhältnisse in Deutschland? Ein Hausbewohner hat im Hamburger Stadtteil Jenfeld einen mutmaßlichen Einbrecher erschossen. Man habe die Leiche des Mannes rund 200 Meter von dem Haus entfernt nahe einer Straßenkreuzung gefunden, sagte ein Sprecher der Polizei. Nach ersten Ermittlungen der Polizei gab der 63 Jahre alte Hauseigentümer den Schuss ab, als zwei Einbrecher in der Nacht zu Mittwoch die Haustür eintraten und einer von ihnen in den Flur eindrang.

Nach dem Schuss seien die beiden Einbrecher geflüchtet, der verletzte Mann sei an einer nahen Kreuzung zusammengebrochen. Auch eine rasche notärztliche Versorgung habe ihn nicht mehr retten können. Er starb an seinen Schussverletzungen. Der zweite Mann flüchtete.

Schütze wurde festgenommen

Nach den Erkenntnissen der Ermittler hatten die beiden Männer schon vor dem tödlichen Zwischenfall unter einem Vorwand an der Haustür des Einfamilienhauses geklingelt, waren dann aber wieder gegangen. Etwa 15 Minuten später - kurz vor 23 Uhr - klingelte das Duo erneut. Als der 63-Jährige wieder die Tür öffnete, war diese noch mit einem Riegel gesichert. Die Täter traten nun die Tür ein. Einer von ihnen drang nach Angaben der Polizei in den Wohnungsflur, woraufhin der Bewohner einen Schuss abgab. Der Schütze lebt nach Angaben von Nachbarn allein mit seinem hochbetagten pflegebedürftigen Vater in dem Haus. Vor etwa einem halben Jahr sei bei den beiden bereits eingebrochen und eine größere Geldsumme gestohlen worden. 

Der überfallene 63-Jährige hatte die Polizei selbst über den Notruf verständigt. Er wurde vorläufig festgenommen. Die Staatsanwaltschaft sah keine Voraussetzung, einen Haftbefehl zu beantragen. Der Mann sollte nach Vernehmung und erkennungsdienstlicher Behandlung wieder auf freien Fuß gesetzt werden.

Immer wieder Fälle von Selbstjustiz

Für die Bestrafung von Verbrechen sind in Deutschland die Gerichte zuständig - doch immer wieder wählen Menschen den Weg der Selbstjustiz. In den vergangenen Jahren sorgten vor allem Fälle aus den USA für Aufsehen, auch in Deutschland greifen Bürger zuweilen selbst zur Waffe. Erst vor zwei Wochen hat sich ein ähnlicher Fall in Hannover ereignet. Dort feuerte ein 40-jähriger Werkstattbesitzer auf einen mutmaßlichen Einbrecher, der versucht haben soll, sich mit zwei Komplizen Zutritt zu verschaffen. Einer der drei Männer soll nach Angaben der Polizei bewaffnet gewesen sein. Der 18-Jährige erlag wenig später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Wie Spiegel Online berichtet, sitzt der Werkstattbesitzer in Untersuchungshaft. Er hatte zwar beteuert, aus Notwehr gehandelt zu haben, doch die Ermittler glauben ihm offenbar nicht: Dem Bericht zufolge werfe die Staatsanwaltschaft dem Mann vor, gezielt auf die Einbrecher geschossen zu haben - obwohl sie bereits auf der Flucht waren. Der tödliche Schuss habe den 18-Jährigen von hinten getroffen.

Im Oktober vergangenen Jahres hat ein Rentner im niedersächsischen Sittensen einem Jugendlichen in den Rücken geschossen, weil dieser in sein Haus eingedrungen war. Im November wurde der Rentner laut Spiegel Online zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Im baden-württembergischen Neuenburg sollen Angehörige eines Vergewaltigungsopfers letzten Sommer den mutmaßlichen Peiniger der Frau zu Tode geprügelt haben.

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Zahl der Einbrüche in Deutschland auf Rekordniveau

Die Polizei hat 2014 mehr als 150.000 Einbruchsfälle registriert - der höchste Stand der letzten 16 Jahre. Das geht aus der bundesweiten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für 2014 hervor, die im Mai veröffentlicht wurde. In der Städterangliste liegt Bonn dem Bericht zufolge auf dem ersten Platz mit 563,8 Einbrüchen pro 100.000 Einwohner. Es folgen Aachen und Köln. Die sicherste Stadt ist Augsburg mit lediglich 53,9 Einbrüchen je 100.000 Einwohner. Die Kosten für Einbruchschäden belaufen sich laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf rund 480 Millionen Euro.

las/DPA
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