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Sorge vor Flüchtlingshetze: Weil Tatverdächtiger schwarz ist: "Aktenzeichen XY" wollte Bericht verschieben

Wegen der aktuellen Stimmungsmache gegen Flüchtlinge wollte die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" einen Bericht über einen mutmaßlichen schwarzen Vergewaltiger vorerst nicht ausstrahlen. Man wolle kein Öl ins Feuer gießen, so hieß es. Mittlerweile folgte die Rolle rückwärts.

Moderator Rudi Cerne in Studio-Deko der Sendung Aktenzeichen XY ... ungelöst

Um keine weiteren Vorurteile gegen Ausländer und Flüchtlinge zu schüren, bremst sich "Aktenzeichen XY" mit Moderator Rudi Cerne selber aus - und die Ermittlungen der Polizei.

Angesichts der aktuellen Flüchtlingsdebatte und der Zunahme von rassistischen Vorurteilen gegenüber Ausländern will die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" einen Beitrag über einen mutmaßlichen Vergewaltiger mit dunkler Hautfarbe vorerst nicht ausstrahlen. Dies berichten die "Ruhr Nachrichten".

"Wir wollen kein Öl ins Feuer gießen und keine schlechte Stimmung befördern. Das haben diese Menschen nicht verdient", wird die Chefredakteurin der Sendung, Ina-Maria Reize-Wildemann, in dem Bericht zitiert. Demnach sieht die Redaktionsleiterin die große Gefahr, die vor allem in Internet-Kommentaren betriebene Stimmungsmache unnötig weiter zu befeuern und so möglicherweise auch weitere Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte zu befördern.

Der eigentlich für den 2. September vorgesehene Beitrag über den mutmaßlichen Täter mit schwarzer Hautfarbe, der im März vergangenen Jahres eine 21-jährige Frau in Dortmund vergewaltigt haben soll, wird dem Bericht zufolge stattdessen im Dezember oder Anfang 2016 ausgestrahlt.

Polizei interveniert vergeblich gegen Verschiebung

Die Dortmunder Polizei, die nunmehr fast anderthalb Jahre erfolglos nach dem Vergewaltiger fahndet, soll gegen die Verschiebung des Sendetermins vergeblich interveniert haben - entsprechend enttäuscht zeigte sich Polizeisprecher Oliver Peiler in dem Bericht: "Die Dortmunder Polizei hat weder die Absicht, noch die Möglichkeit, einen Entscheidungsprozess in einer Redaktion zu beeinflussen. Erst wenn alle klassischen Ermittlungsmethoden ausgeschöpft sind, greifen wir zum Mittel der Öffentlichkeitsfahndung. Daher finden wir es sehr bedauerlich, dass die weitere Aufklärung des Falles nicht möglich erscheint", zitieren die "Ruhr Nachrichtenden" Beamten. 

Darauf angesprochen, wie man verfahre, wenn die rassistischen Netz-Kommentare auch zum neuen Sendetermin nicht abgeebbt hätten, antwortete Reize-Wildemann dem Bericht zufolge: "Das entscheiden wir dann, der Zeitpunkt muss richtig sein".

Stellungnahme vom ZDF

Mittlerweile gibt es eine offizielle Stellungnahme vom ZDF via Twitter.

mod