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Gelände eines ehemaligen Internats 160 weitere Gräber indigener Kinder in Kanada entdeckt – Trudeau will "die Wahrheit ans Licht bringen"

Justin Trudeau – Kanada – Indigene Kinder – Internat
Justin Trudeau, Premierminister von Kanada, legt einen Teddybär auf dem Gelände einer ehemaligen Internatsschule in Cowessess nieder. Im vergangenen Monat wurden hier mit Hilfe eines Bodenradars 751 Gräber indigener Kinder entdeckt. 
© Liam Richards / AP / The Canadian Press / DPA
Die traurigen Funde in Kanada mehren sich: Erneut wurden dutzende anonyme Gräber auf dem Gelände eines ehemaligen Internats für Kinder von Ureinwohnern gefunden. Kanadas Regierungschef Justin Trudeau zeigt sich erschüttert.

In Kanada sind erneut dutzende anonyme Gräber auf dem Gelände eines ehemaligen Internats für Kinder von Ureinwohnern gefunden worden. Mehr als 160 Gräber seien auf dem früheren Schulgelände auf der Kuper-Insel entdeckt worden, erklärte der Chef des Stammes der Penelakut, Joan Brown. In dem Internat auf der Insel westlich von Vancouver waren vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 1975 Kinder von Ureinwohnern unterrichtet worden.

"Es bricht mir das Herz", sagte Kanadas Regierungschef Justin Trudeau nach Bekanntwerden des Fundes am Dienstag. "Wir können diejenigen, die umgekommen sind, nicht zurückbringen, aber wir können und werden die Wahrheit ans Licht bringen und weiterhin mit den indigenen Gemeinschaften zusammenarbeiten, um die Diskriminierung und strukturellen Rassismus zu bekämpfen."

Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft

In den vergangenen Wochen waren in Kanada mehr als Tausend anonyme Massengräber indigener Kinder nahe vier verschiedenen Internaten entdeckt worden. Die Funde sorgten landesweit für Entsetzen.

In Kanada waren seit 1874 rund 150.000 Kinder von Ureinwohnern und gemischten Paaren von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen. Viele von ihnen wurden in den Heimen misshandelt oder sexuell missbraucht. Nach bisherigen Angaben starben mindestens 4000 dieser Kinder, viele von ihnen an Tuberkulose. Die letzten dieser Schulen schlossen erst in den 90er Jahren.

sve AFP

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