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Winnemuth: Um es kurz zu machen: Thema Emojis – sprechen Sie Digitalisch?

Mag ja sein, dass hinter jedem einzelnen Emoji irgendein kluger Gedanke steckt. Leider erschließt sich oftmals nicht, welcher.

Emojis: Welcher Gedanke steckt denn da nur dahinter?

Meike Winnemuth macht sich Gedanken über den tieferen Sinn von Emojis

Bekanntermaßen bin ich ja ganz vorn dran, was moderne Kommunikation angeht. Bloggen, Facebook, Instagram habe ich persönlich erfunden, es erinnert sich nur keiner mehr dran. Und das ist auch besser so. Denn in Wirklichkeit habe ich keinen Schimmer, was ich da eigentlich tue.

In einer Whatsapp-Nachricht an eine Freundin habe ich gerade ein Emoji mit unterschiedlich großen verdrehten Augen und rausgestreckter Zunge verwendet und im Moment des Abschickens überlegt: War das jetzt eine korrekte Anwendung dieses Emojis? Was bedeutet es eigentlich? Ich bin verrückt? Du bist verrückt? Die Welt ist verrückt? Das Leben als solches? Und worin genau besteht noch mal der Unterschied zwischen dem Zungenrausstreck-Emoji mit verdrehten Augen und dem Zungenrausstreck-Emoji mit zwinkernden Augen und dem Zungenrausstreck-Emoji mit zusammengekniffenen Augen?

Emojis lassen oft viel Interpretationsspielraum

Ich stelle fest: Ich spreche nur gebrochen Digitalisch. Ich radebreche mich durch das 21. Jahrhundert, emojimäßig bin ich noch auf dem Level Doppelpunkt-Strich-Klammer: Grundschule, erste Stunde. Eigentlich brauchte ich einen Emoji-Langenscheidt Digitalisch-Deutsch/ Deutsch-Digitalisch oder wenigstens ein paar Stunden Nachhilfeunterricht.

Die bringen nur nicht viel, weil Emoji-Sprech mindestens so viel Interpretationsspielraum und damit Möglichkeiten für Missverständnisse bietet wie Buchstaben-Sprech. Dasselbe Zeichen, dasselbe Wort kann in unterschiedlichen Kontexten mal dies, mal jenes bedeuten und trifft zudem auf unterschiedliche Augen und Ohren, die mal dies, mal jenes darunter verstehen. Vielleicht hat man sich mal eingebildet, mit den Emojis eine globale, universal verständliche Sprache zu entwickeln, ein gezeichnetes Esperanto, aber längst hat sich die Kritzelei verselbstständigt.

Rund 3000 Zeichen gibt es inzwischen, jährlich kommen etwa 100 hinzu, beschlossen und verkündet vom Unicode-Konsortium, einem Zusammenschluss der großen Softwareentwickler. Bei deren Sitzungen wäre ich gern mal dabei, weil ich zu gern wüsste, was die dabei rauchen. Gerade habe ich mich durch die offiziellen Listen des Unicode-Konsortiums gescrollt, um ein bisschen Vokabeltraining zu betreiben, und fühle mich jetzt noch dümmer als ohnehin schon. Der berüchtigte lachende Kackhaufen etwa (der mir natürlich nie über die Tastatur käme) steht für Glück, weil sich in Japan die Schriftzeichen für Glück und Kacke ähneln. Rätselhaftes Japan! Aber warum sollte der Rest der Welt sich diesen Zufall zu eigen machen? Der wutschnaubende Smiley, dem zwei Dampfwölkchen aus der Nase stieben, bedeutet nicht Zorn, sondern Triumph. Ebenfalls Japan, ebenfalls mystifizierend.

Viel Inhalt auf zu wenigen Pixeln

Die Hand, bei der kleiner Finger, Zeigefinger und Daumen ausgestreckt sind, ist nicht der klassische Pommesgabel/Rock'n'Roll-Gruß, sondern stammt aus der Gebärdensprache und bedeutet "Ich liebe dich".

Und so geht es weiter, endlos weiter: Die Frau, die ihre Hand waagerecht mit der Innenseite nach oben neben sich hält, als ob sie ein unsichtbares Kellnertablett trüge oder signalisieren wolle, dass sie leider ebenfalls keine Ahnung hat, was sie bedeuten soll, heißt offiziell "Information Desk Person", soll also auf einen Service hinweisen. Die Frau, die die Arme über dem Kopf zusammenschlägt, bedeutet "Alles in Ordnung" . (Sie bildet ein O mit den Armen, deshalb. O für Okay. Ja, Herrgott noch mal!)

Ist klar, oder? Man hat keine Chance, das Zeug richtig zu verwenden oder richtig zu verstehen. Ist also egal, was man nimmt, und deshalb bleibt mir nur noch zu sagen: ლ( ̅°̅ ੪ ̅°̅ )ლ ᕦ( ▨̅ ͜▨̅ )ᕥ ( ဓ д ဓ )ၛ (X ౪ X ) (ၴ෴ၴ) 

Da sind wir uns einig, nicht?

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