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Fall aus "Aktenzeichen XY": Vater soll geistig beeinträchtigte Tochter zum Missbrauch angeboten haben – wer kennt diesen Mann?

Ein mutmaßlicher Kinderschänder soll seine geistig beeinträchtigte Tochter im Internet zum Missbrauch angeboten haben. Nun fahndet die Polizei mit einem Foto nach dem Unbekannten – obwohl nicht ganz sicher ist, ob dieses den Täter überhaupt zeigt.

Kassel - Fahndung - Kindesmissbrauch - Aktenzeichen xy

Mit diesem Foto suchen die Ermittler nach dem Mann, der verdächtigt wird, das ebenfalls abgebildete Mädchen im Internet zum Missbrauch angeboten zu haben. Auch in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" wurde der Fall thematisiert.

Es ist ein Foto, das in ähnlicher Art in so manchem Familienalbum kleben dürfte. Ein Mann, geschätzte 40 bis 50 Jahre alt, sitzt mit hellblauem, ärmellosem Shirt auf einer weißen Plastikbank. Seine dunklen, lockigen Haare ragen an den Schläfen und im Nacken unter einem grün- oder jeansfarbenen Basecap, das er tief ins Gesicht gezogen hat, heraus, sind womöglich zu einem Pferdeschwanz gebunden. Der Mann scheint zu lächeln. Auf seinem Schoß: ein etwa zwölf Jahre altes Mädchen, rötliche Haare und mit einem roten, ebenfalls ärmellosen Shirt bekleidet. Sie trägt eine Brille mit ovalen Gläsern, um ihren Hals baumelt ein Schlüsselanhänger. Unglücklich wirkt das Mädchen nicht. Obwohl es, und davon geht die Kriminalpolizei Kassel aus, vermutlich seit Jahren allen Grund dazu hätte.

Es waren die Kripo-Ermittler, die das Foto am Mittwochnachmittag in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Kassel zwecks öffentlicher Fahndung herausgegeben haben, hoffend, so Hinweise auf die Abgebildeten zu erhalten. Am selben Abend wird es auch in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" gezeigt. Warum? Die Beamten glauben nach ihren inzwischen mehr als zwei Jahren andauernden Ermittlungen, dass es sich bei dem unbekannten Mann um einen Kinderschänder handeln könnte. Und dass das Mädchen, das Opfer, seine eigene Tochter ist.

Ermittler gehen von jahrelangem Missbrauch aus

Im Chat eines Kleinanzeigenportals soll der Unbekannte das vermutlich 2016 entstandene Bild anderen Nutzern geschickt und gegenüber diesen angegeben haben, dass das Mädchen seine geistig beeinträchtigte Tochter sei, die er seit deren sechstem Lebensjahr sexuell missbrauche. Besonders verstörend: Seinen Chatpartnern bot der Mann demnach an, sich auch an dem Mädchen vergehen zu können. Ob es tatsächlich zu Treffen mit anderen Tätern kam, ist der Kripo nicht bekannt. Auch, weil der Unbekannte es bislang schaffte, seine wahre Identität gezielt zu verschleiern.

Dass die Polizei den Mann überhaupt auf dem Radar hat, verdankt sie einem aufmerksamen Mitarbeiter des Anzeigenportals, dem 2016 eine geschaltete Annonce aufgefallen war. "FKK, Freundschaften und mehr" stand über der Anzeige eines Nutzers, der sich mal "Gerd", mal "Jonas" nannte. Das auf seinem Schoß sitzende Mädchen, zum Zeitpunkt der Aufnahme dem Verfasser zufolge angeblich zwölfjährig, wurde mal "Anja", mal "Saskia" genannt. Auch dass er alleinerziehend sei, nachdem die Mutter des Kindes nach der Geburt gestorben war, stand in der Anzeige.

Zeigt das Foto überhaupt Täter und Opfer? 

Die Polizei leitete nach dem Hinweis auf die Annonce sofort Ermittlungen ein und stellte so schnell fest, dass der Mann neben dem Anzeigenportal auch in Flirtportalen aktiv war. Dort habe er unter den Profilnamen "RubensLiebhabER" und "RubensFan55" firmiert. Als Echtnamen hinterlegte er die Namen "Gerd Mahler" und "Gerd Meistermann", als Wohnort gab er mal den Kasseler Stadtteil Bad Wilhelmshöhe, mal Hannover an. Alles falsch, wie die Kripo schnell herausfand. Genau das ist das Problem.

"Sämtliche bisherige intensive Ermittlungen zur Identifizierung des Mannes oder des Kindes führten bislang nicht zum Erfolg", heißt es in einer Pressemitteilung von Mittwoch. Auch sei noch völlig unklar, ob es sich bei dem auf dem Foto abgebildeten Mann "tatsächlich um den Verfasser der besagten Chat-Nachrichten handelt und ob die darin geschilderten Handlungen der Wahrheit entsprechen", so die Beamten weiter. Nur in einem Punkt ist sich die Kripo nach der Auswertung der bisherigen Erkenntnisse ziemlich sicher: Dass das Kind, das heute 15 etwa Jahre alt sein müsste, über mehrere Jahre hinweg schwer sexuell missbraucht wurde.

20 Hinweise durch Fahndung und "Aktenzeichen XY"

Durch die am Mittwoch gestartete Öffentlichkeitsfahndung sowie den Auftritt bei "Aktenzeichen XY ... ungelöst" haben die Ermittler des Kommissariats 12 immerhin 20 erste Hinweise aus der Bevölkerung erhalten, "darunter auch einige konkretere", wie Polizeisprecher Matthias Mänz dem stern auf Anfrage bestätigte. Diese würden nun intensiv geprüft, um im Optimalfall "neue Ermittlungsansätze" zu finden. Genauer wollte Mänz darauf "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht eingehen. Ziel der aktuell Ermittlungen sei es nun zunächst, die "Personen auf dem Foto zweifelsfrei zu identifizieren".

Warum die Polizei erst jetzt, mehr als zwei Jahre nach Bekanntwerden der Chat-Anzeige, an die Öffentlichkeit ging, begründete Mänz auch damit, dass unverändert unklar sei, ob es sich bei den Abgebildeten überhaupt um Täter und Opfer handele. Das Ausrufen einer Öffentlichkeitsfahndung sei angesichts dieser Unsicherheit und der Persönlichkeitsrechte der Gezeigten "ein erheblicher Schritt", so Mänz.

Quelle: Polizeipräsidium Nordhessen

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