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Bei "Aktenzeichen XY" Disco-Mord vom Chiemsee: Polizei sucht Partygäste – und gibt Einblicke in "komplexe" Ermittlungen

Hanna aus Aschau am Chiemsee, nach Besuch der Disco "Eiskeller" ermordet; Polizei sucht Hinweise zu Armbanduhr
Hanna W. wurde nach dem Besuch der Disco "Eiskeller" in Aschau am Chiemsee ermordet. Durch die  ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst hofft diePolizei unter anderem auf Hinweise zu einer hölzernen Armbanduhr.
© Polizeipräsididium Oberbayern Süd
Im Fall des Mordes an einer jungen Frau nach einem Disco-Besuch am Chiemsee geht die Polizei jetzt erneut an die Öffentlichkeit – via "Aktenzeichen XY ... ungelöst". So liefen die Ermittlungen bislang.

Die Hoffnung auf einen schnellen Fahndungserfolg hat sich nicht erfüllt. Auch mehr als einen Monat nach dem Mord an der 23-jährigen Hanna W. aus Aschau im Chiemgau ist der Täter weiter nicht gefasst.

Nun nimmt die Soko "Club" der Kripo Rosenheim einen weiteren Versuch voranzukommen und präsentiert den Fall einem Millionenpublikum. In der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" will sich Soko-Leiter Hans-Peter Butz am Mittwochabend an die Zuschauerinnen und Zuschauer wenden. Dennoch immer haben die Ermittlerinnen und Ermittler viele Fragen.

Polizei hat Fragen zu Armbanduhr

Unter anderem die bei einer Suchaktion Mitte Oktober gefundene Armbanduhr gibt ihnen immer noch Rätsel auf. Es handelt sich um ein auffälliges Modell, deren Gehäuse und Armband größtenteils aus Holz bestehen. Die Uhr der Marke "Holzkern" mit rundem Zifferblatt (Durchmesser 4,4 Zentimeter) könnte ein Schlüssel zur Lösung des Falls sein. Die Soko fragt daher:

  • Wer kennt die Uhr oder weiß, woher sie stammt?
  • Wer weiß, wem diese Uhr gehört oder kennt eine Person, die eine solche Uhr bis zuletzt in Besitz hatte?

Die Armbanduhr wurde nur rund 250 Meter von der Aschauer Diskothek "Eiskeller" in einem Bach gefunden. Den Hiphop-Club hatte Hanna W. vor ihrer Ermordung besucht.

Wie berichtet, war die Studentin dort in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober auf einer Party, die sie gegen 2.30 Uhr verlassen hatte. Zwölf Stunden später fand ein Passant die Leiche der Frau rund zehn Kilometer nördlich im Fluss Prien. Die Polizei geht nach der rechtsmedizinischen Untersuchung von einem Tötungsdelikt aus und sucht seither erfolglos nach dem Täter. Ob es auch Hinweise auf ein Sexualverbrechen gibt, teilten die Behörden bislang nicht mit.

Soko "Club" ermittelt nach Disco-Mord am Chiemsee

Nach wie vor arbeiten rund 50 Ermittlerinnen und Ermittlerinnen der Sonderkommission an dem Fall. Denn noch ist nicht bekannt, was zwischen dem Verlassen der Disco und dem Auffinden der Leiche von Hanna W. geschehen ist, wer die junge Frau getötet hat.

Um das Geschehen zu rekonstruieren, ist die Soko auf die Hilfe der Gäste der Hiphop-Party angewiesen. Bis zu 800 haben dort in der Nacht zum Tag der Deutschen Einheit gefeiert, erst rund 200 von ihnen konnten die Beamtinnen und Beamten bereits vernehmen – viele jedoch noch nicht. Daher bittet die Polizei alle weiteren Besucherinnen und Besucher der "Season Opening"-Party, sich über ein Online-Formular bei ihr zu melden. "Es sind manchmal Einzelheiten, die einem selber erstmal vollkommen unscheinbar vorkommen", sagte Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, jüngst dem "Oberbayerischen Volksblatt" (OVB) zu dem erneuten Aufruf.

Besonderes Augenmerk legt die Soko inzwischen auf den Bereich der Datenanalyse. Nach vorherigen Aufrufen sind mehrere Hundert Gigabyte an Foto- und Filmdateien bei den Ermittlerinnen und Ermittlern eingegangen, die akribisch ausgewertet müssen. Die Polizei schließt auch nicht aus, dass sich der Mörder von Hanna W. unter den Gästen vom "Eiskeller" befunden hat. In die Ermittlungen ist auch die Operative Fallanalyse des Polizeipräsidiums München eingebunden, im Volksmund "Profiler". Insgesamt sind bereits rund 350 Hinweise bei der Soko "Club" eingegangen.

"Aktenzeichen XY" oft letzter Strohhalm

Ein öffentlichkeitswirksamer Aufruf in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" gilt unter Ermittelnden oftmals als letzter Strohhalm, um doch noch eine Spur zur Lösung eines Falles zu finden.

Im Fall des Aschauer Disco-Mords sind Polizeisprecher Sonntag zufolge jedoch noch lange nicht alle Ermittlungsansätze ausgeschöpft. Allein die Anzahl von potenziellen Zeuginnen und Zeugen sowie die Menge an sichergestellten Daten zeigten, dass es noch genug tun gebe. "Wir sind mittendrin." Die Ermittlungen seien "sehr komplex, sehr auswertungsintensiv". "Es geht um eine weitgehende Rekonstruktion der Bewegungen in diesem Lokal", sagte Sonntag dem OVB weiter. "Wir wollen wissen, was an dem Abend passiert ist im Musikclub, insbesondere auch, was geschehen ist, nachdem Hanna den Club verlassen hatte." Ziel sei es, weitestgehend die Beziehungen der Personen in der Umgebung untereinander zu registrieren. Allein dies sei eine "Mammutaufgabe".

Neben neuen Hinweisen hoffen die Beamtinnen und Beamten auch noch, das Handy der Getöteten zu finden. Trotz umfangreicher Suchmaßnahmen rund um die Diskothek und um den Leichenfundort sowie im Fluss Prien werde es noch vermisst.

Der Mord an der jungen Frau liegt offenbar weiterhin wie ein Schatten über dem Chiemgau. Aschaus Bürgermeister Simon Frank sagte: "Die Hoffnung, dass die Sache umfassend aufgeklärt wird, ist groß".

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"Aktenzeichen XY ... ungelöst" läuft am Mittwochabend (9. November) um 20.15 Uhr im ZDF. Hinweise zu dem Fall werden während und nach der Sendung unter der Telefonnummer (089) 950195 entgegengenommen. Zeuginnen und Zeugen können sich jedoch auch an jede andere Polizeidienststelle oder direkt unter (08031) 2000 an das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim wenden.

Quellen: Polizeipräsidium Oberbayern Süd, "Oberbayerisches Volksblatt"ZDF

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