VG-Wort Pixel

Holocaust-Gedenken im Bundestag "Judenhass ist längst wieder salonfähig" – Knobloch mahnt zum Kampf gegen Antisemitismus

Sehen Sie im Video: Charlotte Knobloch kritisiert im Bundestag, dass Antisemitismus wieder salonfähig sei.




Charlotte Knobloch, Holocaust-Überlebende, sagt bei Gedenkstunde für die Opfer des Holocaust im Bundestag am 27. Januar 2021: "Lassen Sie es mir hier klar sagen: Wer Corona-Maßnahmen mit der nationalsozialistischen Judenpolitik vergleicht, verharmlost den antisemitischen Staatsterror und die Shoah. Nicht einen Tag dürfen wir vergessen, wie zerbrechlich die kostbaren Errungenschaften der letzten 76 Jahre sind. Ich muss Ihnen nicht die Chronologie antisemitischer Vorfälle in unserem Land darlegen. Sie erfolgen offen, ungeniert, beinahe täglich. Verschwörungsmythen erfahren immer mehr Zuspruch. Judenfeindliches Denken und Reden bringt wieder Stimmen, ist wieder salonfähig. Von der Schule bis zur Corona-Demo und natürlich im Internet, dem Durchlauferhitzer für Hass und Hetze aller Art. Gemeindemitglieder, Freunde und Bekannte denken laut nach, doch noch auszuwandern. Der starke Rückhalt aus der Politik ist wichtig. Großer Dank gilt auch den Sicherheitskräften, die die jüdische Gemeinschaft und ihre Einrichtungen schützen. Aber es klafft eine Lücke zwischen politischer Raison und gesellschaftlicher Realität. Zumal einige nicht zur schmerzlichen Analysen bereit sind. Zweifellos die größte Gefahr für alle in unserem Land war und ist der Rechtsextremismus. Und natürlich ist radikal rechtes Gedankengut ein wesentlicher Träger des Judenhasses. Ich wünsche mir, dass eine Kippa nicht bedeckt werden muss, dass eine Halskette mit David Stern so gefahrlos getragen werden kann wie ein Anhänger mit Kreuz und ein Maccabi-Trikot wie ein FC Bayern-Shirt. Ich bin stolz auf unsere Demokratie, auch wenn ich mir sie, das ist kein Geheimnis, wehrhafter wünsche. Die Feinde der Demokratie sind stärker als viele glauben. Ich bitte Sie, passen Sie auf auf unser Land. Diese Worte richte ich explizit nicht an die ganz rechte Seite des Plenums. Ich kann nicht so tun, als kümmerte es mich nicht, dass Sie hier sitzen. Ich spreche Sie nicht pauschal an. Vielleicht ist die eine oder der andere noch bereit zu erkennen, an welche Tradition da angeknüpft wird. Zu den übrigen in ihrer Bewegung. Sie werden weiter für ihr Deutschland kämpfen und wir werden weiter für unser Deutschland kämpfen."
Mehr
Die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch hat im Bundestag vor heutigen Rechtsextremisten gewarnt. Aber auch andere Entwicklungen bereiten ihr Sorge.

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker