Der Investigativ-Blog 4. Gewalt siegt vor Gericht vs. FIFA

Der Investigativ-Blog: 4. Gewalt siegt vor Gericht vs. FIFA

Meist ist es andersherum: Journalisten werden für ihre Enthüllungen vor Gericht gezerrt. Ich weiß, wovon ich rede. In der Schweiz haben Kollegen den Spieß umgedreht und die FIFA in die Knie gezwungen. Bravo!

Journalisten, die sich schon lange mit der FIFA beschäftigen, bezeichnen die Organisation als Mafia. Mit Recherche allein beißen sie sich seit Jahren die Zähne aus. Den Paten zur Rechenschaft zu ziehen – offensichtlich unmöglich. Dass ein Schweizer Gericht nun den Journalisten zu Hilfe kommt und Informationen über das Innerste der FIFA preisgibt, ist ein Durchbruch, der Hoffnung macht.

Es geht um Schmiergeldzahlungen an Funktionäre des Fußballweltverbandes (FIFA). Für die Fernsehrechte an der Fußball-WM hatte die Marketingagentur International Sport and Leisure (ISL) im Zeitraum von 1989 bis 2001 hochrangige FIFA-Funktionäre bestochen. Insgesamt zahlte die ISL fast 160 Millionen Schweizer Franken als „Provision“ an Sportfunktionäre wie den ehemaligen FIFA-Präsident João Havelange und seinen früheren Schwiegersohn Ricardo Teixeira, bis vor kurzem Mitglied der mächtigen FIFA-Exekutive. Joseph „Sepp“ Blatter, seit 14 Jahren FIFA-Präsident, wusste davon – und schwieg. Erfolgreich ließ er sogar teure Anwälte gegen Journalisten vorgehen, die über die Machenschaften der FIFA berichteten.

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Als 2001 nach dem Konkurs der ISL die Schmiergeldzahlung irgendwann ruchbar wurde, fing ein Schweizer Staatsanwalt an, wegen „ungetreuer Geschäftsbesorgung“ und „Untreue“ zu ermitteln. Aber die FIFA hat dieses Verfahren auf ihre Weise erledigt – mit Geld. Die FIFA, wie auch ihre Funktionäre Havelange und Teixeira, zahlten 5,5 Millionen Franken „Wiedergutmachung“. Im Mai 2010 wurde das Verfahren eingestellt.

Wächterfunktion nachgekommen

„Störend an der Sache war, dass die Korruptionsvorwürfe still und leise und unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit einem Vergleich aus der Welt geschafft werden sollten“, sagt mein Schweizer Kollege Martin Stoll von der Sonntagszeitung. Martin Stoll, Jean-François Tanda von der Handelszeitung, Dominique Strebel vom Beobachter, Renato Beck von der Tageswoche sowie Oliver James von der britischen BBC beantragten Akteneinsicht.

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Dies wiederum versuchten die FIFA-Funktionäre mit teuren Anwälten zu verhindern – zunächst mit Erfolg. Der Streit ging durch alle Instanzen. Aber nun hat das Schweizer Bundesgericht die Beschwerde der FIFA-Funktionäre abgeschmettert. "Die Einsicht von Journalisten in die Einstellungsverfügung“ ermögliche „den Medien, ihrer Wächterfunktion gegenüber staatlichen Behörden nachzukommen“, teilte das Bundesgericht mit. Die Einstellungsverfügung wurde nun freigegeben. „Es wäre fatal gewesen, hätte die Justiz hier nicht für Transparenz gesorgt“, schreibt mir Martin Stoll, einer der besten investigativen Journalisten der Schweiz.

Dank und Kompliment an ihn und die Kollegen, die das geschafft haben. Die 4. Gewalt siegt vor Gericht.

Klicken Sie auf die Bilder und lesen Sie in den Originaldokumenten, wie FIFA-Funktionäre sich haben schmieren lassen und warum sich die Schweizer Behörden auf die Seite der Journalisten stellten.

von: Oliver Schröm

Foto: Reuters/Michael Buholzer



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