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Peng!-Kollektiv: Warum Berliner Aktivisten die Bundeswehr blamieren

Die Polit-Aktivisten des Berliner Peng!-Kollektivs haben mit ihrer Gegenkampagne zur Werbung der Bundeswehr für Aufsehen gesorgt. Es ist nicht die erste Aktion der Gruppe, die damit bewusst zivilen Ungehorsam üben möchte. 

Von Erik Häußler

Zitat der Fake-Homepage: "Du glaubst es ist cool, Soldat/in zu sein?"

Mit Aktionen wie diesen üben die Berliner Aktivisten ihre Art des zivilen Ungehorsam.

Die Bundeswehr plagen seit der Aussetzung der Wehrpflicht Nachwuchssorgen. Mit einer großen Werbekampagne sollten neue Kräfte geworben werden. Die Armee will sich unter dem Slogan "Mach, was wirklich zählt" als moderner, hipper Arbeitgeber präsentieren. Jobs mit Zukunft, ein verantwortungsvoller Arbeitsplatz für Staat und Gesellschaft, so sieht sich die Bundeswehr. Vielmehr ein Sammelbecken für rechtes Gedankengut und Sexismus sehen die Polit-Aktivisten des Berliner Peng!-Kollektivs in der deutschen Armee. Gegen die Werbekampagne der Bundeswehr, die auf großen Plakatwänden in vielen deutschen Innenstädten und im Internet zu finden ist, führen die Kritiker eine zum Verwechseln ähnliche Aktion ins Feld.

"Du glaubst es ist cool, Soldat/in zu sein?"

Offensives Anwerben von neuen Soldaten stößt viele Menschen vor den Kopf. Großflächige Werbung, hippe Grafik, markige Sprüche: Die Bundeswehr will sich als moderner Arbeitgeber präsentieren. Die Berliner Polit-Aktivisten argumentieren dagegen. "Du glaubst es ist cool, Soldat/in zu sein?" fragen sie auf ihrer der Bundeswehr-Homepage zum Verwechseln ähnlichen Fake-Seite. Dass die Antwort der Aktivisten nicht positiv sein wird, liegt nahe. Im Netz greifen viele Nutzer die Aktion unter dem Twitter-Hashtag "#machwaszaehlt" auf und machen ihre ganz eigene "Werbung" für die Bundeswehr.

Den Aktivisten des Kollektivs gehe es nicht darum, die Bundeswehr per se anzugreifen. "Mit der Werbekampagne wird schlicht ein falsches Bild der Armee gezeichnet. Es suggeriert Abenteuer, Kameradschaft, Spaß. Es schafft einen Heldenmythos. Dass das Töten ein integraler Bestandteil der Arbeit ist, wird nicht deutlich", sagt ein Peng!-Aktivist, der Philipp Fisch genannt werden möchte, dem stern. Zwar habe es auch früher schon Werbeaktionen der Bundeswehr gegeben, die hätten sich aber nicht so gezielt an Jugendliche gerichtet. "Die Bundeswehr präsentiert sich nun als Teil der Mitte der Gesellschaft, als normaler Arbeitgeber. Da wollten wir etwas entgegensetzen", so Fisch weiter.

Um vor allem Jugendliche zu erreichen, die sich von den Werbeplakaten der Bundeswehr angesprochen fühlten, sicherte sich die Gruppe um Fisch sechs Internet-Domains, die alle fast denselben Wortlaut haben wie das Original. Erreicht werden konnten so - hauptsächlich über die Sozialen Netzwerke - über 100.000 Menschen. Mit einem 100-Euro-Budget gegen die 10-Millionen-Kampagne der Bundeswehr. David gegen Goliath.

Spruch aus der Peng!-Kampagne: "Wir schießen die Bösen einfach ab."

Peng! kopiert die Kampagne der Bundeswehr, um Jugendliche vor der Arbeit als Soldat zu warnen.

Die Aktion verbreitete sich rasend schnell im Netz, wurde unzählige Male auf Twitter geteilt. Daran wollen die Aktivisten anknüpfen. "Wir haben die eigentliche Zielgruppe noch nicht in dem Maße erreicht, wie wir uns das gewünscht hätten", sagt Fisch. Vielmehr hätten ohnehin bundeswehrkritische Leute die Gegenkampagne verbreitet. Deshalb planen die Aktivisten weitere Aktionen, beispielsweise gegen Bundeswehr-Werbung an Schulen.

Wer sind die Aktivisten?

Das Peng!-Kollektiv ist eigenen Angaben nach eine Gruppe von rund 40 "cleveren und albernen Leuten", heißt es auf der Homepage, darunter Graphikdesigner, Politikwissenschaftler und Politiker. Ihre Aktionen seien subversiver und humoristischer Art, Aktionen des zivilen Ungehorsams. "Ziel unserer Arbeit ist es, die zivilgesellschaftlichen Zähne zu schärfen gegen die Lobbyarbeit von großen Organisationen", sagt Fisch. Die politische Ausrichtung des Kollektivs lasse sich nur schwer einheitlich beschreiben, eine gemeinsame Basis sei die Kritik am Kapitalismus. Sie finanzierten sich hauptsächlich aus Spenden und einer Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes.

Vor einigen Monaten starteten die Berliner die Kampagne "Fluchthelfer.in". Unter dem Motto "Fluchthilfe is not a crime" sollen Menschen dazu ermuntert werden, Flüchtlingen im eigenen Auto über die deutsche Grenze zu helfen. Dazu werden auf der Aktionshomepage Tipps gegeben, wie man möglichst unauffällig deutsche Grenzen passiert und welche rechtlichen Konsequenzen man bei dieser illegalen Aktion zu erwarten habe. Bislang 569 Mal sei erfolgreiche Fluchthilfe geleistet worden, heißt es auf der Homepage.

Auch die Geheimdienste werden nicht verschont. Als Reaktion auf die Enthüllungen von Edward Snowden bietet eine von den Aktivisten geschaffene Plattform Argumente für Mitarbeiter, aus der Tätigkeit im Geheimdienst auszusteigen. Für die, die nicht wissen wie, gibt es gleich noch eine Anleitung und ein vorgefertigtes Kündigungsschreiben dazu. Beide Kampagnen laufen noch.

Sprache und Symbolik wird bewusst übernommen

Das Kollektiv arbeitet bei seinen Aktionen mit ansprechenden Videos, visuell werden die Kampagnen perfekt inszeniert. Dabei werden die Sprache und Symbolik der Zielgruppe übernommen. Im Fall der Bundeswehr-Werbung ist das auf den ersten Blick zu erkennen. Man könnte sagen, die Seite wurde kopiert. Aus juristischer Sicht sind die Aktivisten deshalb aber entspannt, das Recht auf Satire sei sehr gut geschützt, besser als das Urheberrecht, sagt Fisch und ergänzt: "Außerdem würde sich die Bundeswehr der Lächerlichkeit preisgeben, hatte sie doch selbst kürzlich damit geworben, auch für die zu kämpfen, die gegen sie seien." Eine offizielle Reaktion gibt es noch nicht.

Die Aktivisten kritisieren aber nicht nur, sie bieten auch Alternativen an. Im Falle der Bundeswehr-Werbung gibt es die in Form einer Liste von Berufsvorschlägen, die junge Leute auf der Suche nach Sinn und Arbeit ergreifen könnten, die wirklich etwas zählten: als Erzieher arbeiten, bei der Feuerwehr helfen oder Flüchtlinge unterstützen. In den Augen der Aktivisten seien das Berufe, die die "Gesellschaft wirklich voranbringen".

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