Der Investigativ-Blog Sieg vor Gericht – 3:0 für stern-Recherchen

Der Investigativ-Blog: Sieg vor Gericht – 3:0 für stern-Recherchen

Gestern musste ich mal wieder vor Gericht antreten, heute ließen wir deswegen die Korken knallen.

Eineinhalb Jahre lang zerrten mich ein UEFA-Manager und sein Handlanger vor diverse Gerichte. In unserer stern-Geschichte „Der UEFA-Skandal“ hatten wir im September 2010 enthüllt, wie der europäische Fußballverband von einem Betrüger und Wettmafioso unterwandert worden war. UEFA-Disziplinarchef Peter Limacher hatte dem Hochstapler Robin Boksic vertraut und gegen den FC Bayern München ermittelt, weil der Rekordmeister angeblich für 40 Millionen Euro ein Europapokalspiel verschoben hatte. Humbug, wie wir herausfanden und veröffentlichten.

Die Folge: Robin Boksic ging juristisch gegen uns vor – und kassierte eine schallende Ohrfeige vor Gericht. Die Hamburger Pressekammer attestierte uns saubere Arbeit, wir durften Boksic weiterhin nennen, was er ist: Betrüger, Zocker, Hochstapler und Wettgauner – und noch einiges mehr. Allein an diesen Gerichtskosten hat der Kerl heute noch zu knabbern.

Parallel dazu mussten sich Boksic und Limacher vor einem Strafgericht verantworten, der FC Bayern hatte sie aufgrund unserer Artikel angezeigt. Ich trat als Zeuge an und wurde von den Verteidigern der beiden Angeklagten vier Stunden lang ins Kreuzverhör genommen. Wie in einer schlechten Vorabendserie versuchten sie mich in Widersprüche zu verwickeln – erfolglos. Wegen übler Nachrede verurteilte das Gericht Peter Limacher zu einer saftigen Geldstrafe, Boksic kassierte sogar wegen Verleumdung eine Vorstrafe. Beide haben dagegen Rechtsmittel eingelegt – ebenso wie der Staatsanwalt: Der hatte nämlich eine sechsmonatige Freiheitsstrafe für Boksic gefordert.

Finale Niederlage

Der FC Bayern hatte es nicht nehmen lassen, auch zivilrechtlich gegen die beiden vorzugehen. Das Finale fand gestern in München statt, vor dem Landgericht I. Drei stern-Kollegen und ich hatten dafür echte Logenplätze bekommen, wir sollten auf der Zeugenbank Platz nehmen.

Der Investigativ-Blog: Peter Limacher
Peter Limacher

Aber daraus wurde nix. Der FC Bayern gewann diesmal klar und deutlich – und zwar schon vor dem Anpfiff. Die Richterin legte den Parteien nahe, sich zu einigen – und zwar bei einem Streitwert von 450.000 Euro. Begründung: Die Zeugen würden bestimmt dasselbe aussagen wie im Strafprozess – und da sei es ja schließlich zu einer Verurteilung von Boksic und Limacher gekommen.

Die Verteidiger der beiden verstanden den Wink mit dem Zaunpfahl. Ihre Mandaten willigten ein, den Großteil der Gerichtskosten zu übernehmen und erklärten öffentlich, unter anderem nie wieder zu behaupten,

  • der FC Bayern habe das UEFA-Cup-Halbfinalrückspiel zwischen Zenit St. Petersburg und FC Bayern München im Mai 2008 "verkauft"
  • russische Mafiosi hätten Millionen dafür bezahlt, Belege über den Eingang achtstelliger Beträge auf einem Konto des FC Bayern München lägen vor
  • eine Staatsanwaltschaft ermittle in der Sache
  • es habe Hausdurchsuchungen bei Bayern-Präsident Uli Hoeneß, Finanzvorstand Karl Hopfner und einem Spieler gegeben
  • in der Wohnung eines Spielers habe man Kokain und eine Million US-Dollar gefunden, auch dafür gebe es Belege.

Nach eineinhalb Jahren Rechtsstreitereien ist das Ergebnis eindeutig:

stern vs. Boksic/Limacher 3:0

von: Oliver Schröm

Foto: Denis Balibouse/REUTERS



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