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Hochzeit nach schwerem Verkehrsunfall: Die Geschichte einer wahren Liebe

Ian und Larissa sind 21, als sie sich verlieben. Ihr Glück hält zehn Monate, denn Ian wird nach einem Unfall zum Pflegefall. Larissa hält tapfer zu ihm. Die Geschichte eines Paares, das nie aufgab.

Von Christoph Fröhlich

Ian ist 21, ein sportlicher junger Mann mit schulterlangen Haaren und braunen Augen, als er an der Uni seine große Liebe trifft: Larissa ist wie er streng gläubige Christin und hat ein umwerfendes Lächeln. Beide gehen ein paar Mal miteinander aus, sie lernen sich kennen und verlieben sich schließlich ineinander. Das Glück scheint perfekt. Ian ist sich nach wenigen Monaten sicher: Diese Frau will ich heiraten. Alles, was er dazu braucht, ist ein Ring. Um den bezahlen zu können, nimmt er einen Job in der Nähe vom mehrere Kilometer entfernten Pittsburgh an. Der Plan steht: Das Paar wird noch ein Jahr aufs College gehen, dann wollen sich beide das Ja-Wort geben.

Zehn Monate hält das junge Glück. Bis zum 30. September 2006: An jenem Samstag fährt Ian mit dem Auto zur Arbeit, Larissa wartet zu Hause auf ihn. "Dann haben wir einen Anruf bekommen, dass er einen Unfall hatte", sagt Larissa in der knapp achtminütigen Dokumentation "Story of Ian & Larissa Murphy". "Wir haben nicht gewusst, ob Ian schon auf der Arbeit war oder noch auf dem Weg dahin. Also sind wir nach Pittsburgh gefahren und ich habe die ganze Zeit im Auto gebetet, dass mit ihm alles in Ordnung ist." Nach einigen Stunden hat sie die Gewissheit: Ian hat überlebt, doch er wurde schwer verletzt und am Gehirn operiert. Der Zustand ist kritisch, in einer Nacht versagt Ians Gehirn bei vier von fünf Tests. Bald ist klar: Er wird sich nie wieder vollständig von den Folgen des Unfalls erholen und immer auf Larissa angewiesen sein.

Der nächste Schicksalsschlag wartet

Ian findet nur langsam wieder in den Alltag zurück. Er kann sich weder alleine anziehen noch essen. Er braucht einen Rollstuhl und kann nur mit Mühe sprechen, meist ist er nur sehr schwer zu verstehen. Doch Larissa ist froh, dass er überlebt hat - und sie will ihn nicht verlassen. "Ich wusste, dass Ian vor seinem Unfall vorhatte, mir einen Heiratsantrag zu machen. Er war sogar schon auf der Suche nach einem Ring. Ich wusste also ganz genau, wie er zu der Sache stand und das hat mir unendlich viel geholfen, nachdem er nicht mehr reden konnte."

Nach dem Unfall zieht Larissa bei Ians Familie ein, um ihm jeden Tag beistehen zu können. "Ich habe alles gemacht, was ich konnte, damit sein Leben Spaß macht", sagt Larissa. "Wir sind auch zusammen ausgegangen. Rückblickend war das ziemlich verrückt, denn Ian konnte nicht sprechen und deshalb habe ich die ganze Zeit geredet. Wir sahen wie totale Freaks aus. Aber es hat uns viel Spaß gemacht."

Ians Zustand bessert sich allmählich, doch da trifft das Paar der nächste Schicksalsschlag: Bei Ians Vater wird ein Hirntumor diagnostiziert, die Ärzte können nichts tun. Der Vater hat nur einen Wunsch: Sein Sohn soll glücklich werden, er möchte, dass Larissa ihn heiratet oder die Beziehung beendet. "Er wollte eine Entscheidung von uns, die unsere Leben in irgendeine Richtung bewegen würde", sagt Larissa. Sie beschließen zu heiraten, doch Ians Vater stirbt, bevor er die Verlobung miterleben kann. "Das war erst recht ein Grund, ihn zu heiraten."

Als es Ian wieder besser geht, bringt Larissa ihren Verlobten zu einer Richterin, die ihre Heiratsabsichten absegnet, da Ian allein nicht entscheidungsfähig ist. Laut Larissa sagte die Richterin: "Ihr zwei steht für all das, was Liebe ausmacht. Ich glaube, dass die Hochzeit nicht nur euch beide voranbringt, sondern auch unsere gesamte Gesellschaft. Ich hoffe, dass jeder Mensch in dieser Stadt eure Liebe füreinander sehen kann."

Traumhochzeit im Sitzen

Die Hochzeit der beiden ist wunderschön: Es ist ein sonniger Augusttag im Grünen, die ganze Familie und viele Freunde kommen zusammen, um das junge Paar zu feiern. Eine Band spielt, Mädchen laufen umher. Zu Beginn der Zeremonie schreitet Larissa im weißen Kleid und mit violettem Brautstrauß zum Altar, wo Ian bereits im Jackett auf sie wartet. Larissa setzt sich bei der Trauung neben Ians Rollstuhl, sie gehen den Bund fürs Leben auf Augenhöhe ein.

Die Hochzeit ist nun drei Jahre her. Seitdem muss Larissa den Haushalt führen und das Geld verdienen. Sie weiß: Das Leben, das die beiden sich einst erträumt haben, werden sie nie führen. "Wir haben gesehen, wie unsere Freunde heiraten und sie angefangen haben Kinder zu kriegen, und das ist eine Herausforderung für uns", sagt Larissa in der Dokumentation über das Leben der beiden. "Aber wir haben versucht, die Hoffnung nicht zu verlieren, dass es eines Tages auch uns so gehen wird."

Eine Kiste voller Erinnerungen

Larissa ist glücklich mit ihrem Leben. Ab und zu denkt sie zurück an die ersten Monate mit Ian auf dem College. "Wir hatten einen Mordsspaß, uns gegenseitig kennenzulernen", sagt Larissa in dem Video und lacht. Alles, was aus dieser Zeit geblieben ist, sind Erinnerungen und eine kleine Holzkiste voller Fotos. Ein Bild zeigt Ian mit langem Haar und einem Dreitagebart. Das Foto ist direkt vor seinem Unfall entstanden. "Er hat seine Kamera auf sein Dreibein-Stativ gesetzt und losgeknipst. Das ist so ein typisches Ian-Gesicht, das für mich zusammenfasst, wer er ist", sagt Larissa.

Sie klingt etwas wehmütig, doch sie ist froh, mit der Liebe ihres Lebens verheiratet zu sein, sagt sie der britischen Zeitung "Daily Mail": "Ich glaube, was uns geholfen hat, dieses Versprechen füreinander zu machen - wenigstens für mich - ist die Gewissheit, dass Ian mich nicht verlassen hätte, wenn ich jetzt in seiner Lage gewesen wäre und er in meiner. Wir haben uns für die Ehe entschieden, aber es war eine traurige Entscheidung. Und doch fiel sie uns leicht: Denn wir lieben einander.“

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