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Japan: Ein Vater wollte seinen Sohn mit Messern zum Lernen treiben - am Ende war der Zwölfjährige tot

Mit Messern soll ein 51-jähriger Japaner seinen Sohn diszipliniert haben. Damit sollte der Zwölfjährige zum Lernen angetrieben werden und dem Vater gehorchen. Irgendwann wird der Junge getötet. Nun drohen dem Vater 16 Jahre Haft.

23. August 2016: Polizisten durchsuchen die Wohnung, in der die Familie gelebt hatte

23. August 2016: Polizisten durchsuchen die Wohnung in Nagoya, in der die Familie gelebt hatte

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Vor dem Bezirksgericht im japanischen Nagoya wird ein Fall verhandelt, der sprachlos macht. Ein 51 Jahre alter Familienvater wird beschuldigt, seinen Sohn mit einem Messer getötet zu haben, weil dieser nicht habe lernen wollen, so der "Tokyo Reporter" und die "Deutsche Welle". Der Zwölfjährige starb im August 2016 an einem massiven Blutverlust durch den Messerstich in seiner Brust. Der Vater habe angegeben, dass er seinen Sohn "aus Versehen" erstochen habe, so Medienberichte. Nun drohen dem Vater bis zu 16 Jahre Gefängnis.

Rückblick: Der Vater lebte mit seinem Sohn in einer Wohnung in Nagoya, Japans viertgrößter Stadt. Laut der Zeitung "Asahi Shimbun" soll sich der Zwölfjährige auf eine Aufnahmeprüfung für eine Privatschule vorbereitet haben. Laut dem Zeitungsbericht soll der Vater seinen Sohn geschlagen haben, wenn dieser seine Schulaufgaben nicht verstanden habe. Der Vater habe auf diese Weise versucht seinen Sohn zu Gehorsam zu bringen und beim Lernen zu "helfen".

Mit Messern zum Gehorsam

Später soll es sich weiter zugespitzt haben: So drohte der Vater dem Jungen mit Messern. "Ich erkannte, dass mein Sohn Angst davor hatte", sagte der Angeklagte bei einer Sitzung des Gerichts laut der "Asahi Shimbun". So habe der Junge, der manchmal "rebellisch" gewesen sein soll, sofort gehorcht, wenn der Vater ein Messer auf ihn richtete. "Mein Sohn hat sich so benommen, wie ich es ihm gesagt habe", wenn er mit einem Messer bedroht wurde, so der Vater vor Gericht. "Ich brauchte ihn nicht anschreien, ihn zu schlagen oder wütend auf ihn zu werden", sagte er laut "Asahi Shimbun" weiter aus.

Am 21. August 2016 wurden die Drohungen mit dem Messer zu einem tödlichen Verhängnis. Der Vorfall soll sich laut dem Bericht der "Asahi Shimbun" zu einer Zeit ereignet haben, als der Vater dem Sohn half, sich auf die Prüfung vorzubereiten, die ihn auf eine exklusive Mittelschule bringen sollte, die er selbst und sein eigener Vater besucht hatten. Der Sohn hätte nach Angaben des Blattes schon früh den Wunsch geäußert, auf diese Schule zu gehen, doch die Prüfungen für die Schule wurden immer schwerer.

Messerstich tötet Sohn

Am Morgen dieses Augusttages soll der Sohn erst nach halb acht aufgewacht sein – später als er versprochen habe. Später soll sein Vater dann in Rage geraten sein, als der Zwölfjährige sein Frühstück nicht schnell genug aufgegessen habe. "In Ordnung, genug ist genug", soll der Vater dann geschrien haben. Daraufhin soll der Junge etwas gemurmelt haben. Auf die Frage, was er gesagt hätte, soll der Schüler dann "Nichts" geantwortet haben, so der Bericht der "Asahi Shimbun".

Da der Vater geglaubt habe, dass sein Sohn trotzig sei, soll er wieder zu einem Messer gegriffen haben. Er soll sich – so der Bericht – dann hinter seinen Sohn gestellt haben und ihm das Messer an die Brust gehalten haben, um sicherzustellen, dass sich das Kind benahm. Weil er seinen Sohn nicht weinen hören wollte, habe er ihm den Mund mit der Hand zugehalten. Dies sei alles gewesen, woran sich der angeklagte Vater erinnern könne.

Als er in die Küche gegangen sei, um sich den Speichel seinen Sohnes von der Hand zu Waschen, hörte er seinen Sohn "Papa" sagen: "Als ich mich in die Richtung umdrehte, von der die Stimme kam, sah ich eine menschenähnliche Silhouette, aus der etwas Dunkles sprudelte", sagte der Vater vor Gericht, wie die "Asahi Shimbun" schreibt.

"Missbrauch im Namen der Erziehung"

Wie die Zeitung weiter berichtet, argumentierten die Staatsanwälte in der Gerichtsverhandlung, der Angeklagte habe seinen Sohn durch Terror und Gewalt kontrolliert, während er ihm beim Lernen für die Prüfung half. Der Tod des Jungen sei "auf seine egoistische Handlung zurückzuführen, die an Missbrauch im Namen der Erziehung grenzt", so die Anwälte weiter. Daher fordern sie eine Haftstrafe von 16 Jahren.

Die Verteidigung habe hingegen argumentiert, dass ihr Mandant nicht die Absicht hatte seinen Sohn zu töten und dass es sich um eine Verletzung mit Todesfolge handeln würde.

Auch der angeklagte Vater soll in seinem Leben eine ähnlich strenge Erziehung erlebt haben, so der Zeitungsbericht der "Asahi Shimbun". So sei er als Kind gezwungen worden, Baseball-Spielen aufzugeben. Vor Gericht habe der Vater des Angeklagten bestätigt, dass er seinen Sohn streng diszipliniert habe. "Ich glaube, ich habe ihn genau so streng diszipliniert, wie ich es wurde", sagte er vor Gericht.

Frau wollte Mann mit dem Sohn verlassen

Die Frau des Angeklagten sagte vor Gericht aus, dass sie kein Mitspracherecht bei der "Disziplinierung" ihres Sohnes gehabt habe, da sie laut ihres Mannes nicht die "Notwendigkeit" dazu verstanden habe. Sie hätte keine Aufnahmeprüfung für eine Privatschule absolviert und durfte auch nicht das Zimmer betreten, in dem Vater und Sohn gelernt hatten. Sie soll gelegentlich gehört haben, wie ihr Mann das Kind mit "du Idiot" angeschrien habe. Sie sagte vor Gericht aus: "Der Missbrauch unseres Sohnes (…) im Namen der Erziehung war Routine."

Sie hätte versucht ihren Sohn zu überreden, seinen Vater gemeinsam zu verlassen. Der Zwölfjährige habe jedoch abgelehnt, da er nicht gewollt habe, dass seine Eltern sich trennten.

Die Aufnahmeprüfungen für Privatschulen in Japan sind sehr hart und ein intensiver Wettbewerb. Dies führe dazu, dass Eltern ihre Kinder immer mehr dazu drängen härter für die Prüfungen zu lernen, berichtet die "Deutsche Welle".

Quellen: "Asahi Shimbun", "Tokyo Reporter", "Deutsche Welle", "Time"

rw
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