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"Amoklauf ohne Waffen": Harte Strafen für Schweizer Prügel-Schüler

Aus "Lust am Klatschen" hatten drei Schweizer Berufsschüler in München Passanten angegriffen und zum Teil schwer verletzt. Jetzt wurden die Jugendlichen zu langen Haftstrafen verurteilt.

Gut acht Monate nach dem aufsehenerregenden Gewaltexzess einer Jugendgruppe in München sind am Montag die Urteile gesprochen worden: Die Jugendkammer des Münchner Landgerichts schickt die drei Schweizer Berufsschüler für lange Zeit ins Gefängnis.

Der Hauptangeklagte Mike B. erhielt wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung eine Haftstrafe von sieben Jahren. Benjamin D. muss für vier Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Der dritte Angeklagte, Ivan Z., bekam wegen gefährlicher Körperverletzung eine Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten.

Als "Amoklauf ohne Waffen" hatte ein Staatsanwalt den Gewaltexzess der drei Schweizer Jugendlichen bezeichnet, der sich Ende Juni 2009 bei einer Klassenfahrt in München abspielte. Die drei damals 16-Jährigen hatten in einem Park mit anderen Klassenkameraden gefeiert, getrunken und Haschisch geraucht, als die Stimmung plötzlich kippte. Zuerst schlugen die Jugendlichen drei Männer in dem Park zusammen, dann zogen sie weiter. Wenige Minuten später überfielen sie einen Geschäftsmann, zerschmetterten sein Gesicht und verletzten ihn lebensgefährlich. Am Ende verprügelten sie noch einen Studenten.

Opfer leiden teilweise heute noch

Die Staatsanwaltschaft hatte für Mike B. neun Jahre, für Benjamin D. sieben und für Ivan Z. sechs Jahre Haft verlangt. Die Verteidiger plädierten hingegen für sehr viel niedrigere Strafen. Die drei Angeklagten hatten sich im Laufe des Prozesses entschuldigt und mit vier ihrer fünf Opfer Geldzahlungen zur Entschädigung vereinbart.

Die Jugendkammer hatte zum Schutz der zur Tatzeit Minderjährigen hinter verschlossenen Türen verhandelt. Nur die Eltern saßen regelmäßig im Gerichtssaal - und der Geschäftsmann als Nebenkläger. Der Familienvater aus Ratingen in Nordrhein-Westfalen hat zahlreiche Operationen über sich ergehen lassen müssen und leidet bis heute an den Folgen des Gewaltexzesses.

Entsetzen auch in der Schweiz

Die grundlose Gewalt und das Alter der Täter hatten nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz eine heftige Debatte über die Brutalität mancher Jugendlicher ausgelöst. "Das Entsetzen in unserem Land war groß", sagt Marcel Gyr, Redakteur bei der angesehenen "Neuen Züricher Zeitung". Und der Schweizer Jugendpsychologe Hans Hinderer meint: "Wir sind zwar keine Insel der Glückseligkeit, aber in dieser Brutalität haben auch wir das selten erlebt."

fw/DPA / DPA